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Wissen Das blutige Geschäft mit Haifisch-Flossen boomt - Arten in Gefahr
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19:06 12.09.2019
Ein Babyhai beim Transport zu einem Fischmarkt in Indonesien. Quelle: Hotli Simanjuntak/epa/dpa
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Genf

Ein Hai ohne Flossen liegt am Meeresgrund. Er windet sich qualvoll. Bald darauf ist er verblutet. Meeresschutzorganisationen haben solche Videos auf Youtube veröffentlicht. Sie machen damit auf ein brutales Geschäft aufmerksam: Der gezielten Haifischflossen-Fischerei, dem sogenannten Shark Finning. Dabei schneiden Fischer den Tieren direkt nach dem Fang die Flossen ab. Dann werfen sie die verstümmelten und nicht mehr schwimmfähigen Tiere zurück ins Meer. Am Grund verbluten sie.

70 bis 100 Millionen Haie, so die Erhebungen der Umweltschutzorganisationen, werden Jahr für Jahr gefangen oder verenden als Beifang in den Netzen. Sie sind begehrt wegen ihres Fleisches, ihrer Innereien, ihrer Haut - aber vor allem wegen ihrer Flossen. Schätzungen zufolge sterben mehr als 38 Millionen Haie jährlich wegen ihrer Flossen. Der Appetit darauf ist in Asien ungebremst hoch. Aber auch Europäer sind unter den größten Fangnationen. Das geht aus einem neuen Bericht der Artenschutzorganisation Traffic hervor, die sich für nachhaltigen Handel einsetzt.

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Spanien hat die zweitgrößte Haifischerei weltweit

Demnach ist der chinesische Stadtstaat Hongkong der mit Abstand größte Importeur von Haifischflossen. Dort gelten die Flossen als Delikatesse und Statussymbol. Spanien habe hinter Indonesien und vor Indien die zweitgrößte Haifischerei weltweit. Auf der Liste der Top 20 steht aus Europa auch Frankreich auf Platz 13. Auch in Deutschland wird Haifisch in Geschäften und Restaurants noch angeboten. Tierschützer verlangen, sämtliche Produkte aus dem Angebot zu nehmen.

Anders als Kabeljau und andere Fischarten vermehren sich Haie nur langsam und werden deshalb besonders hart von Überfischung getroffen. Die Weibchen werden in der Regel erst zwischen 18 und 25 Jahren geschlechtsreif und haben nur alle paar Jahre wenige Junge. Die Weltnaturschutzunion IUCN geht davon aus, dass ein Viertel aller Hai- und Rochenarten vom Aussterben bedroht ist. Haie gälten wie alle großen Raubtiere als Manager des Ökosystems und seien für das Gleichgewicht unerlässlich, sagt Meeresbiologe Ralf Sonntag. Sie regulieren die Zahl der mittelgroßen Raubfische, die sonst die kleineren Arten völlig auffressen würden.

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Schon vor mehr als 20 Jahren wurde bei Internationalen Artenschutzkonferenzen vor der drohenden Ausrottung vieler Haiarten durch die Haiflossen-Fischerei gewarnt. Geschehen sei seitdem allerdings herzlich wenig, kritisiert die Deutsche Stiftung Meeresschutz.

16.000 Tonnen Haiflossen jährlich importiert

So wurden zwischen den Jahren 2000 und 2016 jährlich im Schnitt gut 16.000 Tonnen Flossen importiert, berichtet Traffic. Der Wert habe bei fast 300 Millionen Dollar (271 Millionen Euro) im Jahr gelegen. Hongkong war mit Abstand der größte Importeur, gefolgt von Malaysia, China und Singapur. Zusammen machen die vier Länder rund 90 Prozent der Importe aus. Bei Hai- und Rochenfleisch waren zwischen 2008 und 2017 Brasilien, Spanien, Uruguay und Italien die größten Importeure.

Abgetrennte Haifischflossen werden auf dem Fischmarkt in Indonesien zum Verkauf angeboten. Quelle: Hotli Simanjuntak/epa/dpa

Weltweit sei die Fangmenge von Haien und Rochen seit dem Jahr 2000 um etwa 14 Prozent gesunken, auf 750.000 Tonnen weltweit, berichtet Traffic. Dies könne aber auch am Rückgang der Bestände liegen und daran, dass die Länder ihre Fänge weniger gut dokumentieren. Auch Schutzmaßnahmen gibt es. Nach den Regeln des Washingtoner Artenschutzabkommens (Cites) müssen Länder, in deren Gewässern gefischt wird, Bestandsdaten erheben. Sie dürfen nur noch gefischt und gehandelt werden, wenn ihr Bestand nachweislich dadurch nicht gefährdet wird. Insgesamt werden inzwischen mehr als drei Dutzend Hai- und Rochenarten durch Cites besser geschützt. Das aber reiche noch lange nicht, heißt es im Traffic-Bericht. "Wir brauchen dringend Maßnahmen im Kampf gegen die Überfischung und den Mangel an präzisen Fangdaten und Handelsinformationen", schreibt Koautorin Nicola Okes.

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400 Euro für eine Haifischflossensuppe

Haiflossen gehören bei Preisen von mehr als 200 Dollar pro Kilo zu den teuersten Fischprodukten überhaupt, und die Nachfrage übertrifft das Angebot bei Weitem. Als Grund wird der wirtschaftliche Aufschwung in Fernost genannt, so könnten sich immer mehr Menschen Haiflossenprodukte kaufen. Früher sei dies nur einer kleinen, wohlhabenden Bevölkerungsschicht vorbehalten gewesen, schreibt Meeresbiologe Ulrich Karlowski. Vielfach erzielten die Produkte horrende Preise: In Hongkong könne eine Schale Haifischflossensuppe von bestimmten Arten bis zu umgerechnet 400 Euro kosten.

In Deutschland reichen die Haiprodukte von der Suppe im Restaurant über die Schillerlocke (aus den Bauchlappen des Dornhais) an der Supermarkttheke bishin zu Arzneimitteln und Lederware. Die Internetseite stop-finning listet die Orte in Deutschland auf, wo diese zum Verkauf angeboten werden.

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Von Sonja Fröhlich/RND

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