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Weltweit Da braut sich was zusammen
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12:41 23.04.2014
Auch Niedersachsen ist Kartoffelland – auf die Idee mit dem Bier ist allerdings die Klosterbrauerei aus dem brandenburgischen Neuzelle gekommen. Quelle: Patrick Pleul
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Hannover

Zumindest die Pläne für das deutsche Bier wirken feuchtfröhlich. Nach dem Willen der Brauer soll das Reinheitsgebot Weltkulturerbe werden. Dies wäre ein Ritterschlag für die Biernation und – global gesehen – wohl auch werbewirksam. Nüchtern betrachtet stellt sich die Lage am heutigen „Weltbiertag“ hingegen anders dar: Der Bierdurst hierzulande schwindet seit Jahren. Große Hoffnungen gedeihen allenfalls im Kleinen – Privatbrauereien sind zwischen Harz und Küste wieder auf dem Vormarsch.

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Immerhin 68 Betriebe waren es im vergangenen Jahr in Niedersachsen, wie die amtliche Statistik besagt. Damit ist der Trend seit Jahren positiv, obwohl der Bierabsatz 2013 im Vergleich zum Vorjahr um ein Zehntel absackte. Gegenüber dem Jahr 2010 liegt das Minus bei fast einem Fünftel. Noch gut 100 Liter pro Jahr trinken die Deutschen im Schnitt – Mitte der siebizer Jahre waren es noch 150 Liter.

Die Brauer kennen die Gründe: Das Aufweichen der klassischen Arbeitszeiten erschwert das Ritual des Feierabendbieres im Kollegenkreis, junge Leute greifen verstärkt zu Mischgetränken aus Schnaps und Limonade. Generell setzt sich zudem mehr und mehr Bio-Lifestyle statt Bierbauch durch.

Bier ist nicht gleich Bier

Doch Bier ist nicht gleich Bier. Der große Abwärtstrend spiegelt nicht den Zustand im Lokalen wider, wo kleine Brauereien neu eröffnen und ihre Spezialprodukte kreieren. „Hochwertige lokale Spezialitäten sind eindeutig auf dem Vormarsch“, berichtet Roland Demleitner vom Verband der Privaten Brauereien Deutschland.

Das hat seine Logik. Denn mit den Fernsehbieren – so nennt die Branche die Konzernmarken mit Dauerpräsenz in der TV-Werbung – und deren Preiskampf auf einem schrumpfenden Markt kann ohnehin keine lokale Brauerei mithalten. Margenstarke Nischenprodukte dagegen sind lukrativ. Und sie schmecken offensichtlich immer mehr Menschen – diesen Schluss lässt zumindest die Statistik mit neu eröffneten Gasthausbrauereien zu. „Ansonsten gibt es für mittelständische oder kleine Brauereien auch keine Überlebenschance“, sagt Demleitner.

Branchenexperten bestätigen das und sehen bundesweit ähnliche Mechanismen. „Die Großen kämpfen untereinander, und die Kleinen versuchen, sich von den Großen abzuheben“, sagt Tim Brzoska. Der Handelsexperte ist Partner bei der Strategieberatungsgesellschaft Simon-Kucher. Das Unternehmen gilt als Marktführer bei der Preisberatung.

Die Kleinen müssen stark sein

Die Auswege für die kleinen Brauer seien klar: „Die müssen es über Innovationen machen, das Bier muss einfach gut sein, anders schmecken und auch besonders daherkommen. Nur so kann man dann auch höhere Preise rechtfertigen.“ Die Kleinen müssten ihre Stärken ausspielen. „Die kennen ihren Markt und Vorlieben der Kunden, sie sind nah an Großhändlern und Restaurants. Die Kosten für Logistik, Werbung und Vertrieb sind überschaubar“, sagt Brzoska.

Wer sich in der Branche umsieht, stößt stets auf ähnliche Konstanten. Die Großen wie Krombacher, Bitburger, Beck’s, oder Veltins kämpfen um die Anteile der anderen. Dann sind da noch die großen privaten Regionalen wie etwa das Einbecker Brauhaus. Es wappnet sich gegen den schwindenden Bierdurst mit modernerer Technik und Rationalisierung. 

Und dann sind da die Kleinen wie die Schaumburger Privat-Brauerei, die in der Insolvenz steckt. Sie kämpft mit Onlinebestellungen gegen die Krise an. Und es gibt die Gaststätten, die selbst brauen. Deren Spanne reicht vom Riesen wie dem Brauhaus Ernst August in Hannover mit bis zu 600 000 Litern Jahresausstoß bis hin zum kleinen Brauhaus Felsenkeller in Lauenau.

dpa

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