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20:54 23.01.2015
Von Albrecht Scheuermann
Die Europäische Zentralbank schafft durch den Ankauf zusätzliches Geld, das in die Märkte strömt. Quelle: dpa
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Was genau hat die EZB beschlossen?

Die EZB wird von diesem März an bis mindestens Ende September 2016 jeden Monat Anleihen im Wert von jeweils 60 Milliarden Euro auf dem Markt ankaufen. Im Fachjargon wird dies „Quantitative Easing“ (QE) genannt.

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Welche Anleihen werden gekauft?

Die EZB darf Staatsanleihen, Anleihen von EU-Institutionen wie der Europäischen Investitionsbank sowie Unternehmensanleihen ankaufen. Es werden nur Papiere guter Bonität („Investment Grade“) gekauft. Wegen des großen Anteils am gesamten Anleihenmarkt entfällt auf die Staatsbonds der größte Anteil.

Wer trägt die Risiken?

Die Staatsanleihen sollen überwiegend über die jeweiligen nationalen Notenbanken angekauft werden. Zum Beispiel würde also die italienische Notenbank italienische Staatsanleihen erwerben. Sollte ein Land seine Schulden nicht mehr bedienen können, bleibt der Verlust daher zum größten Teil bei der jeweiligen Zentralbank - und damit letztlich bei den Steuerzahlern des entsprechenden Landes.

Welches Ziel verfolgt die EZB?

Verkäufer der Staatsanleihen sind überwiegend Banken und Finanzinstitute. Dadurch fließen insgesamt mehr als eine Billion Euro ins Finanzsystem, sodass Unternehmen und private Haushalte noch günstiger Kredit aufnehmen können. Damit will Europas Notenbank die Investitionen und den Konsum stützen. Dies soll die derzeit bei 0 liegende Teuerungsrate wieder in die Nähe von 2 Prozent bringen.

Warum will die EZB die Inflation in Gang bringen?

Normalerweise streben Notenbanken eine möglichst niedrige Inflationsrate an. Zu niedrig soll sie allerdings auch nicht werden, weil dann nach Ansicht von Finanzexperten eine Krise droht. Dies könnte dann der Fall sein, wenn die Preise über einen längeren Zeitraum ins Rutschen geraten. Wenn die sogenannte „Inflationserwartung“ negativ wird, besteht die Gefahr, dass Verbraucher und Unternehmen Geld horten und Ausgaben verschieben, weil alles in Zukunft noch billiger werden könnte. Dies will die EZB vermeiden.

Was bedeutet QE für die Staatsschulden?

Durch das Ankaufprogramm werden die ohnehin schon sehr niedrigen Renditen für Staatsanleihen noch geringer. Die Finanzminister kommen also noch zinsgünstiger an neue Kredite. Dies könnte ihren Spar- und Reformeifer erlahmen und die Staatsschulden weiter steigen lassen.

Welche Folgen hat QE für die Wirtschaft?

Der Haupteffekt dürfte darin bestehen, dass der Kurs des Euro noch stärker unter Druck kommt. Dies fördert zunächst die Industrie der Euro-Zone, weil es ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Märkten erhöht.

Welche Folgen hat QE für die Verbraucher?

Tendenziell ist mit steigenden Preisen zu rechnen. Unmittelbar zu spüren sein dürften die EZB-Beschlüsse an der Tankstelle, weil Öl in Euro gerechnet teurer wird. Auch Urlaubsreisen in Länder außerhalb der Euro-Zone werden wegen des schwachen Euro zumeist teurer.

Was bedeuten die Beschlüsse für den Sparer?

Vor allem die Sparer müssen die Kosten der EZB-Politik tragen. Die Zinsen sind de facto abgeschafft. Dies dürfte dazu führen, dass viele Menschen kein Geld mehr zur Seite legen. Es drohen langfristig fatale Konsequenzen insbesondere für die Altersvorsorge.

Wie reagieren die Finanzmärkte?

Die Europäische Zentralbank schafft durch den Ankauf zusätzliches Geld, das in die Märkte strömt. Deshalb ist mit weiter steigenden Kursen bei Aktien und Anleihen zu rechnen. Allerdings wächst dadurch die Gefahr einer sogenannten „Liquiditätsblase“ auf diesen Märkten. Diese könnte dann platzen, sobald sich ein Ende der Geldschwemme abzeichnet.

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