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Wissen „Fly Me to the Moon“: Mondtribute in Filmen und Musik
Nachrichten Wissen „Fly Me to the Moon“: Mondtribute in Filmen und Musik
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16:05 21.07.2019
Wohl einer der berühmtesten Monde der Filmgeschichte: E.T. im Fahrrad vor dem Nachthimmel. Quelle: imago stock&people
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Hannover

Der Mond galt einst als göttliches Auge, das auf die Welt blickte. Die Ägypter des alten Reichs nannten ihn „silberne Sonne“, ihr Mondgott war Thot, der – so der Mythos – 3000 friedliche Jahre über die Nillande regierte, bevor er zum Nachthimmel aufstieg. Thot war auch der Gott der Magie, der Lehrer der Kunst. Gut vorstellbar also, dass die Bewohner des Pharaonenstaats der schönen Scheibe überm Fluss Lieder darboten, um den Mäzen der Künste zu erfreuen.

Sogar zu noch früheren Zeiten hat der magische Trabant stimulierend auf die Sanges- und Musizierlust gewirkt. Vögel, so stellten britische Wissenschaftler 2014 im Fachblatt „Biology Letters“ fest, reagieren seit je auf die Gegenwart des Mondes. Ist er zu sehen, singen sie früher und stärker, erst recht bei Vollmond. Und die Anfänge unserer Musik liegen laut Evolutionsforscher Charles Darwin (1809–1882) im Zwitschern der Singvögel, das der Mensch mit seiner Stimme und Instrumenten imitierte.

Mondgesang in grauer Vorzeit

Hauptzweck der schönen Töne war bei Urvogel wie Urmensch die Brautgewinnung; die beste Zeit zu singen war für den Cro-Magnon-Mann nach getanem Jagen und Sammeln, wenn alle Welt zur Ruhe kam, Müßiggang die eigene Einsamkeit klarer werden ließ und der Mond am Himmel vor der Höhle stand. Man stellt sich den Menschen in grauer Vorzeit vor, wie er an seinem Feierabendfeuerchen Sehnsüchte nach oben singt wie Herbert Grönemeyer vor 31 Jahren: „Vollmond, setz mich ins rechte Licht. / Vollmond, du weißt, sie will mich nicht. / Leucht ihr ins Gewissen, / mach mir nen Heil’genschein, / ich kann sie nicht mehr missen / beeil dich, mach sie mein!“ Die Cro-Magnon-Ohrwürmer aus der letzten Kaltzeit sind freilich in Vergessenheit geraten.

Der Mond ist aufgegangen

Wie auch die Oper „Die Fee Urgéle“ (1782) des Komponisten Johann Abraham Peter Schulz. Geblieben ist von ihr nur das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ mit seiner idyllischen Betrachtung einer ruhenden Natur unter der Obhut des Mondes. Zur selben Zeit entstand das Volkslied „Guter Mond, du gehst so stille“, in dessen unbereinigter Urversion sich der Sänger nach einer unerreichbaren Geliebten sehnt und den väterlichen Mond (wie später Grönemeyer) zum Zeugen seines Unglücks macht. Der Mond ist ein Menschenversteher.

Der Mond-Hit in der E-Musik: „Clair de Lune

Die „Mondscheinsonate“ von 1801 zählt nicht zu den Mondhymnen, sie hieß zu Lebzeiten Ludwig van Beethovens noch „Laubensonate“ nach dem Ort ihres Entstehens. Aber Joseph Haydn machte in der komischen Oper „Die Welt auf dem Mond“ seinen Helden schon 1777 zu einem Vorläufer Neil Armstrongs und schickte ihn ins All. Von Puccini („Perché tarda la luna?“) bis Dvorák („Silberner Mond“), von Elgar („In Moonlight“) bis Sibelius („Kuutamolla“) reichen die Mondoden der E-Musik. Der Hit unter ihnen ist Claude Debussys „Clair de Lune“ (1890), das den Mondglanz in silbrige Klaviertöne fasst – und im ersten „Twilight“-Film sogar einem der sonst eher gefühlskalten Vampire Liebesseufzer abrang.

Der Mond in Blues, Folk und Jazz

Auch Blues, Folk und Jazz nahmen sich des steinernen Satelliten an. „Frau Luna“ ist in der Astrologie die Quelle, aus der die Träume aufsteigen, und Liebesträume sind bis heute der Treibstoff der Popmusik (und des Kinos, von dem gleich noch die Rede sein wird). Glenn Grays „Blue Moon“ (1934) etwa wechselt die Farbe von blau (traurig) zu golden, nachdem der Mond sein Gebet um Zweisamkeit erhört hat. Und in Benny Goodmans „How High the Moon“ (1940) ist die Nacht ohne Schatzi mondlos schwarz.

„Der große alte Mond schimmert wie ein Löffel“, schwärmte Bob Dylan, als er seine Liebste in „I’ll Be Your Baby Tonight“ bat, doch die Schuhe auszuziehen und die Flasche mitzubringen. Das war Weihnachten 1967; an Heiligabend 1968 umrundete Apollo 8 den himmlischen Löffel zehnmal.

