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Wissen Empfindliche Atmosphäre: Das sind die neuen Klimakiller
Nachrichten Wissen Empfindliche Atmosphäre: Das sind die neuen Klimakiller
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10:01 18.11.2018
30 Jahre nach den Untergangsszenarien gibt es Anlass, vorsichtigen Optimismus zu versprühen: Die Gashülle, die unsere Erde vor gefährlicher UV-Strahlung schützt, erholt sich allmählich. Doch es gibt auch neue Bedrohungen für die Ozonschicht. Quelle: iStock
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Hannover

Die Bedrohung wirkte Anfang der Neunzigerjahre ähnlich groß wie heute der Klimawandel. Die vor allem in Kältemitteln und Spraydosen enthaltenen Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW, zerstörten die Ozonschicht der Atmosphäre. 30 Jahre nach den Untergangsszenarien gibt es für die Vereinten Nationen Grund, Optimismus zu versprühen: Die Gashülle, die unsere Erde vor gefährlicher UV-Strahlung schützt, erholt sich allmählich.

Einem aktuellen UN-Bericht zufolge dürfte die obere Ozonschicht über der Nordhalbkugel in den 2030er-Jahren sogar komplett wiederhergestellt sein. Auf der Südhalbkugel, so die Einschätzung der Wissenschaftler, dauere es allerdings länger. Aber auch ihre Ozonschicht könnte bis zur Mitte des Jahrhunderts wieder vollen Umfang haben.

Das „Ozonloch“ über der Antarktis ist den UN-Forschern zufolge von einst 30 Millionen auf 25 Millionen Quadratkilometer Größe geschrumpft – bis in die Sechzigerjahre dieses Jahrhunderts könnte es vollständig geschlossen sein. „Es sind wirklich gute Nachrichten“, bekräftigte Paul Newman, der als Erdwissenschaftler für die Nasa tätig ist, bei der Vorstellung des Berichts auf der 30. Konferenz des Montreal-Protokolls.

Eine der wenigen Erfolgsgeschichten der Umweltpolitik

Die positiven Prognosen setzen eine der wenigen Erfolgsgeschichten internationaler Umweltpolitik fort. Ende der Achtzigerjahre wurden mit dem Montreal-Protokoll die politischen Weichen gestellt, eine Erholung der Ozonschicht herbeizuführen.

In dem Abkommen verpflichteten sich die Staaten, die Herstellung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen einzuschränken. Dabei war damals kaum etwas ohne FCKW denkbar: Die geruchsneutralen und beständigen Gase steckten in Reinigungsmitteln und Kühlmitteln für Kühlschränke, sie wurden als Treibmittel in Schaumstoffen verwendet und sorgten für Druck in fabelhaften Sprühdosen des täglichen Gebrauchs.

Ob Haarspray, Deodorant, Imprägnier- oder Intimspray, Vorwasch- und Bügelspray, Autolack, Möbelpolitur oder Mückentod, der vermeintlich perfekte Stoff war immer mit dabei. So gelangten binnen kürzester Zeit Millionen Tonnen der Chemiekeulen in die Atmosphäre.

Früher waren Sprühdosen wie für Haarspray und Reiniger nicht ohne FCKW denkbar. Quelle: iStock

Erstmals warnten 1974 Forscher – sie wurden später mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet – vor den aus FCKW stammenden Chlor-Radikalen, die die Ozonhülle der Erde angriffen. Noch fühlte sich das Problem weit weg an. Bis es zehn Jahre später plötzlich das „Ozonloch“ gab.

Dabei führe der Begriff in die Irre, sagt Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut (Awi) in Potsdam. Es handele sich um eine besonders starke Ausdünnung der Schutzschicht in der unteren Stratosphäre – zwischen 15 und 24 Kilometern über der Erde –, so Rex, der dem UN-Panel zum Status der Ozonschicht angehört. Der Begriff machte das Phänomen aber plastischer.

Anfangs war das „Loch“ noch auf den Himmel über der Antarktis und Australien beschränkt, später tauchte es auch über der Arktis und Europa auf. Die Gefahr von millionenfachen Hautkrebserkrankungen wuchs, Landwirte bangten um ihre Ernten. Ohne die Ozonschicht hätten die Menschen nur noch in Raumanzügen wie Astronauten nach draußen gehen können.

Unternehmen überlegten sich Ersatz für Sprühdosen

Mit dem Montreal-Protokoll, deckelte die Staatengemeinschaft das Problem. 1996 wurde der FCKW-Ausstoß nahezu komplett verboten. Unternehmen überlegten sich Ersatz für Sprühdosen. Dank des Abkommens sind Produktion und Verbrauch der schädlichen Chemikalien seither um mehr als 90 Prozent gesunken, heißt es in dem UN-Bericht. Damit ist FCKW aber nicht aus der Welt. „Die Gase wirken über viele Jahrzehnte in der Atmosphäre“, betont Rex.

Dem UN-Bericht zufolge waren auf dem Tiefpunkt Ende der Neunzigerjahre rund 10 Prozent der oberen Ozonschicht abgebaut. Seit der Jahrtausendwende hat sie um etwa 1 bis 3 Prozent pro Jahrzehnt zugenommen. In diesem Jahr war das Ozonloch über dem Südpol an der größten Stelle knapp 24,8 Millionen Quadratkilometer groß. Das sind etwa 16 Prozent weniger als das bislang größte gemessene Ausmaß des Loches: 29,6 Millionen Quadratkilometer im Jahr 2006.

Die Ozonschicht wird wieder dünner – auch über Deutschland

Dennoch sorgte zu Beginn dieses Jahres eine Meldung für Verunsicherung: Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich und des Physikalisch-Meteorologischen Observatoriums Davos hatten nachgewiesen, dass die Ozonschicht an tieferen Breitengeraden wieder dünner wurde. Betroffen sei auch Deutschland.

Ganz ist das Rätsel zwar noch nicht geklärt. Aber Forscher gehen davon aus, dass es sich um temporäre, vom Klimawandel herbeigeführte Veränderungen handelt. Diese seien, sagt Awi-Experte Rex, nach derzeitigem Erkenntnisstand zu vernachlässigen.

Das NASA-Satellitenfoto dokumentiert die Größe des Ozonlochs über der Arktis im Winter 1999/2000, je dunkler das Blau, desto dünner die Ozonschicht. Quelle: NASA

Freuen sollte man sich dennoch nicht zu früh. Denn während sich die Staatengemeinschaft seit Jahrzehnten eisern an das FCKW-Verbot hält, werden in Ostasien wieder riesige Mengen davon freigesetzt. So soll Chinas Schaumstoffindustrie im großen Stil die verbotenen Chemikalien benutzen.

Ein weiteres Problem liegt in den Ersatzstoffen, die nach dem Abkommen von Montreal entwickelt wurden. Sie schonen zwar die Ozonschicht – wirken jedoch als Treibhausgase und tragen somit zur Erderwärmung bei. Anfang 2019 soll das Abkommen daher um den sogenannten Kigali-Zusatz erweitert werden, der die klimaverändernden Ersatzstoffe für FCKW weltweit stärker eindämmen soll.

Wissenschaftler Rex spricht dennoch von einem „Mut machenden Erfolg“. Beim Ozonproblem habe die Menschheit gezeigt, dass sie weltumspannend und massiv auf eine Bedrohung reagieren könne. Heute bedroht das Problemgas Kohlenstoffdioxid (CO2) die Erde – eine schnelle Lösung wie beim FCKW ist allerdings nicht in Sicht.

Von Sonja Fröhlich

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