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Weltweit Weiter Streit um gesetzlichen Mindestlohn im Norden
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Weiter Streit um gesetzlichen Mindestlohn im Norden
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15:28 28.11.2011
Harald Tenzer: „Stundenlöhne von 4 Euro sind eine Schande“ Quelle: Surrey
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Pünktlich zum 60-jährigen Bestehen begann der niedersächsische Verband der Groß- und Außenhändler (GVN) 2005 sein Ende vorzubereiten. Um die Wachstumschancen in Niedersachsen zu nutzen, brauche es mehr Schlagkraft, so der damalige Präsident Harald Tenzer.Heute ist er Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen im neuen AGA Norddeutscher Unternehmensverband, gebildet mit Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.

Mehr als 3500 meist mittelständische Betriebe im Groß- und Außenhandel  sowie in den unternehmensnahen Dienstleistungen mit 150 000 Beschäftigten gehören dazu, das Spektrum reicht von Handelskonzernen bis zu Werbeagenturen, von Speditionen bis zu Ingenieurbüros. Mit der Fusion Anfang des Jahres sind nach Tenzers Überzeugung die  Weichen für Wachstum gestellt. „Das größte Potenzial für neue Mitglieder liegt in Niedersachsen“, sagt der Braunschweiger Unternehmer. Gerade wird eine Kampagne gestartet, um über die bisher 400 Mitglieder in Niedersachsen hinauszukommen. Der AGA ist für die Tarifverhandlungen und die politische Vertretung zuständig, bietet seinen Mitgliedern aber auch Beratung in unternehmerischen und juristischen Fragen.

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Nachdem die meisten Verbände jahrelang unter Mitgliederschwund litten, beobachtet Tenzer mit dem heraufziehenden Fachkräftemangel eine Trendwende. „Wir müssen etwas tun, damit wir die Auszubildenden bekommen, die wir haben wollen“, sagt der Eigentümer eines Mineralölhandels, und dazu gehöre zum Beispiel tarifliche Bezahlung. „Immer mehr Unternehmen wollen in die Tarifbindung zurückkehren.“ Das gelte umso mehr, seit sich die Gewerkschaften  als verlässliche Partner erwiesen hätten: „Die Gewerkschaften kann man für ihr Verhalten in der Krise nur loben. Ihnen waren sichere Arbeitsplätze wichtiger als ein hohes Lohnniveau.“

Der AGA spricht sich zwar gegen einen gesetzlichen Mindestlohn aus, für tariflich vereinbarte Untergrenzen ist Tenzer aber offen. Die müssten sich zwar an den Möglichkeiten der schwächeren Betriebe und auch an regionalen Gegebenheiten orientieren, aber „Stundenlöhne von 3,50 oder vier Euro sind eine Schande und sozial unverantwortlich“. Abgesehen davon verzerrten schwarze Schafe mit solchen Minilöhnen den Wettbewerb. In Niedersachsen galt bis vor zwei Jahren ein tariflicher Mindestlohn für die ganze Branche, doch weil die Unternehmen im Arbeitgeberverband weniger als die Hälfte der Mitarbeiter beschäftigen, ist es erst einmal vorbei mit der Allgemeinverbindlichkeit.

Stefan Winter

Helmuth Klausing 28.11.2011
28.11.2011
28.11.2011