Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Wissen 2019 könnte ein „Hauptflugjahr“ für Maikäfer werden
Nachrichten Wissen 2019 könnte ein „Hauptflugjahr“ für Maikäfer werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:59 01.05.2019
Frühlingsbote und Landplage: Zu dieser Jahreszeit fliegen wieder Maikäfer durch die Luft. Quelle: Patrick Seeger/dpa
Anzeige
Berlin

Wenige Tiere scheiden die Geister so sehr wie der Maikäfer. Er gilt als Frühlingsbote und beflügelte Dichter und Liedermacher. Für Landwirte kann er dagegen schnell zur Plage werden. Wie steht es um den Maikäfer in diesem Jahr?

Trockenheit lässt Engerlinge besser gedeihen

Bislang sei kein Massenausflug in Sicht, sagt Magnus Wessel, Artenschutz-Experte vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (Bund). „Es wird aber spannend, wie sich das in den nächsten zwei Monaten entwickelt.“ Denn dann erst stelle sich heraus, wie sich die lang anhaltende Trockenheit des vergangenen Sommers auf die Käfer ausgewirkt habe. Denn je mehr der Boden sich erwärmt, desto besser gedeihen die Engerlinge, die Larven, im Boden. Alle drei bis vier Jahre – so lange dauert die Entwicklungszeit der Larven – kommt es aufgrund der Entwicklungszeit zu einem großen Auftritt der Käfer, so Wessel. Experten sprechen dann auch von einem „Hauptflugjahr“.

Mancherorts können Maikäfer dann zu einem Problem werden, wenn sie etwa das Grün von Eiche und Roteiche abfressen. Dann sind die Bäume geschwächt und anfälliger für anhaltende Dürre, wie der Bund-Experte sagt.

Künstliches Licht lenkt Käfer vom „Hochzeitsflug“ ab

In der Dämmerung schwirren die Käfer aus ihren Verstecken, wenn die Vögel, ihre Fressfeinde, schlafen. Dann schwärmen die Käfer in großen Gruppen zum „Hochzeitsflug“ aus. Mit bis zu 50.000 Geruchssensoren auf ihren Fühlerlamellen können die Männchen paarungswillige Weibchen aufspüren. Dummerweise werden sie dabei gerade in den Städten von künstlichem Licht angezogen, dann schwirren sie dorthin – und dotzen gegen Laternen oder hell erleuchtete Fensterscheiben.

Sie fallen auf den Boden – meistens auf den Rücken. Weil ihre Doppelflügel so schwer sind, schaffen es viele nicht, sich umzudrehen. Dann kommen morgens die Pendler und überfahren die Käfer. Das sei der Grund, warum viele Straßen dann mit toten Käfern gepflastert seien, so Wessel. „Die großen Käfer werden nicht vom Luftzug beiseite gefegt, deshalb sind sie schnell direkt betroffen.“

Maikäfer können am längsten – vier Stunden ist Minimum

Dabei hätten die Käfermännchen noch den Sex ihres Lebens erleben können. Denn eine Maikäfer-Begattung läuft vier Stunden – und länger. Das schreibt Tierforscher Andreas Kieling in seinem Buch „Maikäfer können am längsten: Dem Liebesleben der Tiere auf der Spur“. Allerdings sei der Spaß für die andere Hälfte nicht ganz so groß: „Dem Weibchen wird dabei zwischendurch so langweilig, dass es wieder mit dem Fressen anfängt oder einschläft“, schreibt Kieling. Das Männchen stirbt schon kurz nach dem Akt.

Erwischt: Maikäfer bei der Paarung. Vier Stunden und länger dauert der Akt. Quelle: Thomas Wetzel

50 Engerlinge schlüpfen pro Käfer

Nach der Begattung legen die Weibchen in mehreren Schüben ihre Eier in lockerer Erde ab – bis zu 50 pro Käfer. „Das kostet sie so viel Energie, dass auch sie danach sterben“, sagt Wessel. Die Larven entwickelten sich vollständig im Boden, ernähren sich dort von Gras- und Baumwurzeln und werden bis zu fünf Zentimeter groß. Als Jungkäfer überwintern sie noch einmal bis zu einen Meter tief im Erdreich und schlüpfen dann etwa Ende April, sobald es an der Erdoberfläche wärmer wird. Dann stürzen sie sich auf die frischen Blätter von Laubbäumen, am liebsten die der Eiche.

Der Held unter den deutschen Käfern

Der Maikäfer ist ein Volkskäfer. Dichter, Liedermacher und Entwickler haben sich von dem dicken Brummer mit den charakteristischen Fächerfühlern inspirieren lassen. Er prägt das Volkslied „Maikäfer flieg“, schwirrt im fünften „Max und Moritz“-Streich von Wilhelm Busch herum, und er fliegt in Gerdt von Bassewitz’ „Peterchens Mondfahrt“ als Herr Sumsemann mit den Menschenkindern Peter und Anneliese zum Mond, um sein verlorenes sechstes Beinchen zu suchen. Als man den Maikäfer Mitte der 50er- bis in die 70er-Jahre mit dem inzwischen verbotenen Insektizid DDT nahezu ausgerottet hatte, widmete Reinhard Mey im das Lied „Es gibt keine Maikäfer mehr“. Ältere Menschen mögen sich vielleicht noch an das proteinreiche „Maikäfersüppchen“ erinnern.

Der Maikäfer war auch Vorbild beim Design für den motorisierten Käfer von Volkswagen, sogar Namensgeber für das Sondermodell VW 1200. Derzeit ist er wieder massenhaft aus Schokolade in den Supermärkten zu finden.

Vorbild Maikäfer: Bei einem Käfertreffen fahren VW Käfer in Wolfsburg im Corso durch die Stadt . Quelle: Kai-Uwe Knoth /AP

Maikäfer-Bestände wieder erholt

Nach seiner groß angelegten Bekämpfung hat sich der Bestand der Maikäfer in den vergangenen Jahrzehnten wieder erholt, sagt Wessel. Dem allgemeinen Insektensterben trotze er aber dennoch nicht. Der Einsatz von Pestiziden und der Eingriff in seinen Lebensraum mache auch dem dicken Brummer zu schaffen. Deshalb können Großstädter sich glücklich schätzen, wenn sie überhaupt mal einen lebendigen Maikäfer zu sehen bekommen.

Lesen Sie auch:
Insektensterben: Sind bald alle Bienen Drohnen?

Von Sonja Fröhlich/RND

Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui verkündete es im November 2018 auf YouTube: Die weltweit ersten genmanipulierten Zwillinge seien gesund auf die Welt gekommen. Die Nachricht löste eine Welle der Kritik aus. Forscher fordern jetzt mehr Kontrolle.

30.04.2019

In Teilen Europas ist Fettleibigkeit bei Kindern ein großes Problem. Wurden Babys nicht gestillt, ist das Risiko für Übergebwicht groß, zeigen Studien. Aus diesem Grund spricht die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Empfehlung zur Stilldauer aus.

30.04.2019

Amerikanische Medien sprechen von einem Durchbruch: Ärzte und Ingenieure der Universität von Maryland haben eine Flugdrohne entwickelt, die Spender-Organe so schnell wie möglich transportiert. Der Pilotflug mit einer Spenderniere verlief erfolgreich.

30.04.2019