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01:03 10.04.2019
Voll bepackt mit Pollen und Blütenstaub ist eine Biene im Anflug zu einer blühenden Sonnenblume. Quelle: Patrick Pleul/dpa
San Diego

Auch vermeintlich „bienensichere“ Insektizide sind einer Studie zufolge schädlich für Honigbienen. Vor allem in Kombination mit einem Pilzmittel beeinträchtigt das Insektizid Flupyradifuron (FPF) das Verhalten und das Überleben von Bienen, berichten US-Forscher im Fachmagazin „Proceedings B“ der britischen Royal Society. Sie betonen, dass Wechselwirkungen mehrerer Mittel bei Risikoabschätzungen berücksichtigt werden sollten.

Wenn um die Gefahr von Schädlingsbekämpfungsmitteln für nützliche Insekten diskutiert wurde, standen lange Zeit Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide im Fokus. Drei dieser Mittel wurden im vergangenen Jahr EU-weit für die Anwendung im Freiland verboten. Experten warnten jedoch, dass neue Mittel auf den Markt drängen würden, deren schädliche Auswirkungen womöglich nicht geringer sind als die der verbotenen Mittel.

Hummeln haben viel weniger Nachkommen

Britische Wissenschaftler zeigten das zum Beispiel bereits für Ersatz-Insektizide mit dem Wirkstoff Sulfoxaflor: Dunkle Erdhummeln (Bombus terrestris), die der Substanz ausgesetzt waren, hatten viel weniger Nachkommen als ihre Artgenossen, berichteten sie vergangenes Jahr im Fachmagazin „Nature“.

In der aktuellen Studie hatten Simone Tosi und James Nieh von der University of California Honigbienen (Apis mellifera) mit einer Zuckerlösung gefüttert, die mit dem Insektizid Flupyradifuron oder zusätzlich noch mit einem Fungizid versetzt war. FPF beruht auf dem gleichen Wirkmechanismus wie die mittlerweile verbotenen Neonicotinoide, gilt aber dennoch als vergleichsweise „bienenfreundlich“.

Kombination senkt Überlebensrate

Das getestete Fungizid Propiconazol gehört nach Angaben der Autoren zu den am häufigsten in der Landwirtschaft eingesetzten Mittel. Es ist zur Anwendung auf den gleichen Pflanzen zugelassen, die üblicherweise auch mit Neonikotinoiden beziehungsweise den Nachfolge-Präparaten behandelt werden. Dass Bienen mit beiden Mitteln gleichzeitig in Kontakt kommen, halten die Forscher deshalb für wahrscheinlich.

Sie fanden nun, dass die Kombination beider Mittel die Überlebensrate der Honigbienen senkte, und zwar sowohl bei den Bienen im Stock als auch bei den Arbeiterinnen, die außerhalb des Stocks Nahrung suchten. Die Dosis, bei der die Wissenschaftler eine Beeinträchtigung feststellten, entsprach der, die die Insekten auch natürlicherweise aufnehmen könnten.

Bienen waren hyperaktiv

Außerdem veränderten die Mittel das Verhalten der Bienen: Die Tiere hatten zum Beispiel Koordinationsschwierigkeiten oder waren hyperaktiv. Die festgestellten Effekte waren bei den Arbeiterinnen stärker ausgeprägt, was möglicherweise am geringeren Gewicht dieser Bienen liegt, so die Forscher.

Die gängigen Risikoabschätzungen für eingesetzte Mittel berücksichtigten Kombinationswirkungen nicht und auch die Wirkung auf verschiedene Bienen-Gruppen werde nicht untersucht, bemängeln die Experten. Zudem würden Effekte meist erst einige Stunden nach der Aufnahme ermittelt – in ihren Tests zeigten sich die stärksten Auswirkungen auf das Verhalten aber in der ersten Stunde und schwächten sich dann ab. Das alles könne dazu führen, dass Effekte auf Honigbienen und andere Insekten unter- oder überschätzt werden.

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In Deutschland und der EU läuft die Zulassung für das Fungizid Propiconazol in diesem Jahr aus. Restbestände dürfen noch einige Monate aufgebraucht werden, dann dürfen die Mittel nicht mehr eingesetzt werden. Der Wirkstoff Flupyradifurone wurde 2015 von der EU-Kommission für zehn Jahre genehmigt. Bayer vertreibt das Mittel unter dem Handelsnamen Sivanto, es ist in Deutschland aber noch nicht auf dem Markt.

Von RND/dpa

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