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09:09 09.03.2015
Weil Frauen in den vergangenen Jahrzehnten viel geraucht haben, löst Lungenkrebs Brustkrebs als häufigste Todesursache bei den Krebsarten ab. Quelle: dpa
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Selbstbewusst, gleichberechtigt, attraktiv - und eine Zigarette in der Hand: So sah die moderne Frau in der Tabakwerbung der 60er und 70er Jahre aus. Das muffige Mutti-Bild der Nachkriegsjahre hatte ausgedient, die Zigarettenindustrie umwarb Frauen mit "schlanken" und "leichten" Zigaretten. Bis Mitte des Jahrhunderts war Rauchen bei Frauen außerhalb von Künstlerkreisen weithin verpönt gewesen, weniger als jede Fünfte griff zum Glimmstängel. Von den heute 50- bis 60-jährigen Frauen aber hat mehr als die Hälfte im Laufe ihres Lebens regelmäßig geraucht. Jetzt bemerken Ärzte die Folgen: Immer mehr Frauen sterben an Lungenkrebs.

"Eine stetig steigende Lungenkrebsrate ist die Quittung für jahrzehntelanges Rauchen der aggressiv beworbenen Frauen", sagt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Im Laufe des Jahres 2015 erwarten italienische Epidemiologen in Europa den Wendepunkt in der Krebsstatistik: Bisher starben Frauen an häufigsten an Brustkrebs, künftig wird es der Lungenkrebs sein.

Zahl der Todesfälle verdreifacht

Nikolaus Becker vom Deutschen Krebsforschungszentrum beobachtet den Trend ebenfalls: "Die sinkende Sterblichkeitskurve von Brustkrebs und die steil ansteigende von Lungenkrebs bei Frauen steuern seit langem auf einen Schnittpunkt um das Jahr 2015 zu".

Die Zahl der Todesfälle durch Lungen- und Bronchialkrebs bei Frauen hat sich in den vergangenen 30 Jahren fast verdreifacht, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Insgesamt waren 2013 die Herz-und Kreislauferkrankungen die häufigsten Todesursachen bei Frauen, auf Brustkrebs entfielen 3,8 Prozent, auf Lungenkrebs 3,3 Prozent.

Zusammenhang mit Zigarettenkonsum eindeutig

Obwohl in Europa in den vergangenen Jahren insgesamt weniger Frauen an Tumoren starben, stiegen die Todesfälle durch Lungenkrebs seit 2009 um neun Prozent, ermittelte auch eine italienische Studie. Der Zusammenhang zum Zigarettenkonsum ist eindeutig: Mindestens 85 Prozent aller Fälle von Lungenkrebs lassen sich auf das Rauchen zurückzuführen, sagt Studienautor Fabio Levi aus Mailand.

"Dass eine zum größten Teil vermeidbare Erkrankung nun die größte Sterblichkeitsrate unter den Krebsarten erreicht und immer mehr Todesopfer bei Frauen fordert, ist tragisch", beklagt Pötschke-Langer, Leiterin der Abteilung Prävention am Krebsforschungszentrum. Sie spricht von einer "Katastrophe mit Ansage". Die Forscherin entnimmt den Statistiken, dass Frauen durch die Qualmerei sogar schneller erkranken als Männer: "Sie können die Gifte schlechter entsorgen".

Behandlung bei Brustkrebs macht Fortschritte

Die Zunahme des Lungenkrebses überschattet einen großen Erfolg der modernen Krebsmedizin. Denn die Behandlung von Brustkrebs macht enorme Fortschritte. Nach wie vor tritt er sehr häufig auf, doch die Diagnose kommt immer seltener einem Todesurteil gleich.

Otmar Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Krebsforschungszentrums, erläutert: "Obwohl immer mehr Frauen an Brustkrebs erkranken, sterben daran heute weniger Frauen als noch vor etwa zehn Jahren". Viele verschiedene Behandlungsmethoden führten zu immer besseren Heilungschancen. Präventionsexpertin Pötschke-Langer verweist auf einen weiteren Umstand: "Brustkrebs wird heute früh erkannt - und früh behandelt".

Lungenkrebs oft zu spät entdeckt

Ganz anders sieht die Lage beim Lungenkrebs aus. Mediziner entdecken ihn meist spät und eher zufällig, denn die frühen Stadien machen selten Beschwerden. Bei der Diagnose sind die Heilungschancen darum geringer, vielfach wachsen Metastasen bereits im Gehirn, der Leber, den Nebennieren oder in den Knochen.

Der deutliche Anstieg der Lungenkrebstodesfälle unter Frauen, der jetzt auf einen Höhepunkt zusteuert, begann vor mehr als zehn Jahren. Pötschke-Langer prognostiziert für die nächsten Jahre einen weiteren Anstieg und dann ein Verharren auf hohem Niveau "mit Sicherheit bis zum nächsten Jahrzehnt". Denn die Altersgruppe der Frauen zwischen 25 und 69 Jahre rauche "stabil weiter", wie sie sagt. Nur nach massiven Preiserhöhungen beobachtet Pötschke-Langer eine höhere Aussteigerquote.

Der britische Epidemiologe Richard Peto bemerkte einst lapidar: "Wenn Frauen rauchen wie Männer, sterben sie auch wie Männer." Vor Jahrzehnten war die Lungenkrebs-Rate von Männern dreimal so hoch wie die der Frauen. Doch die Zahl rauchender Männer geht seit fast 40 Jahren stetig zurück. Seit rund 20 Jahren sinkt auch die Sterblichkeitsrate. Doch noch steht bei Männern Lungen- und Bronchialkrebs an der Spitze der Todesfälle durch Krebs.

Weniger Mädchen rauchen

Die Folgen des Rauchens treten erst lange Zeit später auf. Der Lungeninformationsdienst des Helmholtz-Zentrums München gibt an: "Etwa jeder zehnte Raucher erkrankt im Laufe seines Lebens an Lungenkrebs, im Durchschnitt 30 bis 40 Jahre nach Beginn des Tabakkonsums".

Ein Silberstreifen am Horizont ist für die Krebsforscher erst bei jungen Frauen unter 25 in Sicht. Seit einem guten Jahrzehnt beginnen weniger Mädchen zu rauchen. Dadurch sank die Gesamtzahl der Raucherinnen von 29 auf 24 Prozent, meldet das Robert-Koch-Institut. Die Zigarette als Symbol für Genuss und Gleichberechtigung dient nur langsam aus.

epd

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