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Wissen Alzheimer: Tipps für Angehörige
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08:59 08.02.2019
In Deutschland leiden rund 1,7 Millionen Menschen an Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen. Quelle: picture alliance
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Hannover

Der Tod von Bundesliga-Legende Rudi Assauer erschüttert die Sport-Welt. Im Alter von 74 Jahren ist er an den Folgen seiner langjährigen Alzheimererkrankung gestorben. In Deutschland leiden rund 1,7 Millionen Menschen an Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen. Rund zwei Drittel davon werden von Angehörigen gepflegt - und das überfordert Familie und Freunde oft.

Susanna Saxl arbeitet bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und weiß, was bei einer Erkrankung in der Verwandtschaft zu tun ist.

Was sind erste Anzeichen einer Alzheimer- oder Demenzerkrankung?

Die ersten wahrnehmbaren Anzeichen sind oftmals Vergesslichkeiten, die sich häufen. Betroffene nehmen beispielsweise Termine nicht wahr, weil sie sich gar nicht daran erinnern können, sie überhaupt ausgemacht zu haben. Oft macht auch ein schwindender Orientierungssinn auf die Krankheit aufmerksam: Vertraute Wege erscheinen plötzlich unbekannt oder es fällt einem, im Vergleich zu vorher, schwer sich in einer weniger bekannten Umgebung zurecht zu finden. Das sollte man ernst nehmen, es untersuchen lassen und nicht selbst auf eine bestimmte Krankheit schließen, denn sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion als auch eine Depression im Alter zeigen ähnliche erste Symptome.

Ab welchem Zeitpunkt sollten Betroffene professionell gepflegt werden?

Gerade zu Beginn der Krankheit kommen viele alleine klar, indem sie zum Beispiel Erinnerungsstützen nutzen und sich Wichtiges aufschreiben. Kommt es aber zu gefährlichen Situationen im Haushalt, wie zu vergessenen Bügeleisen oder an gelassenen Gasherden, muss zwingend eine helfende Hand her. Wollen Sie als Angehöriger jemanden mit einer Alzheimererkrankung pflegen, ist es vor allem wichtig, ein Netzwerk zu haben und Hilfe von außen anzunehmen. Wir hören oft Geschichten, bei denen der ebenfalls ältere Partner oder das Kind versucht, sich alleine um den Betroffenen zu kümmern. Oft ist eine Tag-Nacht-Umkehr die Folge. Das Problem: ist man als Pflegender ständig müde, kann das in Extremfällen sogar zu Aggressivität und Gewalt gegenüber dem Erkrankten führen.

Außerdem kommen viele an körperliche Grenzen, beispielsweise bei einer ausgeprägten Bewegungsunfähigkeit des Betroffenen. Fühlt man sich psychisch oder physisch überlastet, sollte man sich in jedem Fall Hilfe holen. Andernfalls leidet auch der Erkrankte darunter.

Welche Hilfsangebote gibt es?

Möchte man als Angehöriger von einem Pflegeheim absehen, kann eine Tagespflege eine gute Lösung sein. Es gibt diverse Pflegedienste, die sowohl psychologische Betreuung als auch eine Haushaltshilfe bieten - denn sich zeitgleich um den Haushalt des Erkrankten zu kümmern, stellt oft ein Hindernis dar. Außerdem gibt es diverse Betreuungsbörsen, die Ehrenamtliche zur Hilfe vermitteln und dazu beitragen, dass der Angehörige eine Pause hat. Hilfreich sind auch Betreuungsgruppen, bei denen man andere Betroffene kennenlernen kann. Im Allgemeinen ergibt es Sinn, so früh wie möglich individuelle Beratungen in Anspruch zu nehmen und Hilfe bei der Pflegeversicherung zu beantragen.

Sind sich Betroffene dessen bewusst, dass sie krank sind?

Inwiefern Erkrankte realisieren, dass sie mehr und mehr vergessen, ist schwer zu sagen. Viele teilen sich nicht mit, weil sie sich schämen. Die psychische Belastung ist gerade im frühen Stadium der Krankheit sehr stark. Oft entwickelt man Abwehrstrategien und gibt beispielsweise vor, sich wieder an etwas zu erinnern, wenn man darauf angesprochen wird. Die Wenigsten gehen anfangs offen und unbefangen mit der Diagnose um. Im Laufe der Erkrankung gibt es jedoch eine Phase, in der Betroffene definitiv nicht mehr realisieren, dass sie regelmäßig Dinge vergessen. Subjektiv geht es ihnen damit prinzipiell besser.

Wie verhält man sich als Angehöriger?

Am besten ist es, mit möglichst viel Liebe und Wertschätzung damit umzugehen. Es ist wichtig zu akzeptieren, dass die Krankheit jetzt da ist und es keine Behandlungsmöglichkeiten gibt. Außerdem sollte man den Betroffenen nicht ständig damit konfrontieren, wenn etwas nicht mehr funktioniert, sondern ihn unterstützen. Wird der Nachbar beispielsweise nicht mehr erkannt, könnte man den Erkrankten indirekt darauf hinweisen: „Ach, da kommt der Herr Müller. Schön, dass er jetzt auch da ist.“ Hierbei ist es wichtig, die Betroffenen nicht wie Kinder zu behandeln, sondern die Kommunikation anzupassen. Es kann hilfreich sein, in kurzen Sätzen zu sprechen und die Gespräche möglichst unkompliziert zu gestalten: Soll derjenige/diejenige beispielsweise eine Entscheidung treffen, stellen Sie keine fünf Sachen zur Auswahl, wenn Sie merken, dass es ihn/sie überfordert. Bieten Sie lieber zwei Antwortmöglichkeiten. Wichtig für das Selbstwertgefühl ist, dass der Erkrankte das Gefühl hat, viel selbst bestimmten zu dürfen.

Was, wenn man selbst nicht mehr erkannt wird?

Diese Situation ist immer schlimm für Angehörige, aber dennoch Bestandteil der Krankheit. Deshalb kann es hilfreich sein, sich darauf einzustellen. Häufig ist es so, dass die Erkrankten dennoch wissen: „Das ist jemand, der gehört zu mir.“ Darauf kann man als Familienmitglied aufbauen: Reagieren Sie nicht mit Empörung, sondern mit Verständnis.

Wie stirbt man an Alzheimer?

An Alzheimer an sich stirbt man nicht. Die häufigste Todesursache von Alzheimer- oder Demenzerkrankten sind Lungenentzündungen: Schwinden die körperlichen Kräfte der Betroffenen, gehen oft Schluckstörungen einher, die verursachen können, dass Speisebestandteile in die Lunge geraten. Auch Infektionen anderer Art, beispielsweise Harnwegsinfekte, sind oft der Sterbegrund, denn es sind zum größten Teil ältere Menschen, die betroffen sind. Sie haben ohnehin ein geschwächtes Immunsystem.

Von RND/jo

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