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Wissen Der Knigge für die Probezeit
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08:00 08.01.2019
Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor, sein aktuelles Buch: „Der Klügere denkt nach – Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein“ (Mosaik, 2017). Quelle: RND / Patan
Hamburg

Was tut ein Fußballteam, wenn es nach 45 Minuten knapp führt? Hält es das Spiel schon für gewonnen und fährt die Konzentration runter? Wenn ja, geht das Spiel verloren. Genau dieser Fehler passiert vielen Bewerbern, wenn sie einen neuen Job erobert haben. Die volle Konzentration gilt dem Bewerben. Wenn dann der Arbeitsvertrag der Firma ins Haus flattert, wird das fälschlicherweise für den Schlusspfiff des Spieles gehalten.

Probezeit: Der Besserwisser oder Alleswisser verliert

Die Wahrheit sieht so aus: Das Spiel um den neuen Job endet nicht mit der Zusage, es fängt erst richtig an. Denn erst in der Probezeit wollen die Firmen herausfinden, ob ein Bewerber halten kann, was sie sich von ihm versprechen. Je besser der Auftritt im Vorstellungsgespräch war, desto höher hängt die Latte. So mancher Kandidat, der als Tiger ins Vorstellungsgespräch sprang, endet als Bettvorleger. Und zwar schnell: Die Kündigungsfrist beträgt in der Probezeit nur zwei Wochen. Wer nun seinen Job verliert, ärgert sich umso mehr, wenn er für die neue Position eine sichere Festanstellung aufgegeben hat. Die beste Haltung, um eine Probezeit zu bestehen, ist nicht die des Wissenden, schon gar nicht die des Besserwissers, sondern die des Lernenden. Jede Firma ist wie ein Land: Es gelten eigene Gesetze, die sich über viele Jahrzehnte gebildet haben. Diese Gesetze muss ein Neuer herausfinden, um seinen Job ordentlich zu machen und gut ins soziale Gefüge zu passen.

Wer neu ist, muss sich unterordnen

Wer den Kollegen sofort das „Du“ anbietet, nur weil die sich auch duzen, begeht schon einen Fehler – ein solches Angebot muss immer von den Etablierten kommen. Wer sich abfällig über einen teuren Lieferanten äußert, sollte vorher geklärt haben, ob das nicht der beste Freund seines neuen Chefs ist. Und ein selbstmörderisches Unterfangen ist es, die Kollegen sofort mit Verbesserungsvorschlägen zu bombardieren. Solche Vorstöße wirken sich auf die Beliebtheit eines neuen Mitarbeiters aus wie ein Platzregen aufs Picknick. Die heimliche Erwartung lautet: Wer neu ist, hat sich den Gepflogenheiten unterzuordnen. Erst nach dieser Verbeugung wird er in den Stamm aufgenommen. Außerdem wird von Neuen erwartet, dass sie ihre Probezeit nicht als Einarbeitungsspaziergang betrachten, zu dem sie abgeholt werden. Vielmehr sollten sie aus eigener Initiative auf die Arbeit zugehen und schon in der Probezeit messbare Ergebnisse bringen. Wie diese Ergebnisse aussehen sollen, lässt sich herausfinden durch Fragen wie: „Was müsste ich bis ans Ende meiner Probezeit bewegt haben, damit Sie mit meiner Leistung absolut zufrieden sind?“

Der Respekt vor dem Bestehenden siegt

Wenn es Ihnen gelingt, einen Etablierten als Mentor zu gewinnen, haben Sie es leichter. Durch Fragen lässt sich herausfinden, welche politischen Empfindlichkeiten bestehen, auf welche fachlichen Feinheiten es ankommt und welche informellen Erfolgswege nutzbar sind. Übrigens ist der neue Chef kein schlechter Reiseführer: Er hat ein großes Interesse daran, dass sich seine Personalentscheidung als richtig erweist – während die neuen Kollegen auch ihre eigenen Pfründe verteidigen.

Wenn ein Neuer viele Fragen stellt, gut zuhört und auch mit aufrichtigem Lob nicht spart, drückt er so seinen Respekt vor dem Bestehenden aus. Das ist die Eintrittskarte, die sogar ein Überflieger lösen muss, der sich gegen 499 andere Bewerber durchgesetzt hat. Also besser keinen Sekt köpfen, wenn man einen neuen Job erobert hat? Doch – aber erst nach der Probezeit!

Von Martin Wehrle / RND

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