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Nachrichten Wissen Gefährliches Strandgut: Phosphor sieht aus wie Bernstein
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13:40 15.08.2019
An der Ostsee tummeln sich jedes Jahr zahlreiche Urlauber. Immer wieder kommt es an den Stränden zu Unfällen mit weißem Phosphor.
Hannover

Zwischen Steinen, Muscheln und goldbraunen Bernstein-Klümpchen finden Urlauber und Fossiliensammler immer wieder Munitionsreste aus den Weltkriegen. An den Stränden der Ostsee kommt es bei vermeintlichen Bernsteinfunden häufig zur Verwechslung mit der gefährlichen und hochgiftigen Chemikalie Phosphor. Denn die Brocken des weißen Phosphors sehen Bernstein zum Verwechseln ähnlich - das böse Erwachen kommt oft erst später.

Stürme spülen Phosphor frei

Phosphor wurde im Ersten und Zweiten Weltkrieg häufig als Brandmunition in Bomben eingesetzt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs veranlasste die alliierte Übergangsregierung, große Mengen an Munition in der Nord- und Ostsee zu versenken. Bis heute sollen immer noch bis zu 1,6 Millionen Tonnen der phosphorhaltigen Munition auf dem Meeresboden vor unseren Küsten liegen, berichtet der NDR. Besonders bei Stürmen werden die auf dem Meeresgrund liegenden Waffenreste freigespült und gelangen in Brockenform an den Strand. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein sammeln immer wieder Urlauber die wertvoll aussehenden Strandfunde auf - mit dramatischen Folgen.

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Phosphor setzt Jacke in Brand

Im August 2017 wurde ein vermeintlicher Bernsteinfund einer Spaziergängerin in Wedel bei Hamburg zum Verhängnis. Die 41-Jährige entdeckte den kleinen Stein im nassen Sand und steckte ihn in die Jackentasche. Als der vermeintliche Bernstein trocknete, entzündete er sich und setzte die Jacke in Brand. Glücklicherweise konnte die Frau ihre Jacke schnell ausziehen und blieb daher unverletzt. Die Polizeidirektion Bad Segeberg teilte wenig später mit, es handele sich bei dem Klumpen nicht um Bernstein, sondern um die gefährliche Chemikalie Phosphor.

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Chemikalie ist selbstentzündend und giftig

Solange die Überreste der Brandmunition auf dem Meeresboden liegen, sind sie relativ ungefährlich. Sobald Phosphor trocknet, ist es aber leicht entzündlich. Schon ab einer Temperatur von 20 Grad Celsius kann sich die wachsartige Chemikalie selbst entzünden. Bei Hautkontakt führt Phosphor wegen einer hohen Verbrennungstemperatur von 1300 Grad zu schweren Verletzungen. Die dabei entstehenden Dämpfe des weißen Phosphors seien darüber hinaus hochgiftig, warnt das Land Schleswig-Holstein. Die toxischen Stoffe können von den Händen in den Mund gelangen und so die Organe beschädigen. Schon Mengen ab einem Milligramm pro einem Kilogramm Körpergewicht können zum Tod führen.

Tipps: Verhalten bei Munitionsfunden

Da der freigespülte weiße Phosphor dem beliebten Glücksbringer Bernstein stark ähnelt, werden Klumpen davon immer wieder an Stränden gesammelt. Die beiden Materialien auseinanderzuhalten, ist außerhalb des Chemielabors kaum möglich, weiß das Magazin Steine und Minerale. Sowohl Bernstein, als auch Phosphor haben eine gelbe bis hellbraune Farbe, wachsartigen Glanz und eine weiche, zerkratzbare Oberfläche. Auch in ihrer Dichte unterscheiden sie sich nicht stark voneinander, beide sind deutlich leichter als normale Steine.

Experten mahnen zur Vorsicht

Der Kampfmittelräumdienst des Landes Schleswig-Holstein, der auch für die Beseitigung von Brandmunition wie Phosphor zuständig ist, mahnt Urlauber und Steinsammler deshalb zur Vorsicht. Am Strand gesammelte Gegenstände sollen auf keinen Fall in Jacken- oder Hosentaschen gesteckt, sondern idealerweise in einem Metallbehälter gesammelt werden. Bei Munitionsfunden sollten Urlauber vor allem Abstand halten und die örtliche Polizeidienststelle oder DLRG informieren.

Kommt es, wie im Fall der Spaziergängerin aus Wedel, zu einem Brand, sollten Betroffene unverzüglich ihre Kleidung ausziehen und nicht versuchen, die Flammen mit der Hand auszuklopfen, denn das führe nur zu weiteren Verbrennungen an den Händen. Zu den Besonderheiten eines Phosphor-Brands zählt außerdem, dass dieser nicht mit Wasser gelöscht werden kann. Besser sei es, die Flammen mit Sand abzudecken. Bei Hautverbrennungen sollte zudem unverzüglich der Rettungsdienst gerufen werden, da die oft schweren Verletzungen in Spezialkliniken behandelt werden müssen.

RND/mf

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