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Wissen Grundschulzeugnisse – Was sie wirklich bedeuten
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13:17 05.07.2019
In den Grundschulen werden noch verbale Beurteilungen über die Leistungen der Kinder geschrieben. Auf welchem Stand das eigene Kind ist, lässt sich manchmal schwer aus den Formulierungen im Zeugnis erkennen. Quelle: Pixabay (Symbolbild)
Hannover

Immer wieder sind Stimmen zu hören, die Zeugnisnoten kritisieren und stattdessen eine verbale Benotung von Schülern fordern. Die Argumente: Zahlnoten beziehen sich nicht auf individuelle Leistungen und den Lernfortschritt. Zudem haben verbale Benotungen Interpretationsspielraum. Diese Beurteilungen sind in Deutschlands Grundschulen in der ersten und zweiten Klasse vorgesehen – ab der dritten Schulklasse kann es dann Zahlnoten geben.

Eine Grundschullehrerin aus Hannover stellt die gängigsten Formulierungen vor, macht klar, warum diese so gewählt sind und erklärt: Das steht wirklich im Zeugnis.

Wichtig: Kinder nicht in Schubladen stecken

Tatsächlich kommen viele besorgte Eltern in die Sprechstunde der Lehrer und wollen wissen, wie es wirklich um ihr Kind steht. „Wir sorgen aber vor und veranstalten am Ende des ersten Schuljahres immer einen Elternabend, damit wirklich alle Formulierungen verstanden werden“, sagt die Grundschullehrerin. Wichtig sei es, die Abstufungen der verschiedenen Formulierungen nicht als Noten zu sehen. „Genau das soll vermieden werden – die Kinder sollen nicht in Schubladen gesteckt werden.“ Aber es sei wichtig, dass die Eltern einfach verstehen, ob ihr Kind in der Schule mitkäme und wie der Leistungsstand ist.

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Beurteilung: Immer nur ein Ist-Zustand

Die Formulierungen der inhaltlichen Beurteilungen sind an den Grundschulen unterschiedlich. Wer sich aber einmal eingehender mit den Abstufungen beschäftigt hat, sollte keine Probleme mehr haben, zu erkennen, auf welchem Leistungsstand sich der Sprössling befindet. „Die Skala reicht da wirklich von ,kann alles’ bis zu ,kann nichts’“, erklärt die Lehrerin aus Hannover. Das hört sich erst einmal hart an, aber der Lehrerin ist wichtig, dass die Eltern verstehen, dass es sich bei den Beurteilungen um keinen Zustand handele, der für immer so bleiben muss. „Manche Schüler machen gerade in den ersten Klassen unglaubliche Sprünge, was den Lernzuwachs angeht.“

Schlüsselworte: Zeugnis leichter verstehen

Natürlich sind Zahlennoten für die Eltern erst einmal einfacher zu verstehen, aber im Endeffekt würden diese den Kindern gar nicht richtig gerecht. Generell sollten die Abstufungen der inhaltsbezogenen Beurteilungen eindeutig sein – sind es aber oft nicht. „An einer Vereinfachung arbeiten wir ständig“, sagt die Lehrerin. Es gehe dabei ja auch nicht nur um das Verständnis der Eltern. Bei einem Schulwechsel etwa müssen auch andere Lehrer den Leistungsstand der Kindern erkennen. An einigen Worten lasse sich aber direkt erkennen, in welchem Bereich sich ein Schüler befindet. So sollten Eltern auf bestimmte Schlüsselworte in den Abstufungen achten.

1. Beurteilungsstufe – typische Schlüsselworte: sicher/ stets

Das Kind beherrscht den Zahlenraum bis 100 sicher.

Bei dieser Beurteilung wissen Eltern, dass sie sich keine Sorgen um die Mathematikkenntnisse ihres Kindes machen müssen.

2.
Beurteilungsstufe – typische Schlüsselworte: meistens/ überwiegend

Das Kind löst Matheaufgaben meistens selbstständig.

Eltern sollten sich auch bei dieser Beurteilung keine Gedanken machen: Das Kind kommt mit dem Unterrichtsstoff mit.

