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Weltweit "Wir haben alle unsere Pläne übererfüllt"
Nachrichten Wirtschaft Weltweit "Wir haben alle unsere Pläne übererfüllt"
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18:20 30.03.2012
Von Jens Heitmann
Foto: Wolfram von Fritsch ist seit 1. Juli 2008 Vorstandschef der Deutschen Messe AG.
Wolfram von Fritsch ist seit 1. Juli 2008 Vorstandschef der Deutschen Messe AG. Quelle: Ralf Decker
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Hannover

Herr von Fritsch, drei Wochen vor Beginn der Hannover Messe weiß niemand so recht, wie es mit der Konjunktur weitergeht. Lässt die Zahl der Anmeldungen Rückschlüsse zu?

Ich kann nur sagen: Wir werden die vom Turnus her vergleichbare Veranstaltung von vor zwei Jahren in allen Kategorien toppen: bei der Zahl der Aussteller, der vermieten Fläche und bei den Besuchern...

...Letzteres sollte so schwer nicht sein, weil 2010 wegen Aschewolke über Island viele Gäste nicht nach Hannover kommen konnten...

Das war so. Aber: Die Aussteller sagen uns vor allem, dass wir die richtigen Themen haben. In den Veranstaltungen, die wir in den vergangenen Jahren neu entwickelt haben, verzeichnen wir Wachstumsraten von bis zu 300 Prozent. Hinzu kommt: Mit dem Partnerland China haben wir einen sensationellen Griff getan. China plant auf der Hannover Messe den größten industriellen Einzelauftritt, den es jemals im Ausland organisierte.

Dennoch wird 2012 für die Messe wieder ein schwächeres Jahr, weil der Veranstaltungskalender in den geraden Jahren traditionell weniger gefüllt ist. Lässt sich das ändern?

Unser Ziel ist es, für den Zeitraum 2011 bis 2014 in Summe einen Gewinn auszuweisen. Das werden wir schaffen. Wir haben unsere Bilanz bereinigt, wir sind komplett entschuldet, wir wachsen im Stamm- und im Neugeschäft - und wir haben seit 2008 jeden Plan übererfüllt. In diesem Jahr werden wir noch ein negatives Ergebnis ausweisen, aber 2013 einen Gewinn erzielen und auch 2014 ist mindestens eine schwarze Null geplant.

Die Deutsche Messe ist im Ausland später aktiv geworden als andere. Es gibt das Ziel, ein Fünftel des Umsatzes außerhalb von Hannover zu erwirtschaften. Wann ist es so weit?

Spätestens 2015. Wir haben allein in den vergangenen beiden Jahren 23 neue Messen im Ausland gestartet - damit steht die Deutsche Messe für ein Drittel aller neuen Veranstaltungen hiesiger Messegesellschaften jenseits der Landesgrenzen. Allein mit den neuen Messen haben wir im vergangenen Jahr bereits 8 Millionen Euro Umsatz erzielt und damit mehr als in den drei Jahren zuvor in Summe. Und das Geschäft ist margenstark und profitabel!

Seit der Kapitalerhöhung durch ihre Anteileigner treten Sie auch als Käufer auf. Stehen weitere Akquisitionen an?

Unser Messeradar brummt - wenn ich das so sagen darf. Wir sind an mehreren Projekten dran, haben aber sehr anspruchsvolle Kriterien. Und es lohnt sich: Mit der „Deutsche Messe Interactive“ sind wir jetzt Marktführer bei der digitalen Geschäftsanbahnung, mit „event it AG“ liegen wir bei beim softwaregetriebenen Veranstaltungsmanagement vorn.

In ihrem Kerngeschäft liegen zuweilen andere vorn. Gastveranstaltungen wie die Agritechnica oder die IAA Nutzfahrzeuge sind inzwischen größer als die CeBIT oder die Hannover Messe. Tut das nicht weh?

Warum? Entscheidend ist der richtige Mix. Bei eigenen Messen haben wir alles selbst in der Hand - das ist ein Vorteil. Andererseits bindet das auch Kapazitäten. Gastveranstaltungen werden von den Profis der jeweiligen Branchen betreut. Wichtig ist uns natürlich, die Gastveranstalter möglichst langfristig an uns zu binden. Wir sind da im Augenblick sehr zuversichtlich.

Das Land Niedersachsen und die Stadt Hannover haben der Messe vor drei Jahren eine Kapitalerhöhung von 250 Millionen spendiert? Wann erwarten die Anteilseigner eine Dividende?

In den Gremien ist bisher kein solcher Wunsch an uns herangetragen worden. Aber klar ist auch: Unsere Anteilseigner würden sich sicherlich darüber freuen. Im Vordergrund steht aber die Umwegerendite von jährlich über einer Milliarde Euro, die in Stadt und Region fließt.

Manche haben den Eindruck, die Messe habe schon jetzt zu viel Geld: Sie reißen aus frisch sanierte Gebäude ab, ziehen im Verwaltungshochhaus für hunderttausende Euro neue Glaswände ein...

Das muss man auseinanderhalten: Mit unserem Hochhaus sind wir nach 15 Jahren an einem Punkt, wo wir sowieso renovieren müssen. Da wir bei der Gelegenheit ohnehin Arbeitsflächen neu organisieren, setzen wir zugleich Glaswände ein, die zudem den ein neues Klima für mehr Kommunikation und Transparenz schaffen - und wir bringen pro Etage mehr Arbeitsplätze unter als bisher. Bei dem anderen Thema war aus baulichen Gründen ein neuer Eingang erforderlich. Das Gebäude, das wir hierfür entfernen, war vor einigen Jahren zwingend brandschutztechnisch zu sanieren gewesen, als die jetzige Situation nicht absehbar war. Nun sorgen wir für einen neuen Auftritt nach außen.

Am Montag fangen mit Jochen Köckler und Frank Pörschmann gleich zwei neue Kollegen als Vorstände an. Braucht die Deutsche Messe wirklich vier Vorstände?

Wir orientieren uns an den Wünschen der Kunden. Angesichts von bis zu 40000 Aussteller-Kunden im Jahr haben unsere Vorstände eine starke Vertriebsfunktion - es gibt eine ganze Reihe von Anlässen, wo protokollarisch Vorstände erwartet werden. Dem kommen wir nach.

Sie stehen seit 2008 an der Spitze, Ihr Vertrag läuft bis März 2013. Gibt es Gespräche über eine Verlängerung?

Das ist Sache des Aufsichtsrates. Ich kann nur sagen: Mir macht es großen Spaß.

Interview: Jens Heitmann

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