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Weltweit Zipse oder Fröhlich – wer wird Nachfolger von BMW-Chef Harald Krüger?
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Zipse oder Fröhlich – wer wird Nachfolger von BMW-Chef Harald Krüger?
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16:27 05.07.2019
Bei BMW steht ein Wechsel an der Spitze bevor: Übernimmt Klaus Fröhlich (links) oder Oliver Zipse? Quelle: dpa/hö
München

Ganz überraschend kommt es nicht mehr: Harald Krüger tritt nach schwelender Kritik an seiner Person und Strategie als BMW-Chef ab. Er stehe nicht mehr für eine zweite Amtszeit zur Verfügung, hat der 53-Jährige zwei Wochen vor einer Aufsichtsratssitzung erklärt, die ohnehin seine Ablösung hätte bringen können. So gesehen ist er seinem Rauswurf zuvorgekommen. In der offiziellen BMW-Mitteilung wird der zurückhaltende Manager mit Respektbekundungen verabschiedet. Er habe im Haus mit großer Leidenschaft wichtige Akzente gesetzt, erklärte BMW-Oberaufseher Norbert Reithofer und zeigte zugleich Verständnis für den Schritt.

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BMW-Chef Harald Krüger hört auf

In den BMW-Aufsichtsrat, wie bei Ex-Chefs sonst üblich, soll Krüger offenkundig nicht einziehen. Auch das deutet auf einen eher unfreiwilligen Abschied hin. Sogar ein vorzeitiges Ausscheiden des gebürtigen Freiburgers, dessen Vertrag noch bis Mai 2020 läuft, ist denkbar. Bis zur Entscheidung über seine Nachfolge werde Krüger BMW-Chef bleiben, heißt es offiziell. Diese Entscheidung soll am 18. Juli fallen. Damit müsste der zuletzt eher glücklose Manager zehn Monate vor Vertragsende weichen.

Die Gründe liegen wohl in der Strategie des Autobauers:. Krüger wird schon seit einiger Zeit angekreidet, dass BMW seinen einstigen Vorsprung bei Elektroautos verspielt habe. Auch die Geschäftszahlen fielen zum Teil enttäuschend aus. So wackelt der Krügers Stuhl schon seit einiger Zeit.

Und es werden bereits Nachfolger diskutiert. BMW-intern gelten Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich und Produktionschef Oliver Zipse als Favoriten. Anderen BMW-Vorständen oder gar einer externen Lösung werden im Haus keine Chancen eingeräumt.

Klaus Fröhlich ist bislang Entwicklungsvorstand bei BMW. Quelle: Tobias Hase/dpa

Fröhlich steht als Entwicklungschef einem Ressort vor, dem im aktuellen technologischen Wandel eine Schlüsselstellung zukommt. Er tritt öffentlich betont selbstbewusst und engagiert auf, was Ambitionen auf den Chefposten signalisiert. Weniger Wohlwollende kritisieren ihn allerdings als aufbrausend.

Dem Vernehmen nach wäre er alles andere als der Wunschkandidat von Personal und Betriebsrat. Intern gilt BMW-Betriebsratschef Manfred Schoch als Kritiker von Fröhlich. Mit 59 Jahren ist der Entwickler zudem sehr nahe an der BMW-internen Altersgrenze von 60 Jahren für Manager. Die sei aber nicht in Stein gemeißelt, sagen Insider.

Oliver Zipse ist bislang Produktionsvorstand bei BMW. Quelle: Tobias Hase/dpa

Zipse wiederum genießt in der Belegschaft einen guten Ruf und gilt als konsensorientiert. Er ist mit 55 Jahren auch jünger und steht als Produktionsvorstand einem Ressort vor, das bei BMW traditionell zur Übernahme des Chefsessels prädestiniert.

Bevor der studierte Maschinenbauingenieur Krüger dort gelandet ist, war auch er Produktionschef. Auch Zipse hat aber intern seine Kritiker, die vor allem in den eigenen Vorstandsreihen zu finden sind. Ihnen gilt der 55-jährige als blass und zu zurückhaltend.

Neuer Führungsstil oder Altbewährtes?

Zipse stünde für eine Beibehaltung des bisherigen Führungsstils, Fröhlich eher für rauere Töne und forschere Gangart. Wer das Rennen macht, entscheidet bei BMW vor allem die dort dominierende Aktionärsfamilie Quandt, die mit Susanne Klatten und Stefan Quandt auch zwei Vertreter im Aufsichtsrat hat. Sie favorisieren traditionell Manager, die ihr Ego unter Kontrolle haben. Forsche Charaktere sind deshalb schon beim Sprung an die Konzernspitze gescheitert – Wolfgang Reitzle etwa oder der heutige VW-Boss Herbert Diess.

Andererseits könnten die Hintergründe von Krügers Abgang eine Abkehr von dieser Praxis bringen. Denn er hätte manches Thema forscher angehen können. So war BMW der Elektropionier unter Deutschlands Autobauern, als 2013 der vollelektrische BMW i3 auf den Markt kam – damals noch unter Führung von Norbert Reithofer.

Doch danach ist von BMW in Sachen Elektromobilität nicht mehr viel Neues gekommen – bis auf einige Ankündigungen in der jüngsten Vergangenheit. Daimler und VW gehen das Thema inzwischen deutlich aggressiver an. Zudem hat Mercedes die Marke BMW 2016 in der Ära Krüger als weltgrößten Premiumhersteller abgelöst.

Mehr Durchsetzungskraft und größeren strategischen Mut trauen Kenner der BMW-Verhältnisse Fröhlich zu, der wie Krüger und Zipse Maschinenbauingenieur ist. Im inneren Machtzirkel des Hauses dürfte die Entscheidung, wer neuer Boss wird, schon gefallen sein.

Aber dort weiß man erfahrungsgemäß zu schweigen. Insofern müssen Außenstehende wohl auf die Aufsichtsratssitzung am 18. Juli warten.

Von RND/Thomas Magenheim