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Wissen Forscher warnen: Diese gängigen Medikamente erhöhen das Demenzrisiko
Nachrichten Wissen Forscher warnen: Diese gängigen Medikamente erhöhen das Demenzrisiko
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06:00 01.07.2019
Anticholinergika können die Diagnose Demenz herbeiführen. Quelle: AP
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Nottingham/Bonn

Die Einnahme von Anticholinergika kann das Risiko für eine Demenz deutlich erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommt eine große britische Studie mit Daten von mehr als 284.000 Patienten ab dem Alter von 55 Jahren. Die gängige Arzneigruppe wird gegen die Parkinson-Krankheit, Psychosen, Depressionen, Epilepsien und Blasenschwäche eingesetzt. Schon frühere Studien hatten auf ein erhöhtes Demenzrisiko hingewiesen. Angesichts dessen fordert ein deutscher Experte, die Medikamente neu zu bewerten.

Anticholinergika unterdrücken im Nervensystem die Wirkung von Acetylcholin und führen damit zur Entspannung der glatten Muskulatur. Weil Acetylcholin als Botenstoff bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen auch im Gehirn aktiv ist, sind Gedächtnisstörungen eine häufige Nebenwirkung dieser Medikamente. In den vergangenen Jahren haben sich Hinweise darauf gehäuft, dass solche Probleme nicht nur kurzfristig auftreten, sondern dass langfristig das Demenzrisiko erhöht ist. In Deutschland wurden 2018 mehr als 580 Millionen Tagesdosen von niedergelassenen Ärzten an Kassenpatienten verordnet und über Apotheken abgegeben. Manche Mittel sind aber auch ohne Rezept erhältlich.

Demenz-Risiko um fast 50 Prozent erhöht

Die Gruppe um Carol Coupland von der Universität Nottingham nutzte nun eine britische Datenbank mit Patientendaten, darunter die Verschreibung von Medikamenten. Sie bezogen 56 Medikamente mit starker anticholinerger Wirkung in ihre Untersuchung ein. Zu knapp 59.000 Patienten mit Demenz wurden jeweils fünf Patienten ohne Demenz als Vergleichsgruppe ausgewählt, die etwa hinsichtlich Alter, Geschlecht und anderer Eigenschaften vergleichbar waren. Insgesamt prüften die Forscher die Einnahme der Medikamente über einen Zeitraum von zehn Jahren.

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Die statistische Analyse ergab für die Einnahme von Anticholinergika ein allgemein erhöhtes Demenzrisiko, wie das Team im Fachmagazin „JAMA Internal Medicine“ schreibt. Bei Einnahme der minimalen Tagesdosis über mindestens drei Jahre war das Risiko, an Demenz zu erkranken, gegenüber der Vergleichsgruppe um fast 50 Prozent erhöht. Allerdings betraf dies die Verwendungsgebiete der Medikamente nicht gleichermaßen. Es gab keine klare Erhöhung des Risikos für jene Anticholinergika, die gegen Magenschleimhautentzündung, Allergien, Krämpfe im Magen-Darm-Trakt, Herzrhythmusstörungen oder chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) genommen werden. Ob das an den Präparaten liegt oder an der jeweiligen Patientengruppe, wissen die Forscher nicht.

Risiken sollten sorgfältig abgewogen werden

„Die Risiken dieser Art Medikamente sollten von Angehörigen der Gesundheitsberufe gegen die Vorteile sorgfältig abgewogen werden, und alternative Behandlungen sollten nach Möglichkeit erwogen werden“, wird Coupland in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert. Ko-Autor Tom Dening, ebenfalls von der Universität Nottingham, warnt davor, Anticholinergika abrupt abzusetzen, da dies gravierende Folgen haben könne: „Wenn Patienten Bedenken haben, sollten sie diese mit ihrem Arzt besprechen, um die Vor- und Nachteile ihrer Behandlung zu erörtern.“

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Michael Heneka vom Universitätsklinikum Bonn hält die Studie für sehr aussagekräftig, trotz einiger Schwächen – etwa dem Umstand, dass nur die Verschreibung der Medikamente registriert war, nicht aber ihre Einnahme. „Die Ergebnisse dieser und früherer Studien über den Zusammenhang von Anticholinergika und Demenz sollten dazu führen, dass die medizinischen Fachgesellschaften ihre Leitlinien im Hinblick auf diese Medikamentengruppe überarbeiten“, sagt der Experte vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).

Weitere Untersuchungen mit Alternativ-Medikamenten nötig

Als Beobachtungsstudie kann die Untersuchung eine kausale Verbindung zwischen den Arzneien und Demenz nicht beweisen. Sollte ein solcher Zusammenhang aber bestehen, könnten etwa 10 Prozent der Demenzdiagnosen auf die Einnahme von Anticholinergika zurückgehen

Um den Zusammenhang zu klären, schlagen drei US-Wissenschaftler in einem Kommentar in „JAMA Internal Medicine“ weitere Untersuchungen vor: Dabei sollten bei Erkrankungen, die in der Regel mit Anticholinergika behandelt werden, andere Medikamente eingesetzt werden, schreiben Noll Campbell, Richard Holden und Malaz Boustani vom Regenstrief Institute in Indianapolis.

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Von RND/dpa/Stefan Parsch

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