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Weltweit Das Rennen um die Ozean-Riesen
Nachrichten Wirtschaft Weltweit Das Rennen um die Ozean-Riesen
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20:25 13.01.2015
Von Heiko Randermann
Das Containerschiff «CSCL Globe» der Reederei China Shipping Group läuft in Hamburg ein. Das größte Schiff der Welt ist knapp 400 Meter lang und 58,60 Meter breit und kann 19.100 Container (TEU) tragen. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
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Hannover

Von allein schaffte es die „CSCL Globe“ gestern im Morgengrauen nicht in den Hamburger Hafen. Schlepper mussten das mit 400 Meter Länge größte Schiff der Welt drehen und rückwärts ins Hafenbecken bugsieren. Drei Tage wird der Containerriese auf seiner Jungfernfahrt in der Hansestadt verweilen, ein Zwischenstopp im Jade-Weser-Port (JWP) in Wilhelmshaven ist dagegen nicht vorgesehen. Dabei ist Deutschlands einziger Tiefwasserhafen genau für solche Containerriesen gebaut worden, und anders als in Hamburg hätte die „Globe“ hier sogar voll und nicht nur halb beladen anlanden können. Dass sich bei den JWP-Verantwortlichen darüber niemand aufregt, hat einen Grund: Nach jahrelangen Negativ-Schlagzeilen macht sich derzeit rund um den Jade-Weser-Port erstmals vorsichtige Zuversicht breit.

Dabei gab es für Optimismus bis vor einem halben Jahr noch keinen Grund. Seit seiner Eröffnung im September 2012 hatten kaum Schiffe im JWP angelegt, dafür lag das ausgebrannte Wrack der „Flaminia“ wochenlang an der Kaje. Die Firma Nordfrost, die als einzige ein Kühlhaus im Hafen unterhält, verklagte die niedersächsische JWP-Gesellschaft wegen der Hafen-Flaute. Und auch im Juni 2014 folgte zunächst eine Hiobsbotschaft: Das geplante Reedereien-Bündnis P3, das den Jade-Weser-Port in seine Routen aufnehmen wollte, platzte. Doch schon im September kam die erlösende Botschaft: Die Allianz 2M aus der dänischen Maersk und der schweizerischen MSC kündigte an, den Jade-Weser-Port mit zwei Linien aus Fernost anzusteuern. Ab Februar wird außerdem eine Maersk-Linie dazukommen, die in den Mittleren Osten fahren soll. Dann werden pro Woche drei Containerriesen ankommen, zwei mit 14 000 TEU (Standardcontainer) Ladekapazität und einer mit 18 000 TEU. Die „CSCL Globe“ kann 19 000 TEU aufnehmen. Dazu kommen die sogenannten Feeder-Linien, kleinere Schiffe, die Container von großen Schiffen übernehmen.

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Der Hafen sei damit immer noch von der Vollauslastung weit entfernt, räumt Ministeriumssprecher Wittke ein. Doch der Jade-Weser-Port sei jetzt auf der Weltkarte aufgetaucht, „wir glauben schon, dass wir jetzt eine Tür zum Markt offen haben.“

„Das ist ein guter Start ins Jahr 2015“, lobt auch Felix Jahn, Geschäftsführer Verkehr, Häfen und Schifffahrt bei der IHK Oldenburg. Der Hafen brauche jetzt Zeit, sich zu entwickeln. Entscheidend sei, dass die Infrastruktur bereits stimme: Die Autobahn A 29 gehe bis an das Hafengelände und die Bahnverbindung nach Oldenburg sei zweigleisig ausgebaut.

Doch um sich zu entwickeln, müsse der Hafen stärker beworben werden, mahnt Bernd-Carsten Hiebing, hafenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion. „Der Minister gibt sich da alle Mühe, aber die Unterstützung durch die Regierungsfraktionen fehlt mir vollständig“, sagt er. Lies stehe im Kabinett und in der Koalition häufig allein da, auch finanziell bekomme er keine Unterstützung, so Hiebing.

Die „Globe“ sorgt in Wilhelmshaven nicht für Ärger, allein schon, weil es jüngst ein Gegenbeispiel gab: Am 5. Januar hätte der 399 Meter lange Containerriese „Morten Maersk“ nach Hamburg fahren sollen. Weil aber der starke Wind eine Befahrung der Elbe unmöglich machte, legte der Riese kurzerhand in Wilhelmshaven an. „Für uns steht die Fahrplantreue an erster Stelle“, sagte ein Maersk-Manager dem „Hamburger Abendblatt“ zur Begründung. Im tidenunabhängigen Jade-Weser-Port wird man es gern gehört haben.

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