Der Mond in Zahlen

Im Juli 1969: 250-mal Mondpop

Mit Sputnik und dem Beginn des Space-Race 1957 nahm die Zahl der Mondlieder zu. Und nachdem John F. Kennedy am 25. Mai 1961 die Monderoberung ausgerufen hatte, wurde Mondpop geradezu inflationär: „Moontwist“, „Moon Rocketing“, „Under the Moon of Love“ hießen die Hits. Und an der Spitze der deutschen Charts bedauerte im Herbst 1961 der Ex-GI Gus Backus den „Mann im Mond“: „Er schaut uns bang von oben zu / und fragt: Wie lang hab’ ich noch Ruh.“

Im Rock ’n’ Roll besangen die Rolling Stones 1968 das hippieske „Child of the Moon“, Jimi Hendrix den Gezeitenbringer „Moon Turn the Tides … Gently Gently Away“. Und die Doors schnappten sich den „Alabama Song“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht und besangen schön schräg den betrunkenen „Moon of Alabama“.

Im Apollo-Monat Juli 1969 listete die American Society of Composers, Authors and Publishers mehr als 250 Musikstücke mit dem Wort Mond im Titel auf, von Billy Vaughns „Sail Along Silv’ry Moon“ bis Henry MancinisMoon River“. Da denkt man heute noch an Audrey Hepburn mit Zigarettenspitze in der traurigschönen Kinoromanze „Frühstück bei Tiffany“.

E.T., Ryan Gosling und Co.: Der Mond im Kino

Die jüngste der Künste, der Film, war mondsüchtig, kaum dass die Bilder laufen konnten. George Méliès schoss dem Mondgesicht 1902 in „Die Reise zum Mond“ mit seiner Rakete gleich mal ein Auge aus, Fritz Lang brachte in „Frau im Mond“ 1928 eine Astronautin zu Schwester Luna, was der Nasa ja bis heute nicht gelang. Im wohl zauberhaftesten Science-Fiction-Film aller Zeiten dient der Mond als unvergessliche Kulisse, vor der „E.T.“ auf einem BMX-Rad in Sicherheit schwebt. Im Knetmännchenmärchen „Wallace & Gromit: Alles Käse“ (1989) kam ein Hund auf den Mond. In „Der Stoff, aus dem die Helden sind“ erzählte Philip Kaufman 1983 nüchtern von der Vorgeschichte des US-Raumfahrtprogramms. Und in „Aufbruch zum Mond“ spielte Ryan Gosling 2018 einen ziemlich nervigen Apollo-11-Chef Neil Armstrong. Dieser spröde Kerl machte 1969 den großen Menschheitsschritt? Echt jetzt?

Offizieller Song zur ersten Mondlandung

Im echten Leben gab es sogar einen offiziellen Song der ersten Mondlandung. Für den 30-stündigen TV-Marathon des Senders ABC sang der 70-jährige Jazzer Duke Ellington zum allerersten Mal in seiner Karriere und romantisierte das Raumschiff „Columbia“ zur „Moon Maiden“.

Andere Sender vertonten die Apollo-Bilder mit dem Song „Space Oddity“ des 22-jährigen Newcomers David Bowie, der passgenau fünf Tage vor dem Start der Mission erschienen war. Freilich verlor sich Bowies Raumfahrer am Ende glücklos in den Tiefen des Alls. Kein Kontakt mehr, keine Rückkehr zur Erde. Das passte eher zu dem, was im April 1970 Apollo 13 widerfuhr. Hollywood engagierte 1995 für die Verfilmung der Fastkatastrophe Superstar Tom Hanks: „Can you hear me, Major Tom?“

50 Jahre Mondlandung

Auch das ist der Mond: Die Kugel der Furcht

Es war übrigens Sinatras lässiges „Fly Me to the Moon“, das Armstrongs Trio als Soundtrack zur Landung des „Adlers“ zugespielt bekam.

Musik erfüllte das Meer der Stille am 21. Juli 1969. Nur zehn Tage nach dem glücklichen Ende der Mission kehrte der Pop dann die dunkle Seite des Monds hervor, in dessen Schein sich Nachtmahre auf den Weg machen. „Geh nicht raus heut Nacht, oder es wird dich das Leben kosten“, warnte John Fogerty in „Bad Moon Rising“ seiner Band Creedence Clearwater Revival.

Auch als Kugel der Furcht hat der Mond heute Poptradition: Willy DeVille sang 1995 im fiebrigen „Loup Garou“ vom Werwolf, der unter dem Mond („eine große Goldmünze“) durch Louisiana streift.

Da passt auch der lunatische Grönemeyer. Falls der Mond ihm die Liebste zuführt, schwört er ihm: „Dann werde ich zum Werwolf und heul’ dich an um Mitternacht.“

Thot, der Mondgott der Magie, ist offenbar immer noch irgendwo da oben und hält seine Hand über die, die ihm in der Sphäre der Nacht ihre Künste widmen. Durch musikalische Mondtribute bleibt das Band geknüpft. Das immer auch eins mit dem Publikum ist. Das Kino ist zweifellos ein Imitat der Vollmondnacht (mit der Leinwand als rechteckiger silberner Sonne). Partys und Konzerte steigen nachts während der Herrschaft des Mondes. Der Venezianer Lorenzo hat das in Shake­speares „Kaufmann von Venedig“ auf den Punkt gebracht: „Wie süß das Mondlicht auf dem Hügel schläft! Hier sitzen wir und lassen die Musik zum Ohre schlüpfen.“

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Von Matthias Halbig/RND

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