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Wissen Unterschätzt: Shisha-Rauchen ist alles andere als harmlos
Nachrichten Wissen Unterschätzt: Shisha-Rauchen ist alles andere als harmlos
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09:16 08.07.2019
Wasserpfeifen sind Lungenspezialisten zufolge noch gesundheitsgefährdender als Zigaretten – weil man stärker inhaliert. Quelle: Soeren Stache/dpa
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Hannover

Passionsfrucht, Zitronenkuchen, Spaghettieis oder Keks: Das klingt nach Eisdiele oder Konditorei. Doch auch in Shisha-Läden werden Tabaksorten mit derlei fruchtig-süßen Aromen angeboten. „Es gibt so viele Geschmacksrichtungen“, schwärmt Erdal Zorsöker von der Deutschen Shisha-Vereinigung. Neue Sorten entdecken, genießen, sich Zeit nehmen: All das trage zur Faszination für Wasserpfeifen bei, ist er sicher.

Außerdem werden sie gerne in Gesellschaft geraucht: „Das ist eine neue Art, Geselligkeit zu erleben. Die Shisha hat etwas von einer Friedenspfeife.“ Die Modewelle hat jedoch ihre Schattenseiten. Wasserpfeifen-Rauchen ist mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden. Dabei werden krebserregende Stoffe freigesetzt und das tiefe Inhalieren schädigt auf Dauer die Lungen.

Der Hype hält an

Wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, ist der Absatz von Pfeifentabak in Deutschland seit 2010 kontinuierlich gestiegen. Vor allem bei jungen Erwachsenen ist das „Hookah-Smoking“, wie es im Englischen heißt, angesagt: sei es allein, im privaten Rahmen mit Freunden oder öffentlich in Shisha-Bars.

„Wir haben repräsentative Befragungen dazu durchgeführt und festgestellt: Bei Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 ist der Konsum zurückgegangen, dafür aber bei den 18- bis 25-Jährigen signifikant angestiegen“, erklärt Michaela Goecke, Referatsleiterin Suchtprävention bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA). „Der Hype ist also längst nicht vorbei!“ Attraktiv sei Shisha-Rauchen für junge Leute auch deshalb, weil ihm etwas Exotisches anhafte: „Damit heben sie sich von der älteren Generation ab.“

Unterschätzte Gefahren

Allerdings würden die Gefahren oft unterschätzt. „Shisha-Rauchen ist genauso gefährlich wie Zigaretten-Rauchen“, betont Goecke. Denn ob Wasserpfeife oder Zigarette: Tabakrauch enthält grundsätzlich einen Cocktail gesundheitsschädlicher Stoffe, darunter etwa Nikotin und Teer.

„Bei der Shisha kommt hinzu, dass der Tabak nicht verbrennt, sondern verschwelt. Dadurch werden einige gefährliche Substanzen in höheren Dosen freigesetzt, zum Beispiel Benzol und Acetaldehyd“, erklärt sie. Benzol ist erwiesenermaßen krebserregend, ebenso wie das unter anderem für Aromastoffe verwendete Molekül Acetaldehyd. Durch die Feuchthaltemittel und Aromen, die Wasserpfeifentabak meist enthält, können weitere Giftstoffe entstehen.

Lesen Sie hier:
Verschärfte Nichtraucher-Regeln für Shisha-Bars?

Spezialist: Shisha gefährlicher als Zigaretten

Viele Shisha-Fans meinen, dass der Rauch durch das Wasser in der Pfeife gereinigt werde. Dadurch werde er aber lediglich gekühlt, erklärt Michael Barczok vom Bundesverband der Pneumologen. Das empfinden viele Konsumenten als angenehm, wirkt sich aber negativ aus: „Dadurch, dass der Rauch kühler ist als bei der Zigarette, inhaliert man ihn tiefer und intensiver.“

Insofern sind Wasserpfeifen aus Sicht des Lungenspezialisten sogar noch gefährlicher als Glimmstängel. Allerdings unterscheiden sich die Gewohnheiten von Pfeifen- und Zigarettenrauchern: Shishas werden meistens nur ab und zu, dafür aber länger am Stück geraucht. Eine Sitzung dauert fast eine Stunde. Zigaretten sind jederzeit verfügbar und lassen sich auch in kurzen Pausen konsumieren. Überhaupt tun sich Experten mit dem direkten Vergleich von Zigarette und Wasserpfeife schwer.

Erhöhtes Zungenkrebs-Risiko

Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nimmt man bei einer Shisha-Sitzung ungefähr so viel Nikotin auf wie beim Rauchen von zehn Zigaretten. Das Rauchvolumen entspricht sogar hundert Zigaretten – was das genau bedeutet, ist allerdings unklar. Eindeutig ist, dass der Wasserpfeifen-Rauch über 80 schädliche Substanzen enthält: Viele davon sind krebserregend oder stehen zumindest im Verdacht, Krebs zu erzeugen, andere reizen die Atemwege.

„Das größte Problem aus unserer Sicht ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD, die auch Shisha-Raucher bekommen können“, sagt Barczok. Daneben steigt bei Rauchern das Risiko von Lungenkrebs und anderen Tumoren. Die Gefahr, Krebs an Lippe oder Zunge zu entwickeln, ist bei Pfeifenrauchern Barczok zufolge sogar höher als bei Zigarettenrauchern, da im Bereich des Mundstücks giftige Säfte entstehen. Daneben schadet Rauchen unter anderem Herz und Blutgefäßen sowie der Zahngesundheit.

Bars im Fokus von Aufsichtsbehörden

Eine Grenze, bis zu der das „Hookah-Smoking“ risikofrei ist, gibt es nicht. „Wenn jemand, der ansonsten gesund ist, einmal pro Woche eine Shisha raucht, dürfte das kein großes Problem sein“, sagt der Lungenarzt. „Aber oft bleibt es eben nicht dabei.“ Die Gefahr einer Nikotinsucht ist beim Shisha-Rauchen genauso groß wie bei Zigaretten. Tückisch ist allerdings, dass Experimente mit Wasserpfeifen für Jugendliche besonders einladend sind: „Der Rauch ist kühler und schmeckt. Da kann man sich viel leichter überwinden“, sagt Barczok. Dagegen finden die meisten die erste Zigarette in der Regel scheußlich.

Unabhängig vom Nikotin bergen Wasserpfeifen noch eine ganz andere Gefahr: Der Rauch enthält hohe Mengen an Kohlenmonoxid. Das geruchlose Gas entsteht beim Verbrennen der Kohle auf dem Shisha-Kopf. In schlecht belüfteten Räumen kann es dadurch zu lebensgefährlichen Vergiftungen kommen. In den vergangenen Monaten wurden in Deutschland mehrere Fälle dieser Art bekannt. Daher sind Shisha-Bars in mehreren Bundesländern stärker in den Fokus der Aufsichtsbehörden gerückt.

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Von Angela Stoll/RND

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