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07:00 24.04.2019
Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor. In seiner Kolumne gibt er regelmäßig Tipps für einen erfolgreichen Alltag im Beruf. Quelle: RND /Wehrle
Hamburg

Würden Sie gern eine Position im Topmanagement erobern, aber nach acht Stunden Feierabend machen? Wären Sie gern auf dem aktuellen Wissensstand, ohne Zeit und Geld für Fortbildungen und Bücher aufzuwenden? Würden Sie gern in Ihrer Branche das Gras wachsen hören, ohne Netzwerke zu knüpfen? Sich durchsetzen, ohne in Sitzungen für Ihre Anliegen zu kämpfen? Entspannt sein, ohne sich Zeit für die Hobbys und die Work-Life-Balance zu nehmen? Solche Ziele klingen zu gut, um wahr zu sein. Was auch immer Sie im Berufsleben erreichen wollen, es hat seinen Preis. Wer seinen Bildungsstand aktuell halten will, braucht dafür Zeit und Energie, auch über den Feierabend hinaus. Wer im richtigen Moment über glänzende Kontakte verfügen will, muss sich in jahrelanger Kleinarbeit ein Netzwerk aufbauen. Wer sich bei Entscheidungen in seiner Firma durchsetzen und die Truppen hinter sich wissen will, der muss diese vorher bei zahllosen informellen Treffen aufgebaut haben.

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Ein Kalender voller Meetings

Süße Brombeeren kann nur pflücken, wer sich vorher durchs stachlige Gestrüpp arbeitet. Stimmige Entscheidungen setzen voraus, dass Sie nicht nur auf die Beeren, sondern auch auf die Stacheln achten. Wer zum Beispiel eine Führungsposition annimmt, zahlt dafür einen Preis. Er muss seine geliebte Fachtätigkeit reduzieren, hat den Kalender voller Meetings und ist dem Neid der Überholten ausgesetzt. Zudem muss er sich als Anfänger in der neuen Rolle bewähren und sitzt zu Zeiten, da er sonst Abendbrot mit der Familie aß, noch an seinem Schreibtisch.

Oder: Wer sich einen Namen in seiner Branche aufbauen und damit seine Karrierechancen erhöhen will, muss bei Kongressen und Podiumsdiskussionen sichtbar sein – das bedeutet Reisen und Überstunden. Idealerweise fällt er durch Fachpublikationen auf – das bedeutet viel Recherche- und Schreibarbeit. Und persönliche Empfehlungen wird er nur bekommen, wenn er viele Menschen auch persönlich kennt und überzeugt – und das setzt die Sisyphusarbeit des Netzwerkens voraus.

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Nur wer die Kehrseiten einer Chance kennt, kann wirklich entscheiden: Ist mir die Sache das wert? Oder lohnt es sich nicht? Unser Unbewusstes nimmt solche Abwägungen pausenlos vor. So kenne ich reihenweise Mitarbeiter, die schon seit Jahren den Arbeitgeber wechseln wollen, aber nie eine Bewerbung schreiben. Offenbar gibt es zwei gegensätzliche Kräfte in ihnen: eine, die sie ans neue Ufer zieht, und eine, die sie am alten Ufer halten will. Sie wollen nur ein bisschen – womit das Wollen nur ein vager Wunsch ist, ein Luftschloss ohne Bodenhaftung.

Das Risiko kann hoch sein

Offenbar hat ihr Unterbewusstsein den Preis der Veränderung abgewogen und für zu hoch befunden. Dafür kann es viele Gründe geben: Jemand will seinen Wohnort oder seine geschätzten Kollegen nicht aufgeben. Oder jemand will die Gewissheit, seiner Aufgabe gewachsen zu sein, nicht gegen das Risiko einer unbekannten Herausforderung und einer neuen Probezeit eintauschen. Ein solches Hindernis ist wie ein Eisberg unter der Oberfläche des Bewussten, es kann eine klare Entscheidung verhindern oder auflaufen lassen.

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Erst wenn Ihr Verstand solche Eisberge wahrnimmt, können Sie klären, welche Routen daran vorbeiführen – oder ob Sie einen Veränderungswunsch, den sie nur mit halbem Herzen wollen, ganz aufgeben. Zu einer Entscheidung gehört Entschiedenheit – und dafür müssen Sie wissen, was eine Entscheidung Sie kostet.

Von RND / Wehrle

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