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Wissen Schon so alt: Das Kaugummi feiert 150. Geburtstag
Nachrichten Wissen Schon so alt: Das Kaugummi feiert 150. Geburtstag
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13:45 22.07.2019
Manchmal Pose, manchmal Retter in der Not und manchmal auch ein Ärgernis: Das Kaugummi wurde zum Begleiter unseres Lebens. Quelle: Peter Steffen/dpa
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New York

Zu behaupten, das Kaugummi hätte den Lauf der Welt verändert, wäre vielleicht zu hoch gegriffen – doch es hat sich zweifellos an die Fersen der Menschheitsgeschichte geheftet und ist fortan weder wegzukriegen noch wegzudenken. Ein Meilenstein seiner Geschichte war der 27. Juli 1869, vor genau 150 Jahren, als ein gewisser Amos Tyler aus Ohio ein Patent für eine „verbesserte Kaugummi-Verbindung“ zugesprochen bekam. Es gilt als das erste gewerbliche Schutzrecht für die klebrige Masse. Gekaut und geliebt wurde sie jedoch schon lange vorher.

Für den Kautrieb: Das erste „Kaugummi

Der älteste bekannte Kaugummi-Vorläufer ist mehr als 9000 Jahre alt, wie die Ernährungssoziologin Pamela Kerschke-Risch von der Universität Hamburg erklärt. Doch damals war die klebrige Masse noch keine Mischung aus Erdölderivat, Aromen, Süßungsmitteln, Weichmachern und Farbstoffen: Die Menschen bissen im heutigen Skandinavien auf dem Harz von Birken herum. „Da wird vermutlich vor allem der Kautrieb befriedigt worden sein“, sagt die Expertin. Wenn der Mensch isst, ist sein Überleben gesichert. Daher beruhigt schon das Kauen. Außerdem diene Kaugummi der Konzentration und helfe bei Stress: Nicht ohne Grund sieht man viele Sportler vor wichtigen Spielen genüsslich kauen.

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Kaugummi erfreut sich schon lange großer Beliebtheit

Doch das Kaugummi schaffte es nicht nur zu den größten Sportveranstaltungen der Welt, sondern auch in Ausstellungshallen, Konferenzräume, auf Konzerte und die letzten Winkel der Erde. Selbst im Weltraum wurden Blasen gepustet bis es knallte. Soldaten bekamen das Gummi im Krieg zwischen die Zähne. Und nach dem Sieg über Nazi-Deutschland verteilten US-Kämpfer nicht nur Zigaretten, sondern auch Kaugummis an die Bevölkerung.

Doch nicht nur an der Geschichte krallt sich die Klebemasse fest – kein Gehweg kommt ohne die kleinen, schwarzen Flecken aus, unzählige Hosen wurden durch Kaugummis ruiniert und wer schon einmal eins in die Haare bekommen hat, weiß: Da muss die Schere ran. Gerüchteweise sollen aber auch Öl und Butter helfen.

Ein Kaugummi zu kauen, prägt die Schulzeit

In der Schule war das Kaugummikauen verboten und deshalb Ausdruck eines Rebellentums gegen die Ganz-Vorne-Sitzer und Mit-den-Fingern-Schnipser. Aufrührerisch malmende Kiefer in der letzten Reihe signalisierten den Strebern: „Macht ruhig weiter mit Eurem Quatsch, ich bin zu cool für Euch.“ Schließlich landete das Kaugummi unterm Tisch, als ausgestreckter Mittelfinger an das Schul-Establishment.

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Dauerbrenner: Kaugummi mit Pfefferminzgeschmack

Doch es geht nicht nur um Pose, sondern auch um Geschmack. Pfefferminz ist seit langem der Dauerbrenner im Angebot, obwohl es so ziemlich alle Sorten gibt. Einige braucht man nur zu riechen und schon fühlt man sich ins Ferienlager zurückversetzt. Man kaute eins nach dem anderen und hoffte etwa, dass das Schicksal einen auf den Sitzplatz neben dem Mädchen mit dem süßen Pony katapultiert.

Knutschen: Der schönste Grund, ein Kaugummi zu kauen

Knutschen: Das ist damals wie heute einer der besten Gründe, um Kaugummis zu kaufen. „Man nimmt es mit, auch gezielt vor dem ersten Date, weil man darauf achtet, einen frischen Atem zu haben“, sagt Soziologin Kerschke-Risch. Denn Kaugummi übertönt professionell Gerüche, die einem sonst unangenehm sein könnten, zum Beispiel Zwiebel- und Alkohol-Fahnen oder Zigaretten-Dunst.

Bestimmte Kaugummis helfen Menschen sogar dabei, mit dem Rauchen aufzuhören oder lindern den Schwindel beim Reisen. Und auch wenn im Flugzeug der Druckausgleich auf die Ohren geht, kann das Kauen Wunder wirken.

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Verkaufszahlen sinken: Ist Kaugummi bald Geschichte?

Die Verkaufszahlen sinken. Kritiker meinen deshalb, die goldenen Jahre des Kaugummis würden der Geschichte angehören. Doch Expertin Kerschke-Risch gibt Entwarnung: „Es kann sein, dass es einen leichten Rückgang gibt, aber das können Schwankungen sein“, meint sie. So leicht bekommt man das Kaugummi schließlich nicht weg.

Von RND/dpa

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