3. Beurteilungsstufe – typische Schlüsselworte: nicht immer

Das Kind kann Matheaufgaben nicht immer lösen.

In diesem Fall wissen Eltern, dass ihr Kind manchmal noch Probleme mit den Aufgaben hat.

4.
Beurteilungsstufe – typische Schlüsselworte: braucht noch Hilfe

Das Kind braucht beim Lösen von Matheaufgaben noch Hilfe.

Hier wissen Eltern, dass das Kind noch nicht eigenständig in der Lage ist, Matheaufgaben zu lösen.

5.
Beurteilungsstufe – typische Schlüsselworte: kann nicht/ gelingt nicht

Das Kind beherrscht den Zahlenraum bis 100 nicht.

Bei dieser Beurteilung sollten sich Eltern – wenn noch nicht geschehen – an die Lehrer des Kindes wenden. Das Kind beherrscht in diesem Fall den Lerninhalt seiner Klassenstufe noch nicht.

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Kopfnoten“: Diskussionsbedarf in Deutschland

Die so genannten Kopfnoten, die nicht Leistung in einem Fach, sondern etwa soziales Verhalten bewerten, stehen in Deutschland immer wieder zur Diskussion. So gibt es sie in den Bundesländern mit unterschiedlichen Herangehensweisen. In Sachsen-Anhalt etwa wird das Lernverhalten und das Sozialhalten in fünf Notenstufen bewertet, in Berlin wird auf den jeweiligen Schulkonferenzen entschieden, ob es überhaupt eine Bewertung geben soll und in Rheinland-Pfalz wird das Lern- und Arbeitsverhalten und das Sozialverhalten in zwei Kategorien bewertet. In anderen Bundesländern erscheinen Kopfnoten gar nicht auf dem Zeugnis – wie etwa in Schleswig-Holstein.

Viele Eltern denken, dass ein Kind mit der Beurteilung, dass das Sozial- oder Arbeitsverhalten den Erwartungen entspräche, nicht auf das Gymnasium gehen könnte. „Das stimmt natürlich nicht“, klärt die Grundschullehrerin auf: „Wenn etwas den Erwartungen entspricht, ist das im Prinzip die Basis – ausbaufähig aber völlig in Ordnung.“

Genauere Erklärung bei schlechter Beurteilung

Die Schulen in Niedersachsen sind zum Beispiel dazu angehalten, das Arbeits- und Sozialverhalten genauer zu erläutern, wenn dies eine unzureichende Beurteilung erhält – wie in Leistungsstufe D und E. „Natürlich ist dies ein höherer Arbeitsaufwand für die Lehrer, aber wenn man am Ende der Beurteilung eine Prognose oder einen Ausblick mit einbringt, ist dies für die Schüler nicht so negativ wie die Bewertung an sich“.

Die Abstufungen: Kopfnoten am Beispiel Niedersachsen

Leistungsstufe A – Das Arbeits- oder Sozialverhalten verdient besondere Anerkennung.

Leistungsstufe B – Das Arbeits- oder Sozialverhalten entspricht den Erwartungen in vollem Umfang.

Leistungsstufe C – Das Arbeits- oder Sozialverhalten entspricht den Erwartungen.

Leistungsstufe D – Das Arbeits- oder Sozialverhalten entspricht den Erwartungen mit Einschränkungen.

Leistungsstufe E – Das Arbeits- oder Sozialverhalten entspricht nicht den Erwartungen.

Bei einer Kopfnote im Bereich der vierten oder fünften Beurteilungsstufe würde ein zusätzlicher Text auf dem Zeugnis erscheinen, der die Beurteilung erklärt. Diese könnte zum Beispiel so formuliert sein:

Das Arbeitsverhalten des Kindes entspricht den Erwartungen mit Einschränkungen. Das Kind hat gelernt, bei Problemen um Hilfe zu bitten. Es ist aber immer noch häufig abgelenkt und kann seine Aufgaben daher nicht konzentriert bearbeiten. In Gesprächssituationen fällt es ihm nach wie vor schwer, zuzuhören und sich zu beteiligen. Das Kind sollte sich weiterhin bemühen, dem Unterrichtsgeschehen aufmerksam zu folgen.

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Von Heidi Becker/RND

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