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Wissen Aus dem Nest gefallen: Darf man Jungvögel anfassen?
Nachrichten Wissen Aus dem Nest gefallen: Darf man Jungvögel anfassen?
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13:37 08.07.2019
Zu niedlich: Gerade, wenn junge Vögel vermeintlich panisch zwitschern, sind viele Menschen besorgt. Quelle: Pixabay (Symbolbild)
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Hannover

Wer beim Spaziergang oder während der Gartenarbeit ein Vogelkind entdeckt, das durch die Büsche und Rasenflächen hüpft, anstatt zu fliegen, ist oft besorgt. Zwitschert das Tier dazu auch noch lautstark, stellen sich viele Fragen: Braucht der kleine Vogel Hilfe? Sollte ich ihn mitnehmen? Wieso Experten davon abraten, einen vermeintlich hilflosen Jungvogel mitzunehmen und was Sie stattdessen tun können, lesen Sie hier.

Gar nicht hilflos: Jungvögel verlassen das Nest oft absichtlich

Die meisten aufgefundenen Jungvögel, die fast vollständig befiedert sind und kaum noch Flaumfedern haben, sind nur scheinbar hilflos und verlassen. „Sie verlassen ihr Nest ganz nach Plan und gehen auf Entdeckungstour. Sie kennen noch keine Gefahren und warten auf die nächste Fütterung durch ihre Eltern“, erklärt die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Diese Zeit bezeichnet man offiziell als Ästlingsphase.

Die WWF-Experten raten dazu, den gefundenen Vogel in einen sicheren Grünbereich zu setzen. Dort würde er dann nach seinen Eltern rufen, von denen er bald wieder gefüttert werde.

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Menschliche Aufzucht des Vogelbabys kann fatale Folgen haben

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) rät außerdem dazu, einen scheinbar verlassenen Jungvogel zunächst mindestens eine Stunde lang aus sicherer Entfernung, also etwa 50 Metern, zu beobachten, um zu überprüfen, ob er nicht doch von seinen Eltern versorgt werde. Denn die menschliche Obhut könne, wenn man den Vogel mitnimmt, für eine Verschlechterung der Überlebenschancen sorgen: Zwar könne den Tieren in offiziellen Vogelpflegestationen alles beigebracht werden, was sie von ihren Eltern lernen würden – allerdings hätten die Vögel später, bei der Entlassung in die freie Wildbahn, oft Schwierigkeiten.

Das Vogelbaby „schreit“: Wann ist ein Eingriff sinnvoll?

Durch Lock- und Bettelrufe stehen die Jungen mit ihren Eltern in Verbindung. Das beunruhigt viele Menschen, weil sie den Eindruck haben, das Tier würde, zum Beispiel wegen Schmerzen, nach Hilfe rufen. Einschreiten sollte man aber nur, wenn sich das gefundene Vogelbaby in unmittelbarer Gefahr befindet. „Bei Gefahr durch Katzen oder an viel befahrenen Straßen können die Vogeljungen in Hörweite vom Fundort umgesetzt werden, am besten erhöht in eine Astgabel“, so der NABU. Dort sei das Tier von Fressfeinden geschützt und werde weiterhin von den Eltern gefüttert.

Vorübergehend in Obhut nehmen sollte man den jungen Vogel gemäß Bundesnaturschutzgesetz nur, wenn er verletzt ist oder nach sicherer Beobachtung festgestellt wurde, dass er nicht gefüttert wird. Ein eindeutiger Hinweis darauf könne ein zerstörtes Nest, etwa durch Unwetter oder Baumaßnahmen, oder der Tod der Elterntiere sein.

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Aufzucht von Jungvögeln Experten überlassen

Um einen Jungvogel kurzzeitig aufzunehmen, muss man sich ausgiebig informieren und die volle zeitliche Aufmerksamkeit gewährleisten können. „Junge Kohlmeisen, Buchfinken oder Amseln beispielsweise wollen alle zehn bis 15 Minuten gefüttert werden“, erklärt der Deutsche Tierschutzbund. Je nach Art mögen die Kleinen etwas anderes zu fressen, brauchen andere Unterbringungen und müssen anders auf ein Leben in der Freiheit vorbereitet werden. Außerdem problematisch: Durch eine Aufzucht von Hand könne der Vogel auf den Menschen geprägt werden und mit den eigenen Artgenossen nicht mehr zurecht kommen.

Daher ist es in den meisten Fällen sinnvoller, den Jungvogel einem Profi zu überlassen. „Wenden Sie sich an den Tierschutzverein vor Ort und fragen Sie dort nach Adressen von Experten“, rät der Deutsche Tierschutzbund.

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