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Wissen Klimawandel: Stockender Jetstream führt zu Wetterextremen
Nachrichten Wissen Klimawandel: Stockender Jetstream führt zu Wetterextremen
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13:04 28.05.2019
Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen den Hitzewellen und Dürren in Westeuropa und Nordamerika im vergangenen Jahr und einem besonderen Wellenmuster hoher Luftströmungen. Die stockenden Riesenwellen des sogenannten Jetstreams hätten sich bereits bei den Hitzewellen 2003, 2006 und 2015 in Europa gezeigt. Quelle: Patrick Pleul/ZB/dpa
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Berlin

Der Orkan „Friederike“ wütete in Deutschland und Nachbarländern, die Alpen versanken im Schnee, in Europa herrschte monatelang Dürre und Hitze: Eine der Hauptursachen für das extreme Wetter der vergangenen Jahre sei die Lage des Jetstreams, hieß es von der Weltwetterorganisation (WMO) in Genf.

Jetzt kommt eine neue Studie zu dem Ergebnis: Das seit einiger Zeit festgestellte Schwächeln des Jetstream ist Folge des Klimawandels. Atmosphärenforscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) haben mit einer neuen Methode nachgewiesen, dass der wellenförmige Verlauf des Jetstreams im Winter und damit verbundene Extremwetterlagen wie Kälteeinbrüche in Mitteleuropa und Nordamerika in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel stehen.

Klimaforscher gehen seit Jahren der Frage nach

Klimaforscher aus der ganzen Welt gehen seit Jahren der Frage nach, ob der immer häufiger beobachtete Schlängelkurs des Jetstreams über der Nordhalbkugel eine Folge des Klimawandels ist, oder aber ein zufälliges Phänomen, dessen Ursachen auf natürliche Schwankungen im Klimasystem zurückzuführen sind. Als Jetstream wird ein starkes Westwindband über den mittleren Breiten bezeichnet, welches die großen Wettersysteme von West nach Ost schiebt. Der Wind weht laut AWI in etwa 10 Kilometern Höhe rund um die Erde, wird von den Temperaturunterschieden zwischen Tropen und Arktis angetrieben und erreichte früher Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 500 Kilometer pro Stunde.

Mittlerweile aber, so zeigten Beobachtungen, schwächt sich der Wind immer wieder ab, berichten die AWI-Forscher. „Er weht dann seltener auf einem geradlinigen Kurs parallel zum Äquator, sondern schlängelt sich öfter in Riesenwellen über die Nordhalbkugel.“ Diese Wellen wiederum führten im Winter zu ungewöhnlichen Kaltlufteinbrüchen aus der Arktis in die mittleren Breiten – so geschehen zum Beispiel Ende Januar 2019, als im Mittleren Westen Nordamerikas extreme Kälte herrschte. Im Sommer dagegen verursachte den Forschern zufolge ein schwächelnder Jetstream langanhaltende Hitzewellen und Trockenheit wie sie Europa unter anderem in den Jahren 2003, 2006, 2015 und 2018 erlebte.

Neues Modell stellt Ozonschicht dar

Diese grundsätzlichen Zusammenhänge sind zwar laut AWI seit einiger Zeit bekannt. Forschern sei es bislang aber nicht gelungen, den Schlängelkurs des Jetstreams in Klimamodellen realistisch zu reproduzieren und einen Zusammenhang zwischen dem schwächelnden Wind und den globalen Klimaänderungen herzustellen. Diese Hürde hätten die Potsdamer Atmosphärenforscher nun genommen, indem sie ihr globales Klimamodell um einen innovativen Baustein der Ozonchemie ergänzten.

„Wir haben einen Machine-Learning-Algorithmus entwickelt, welcher es uns erlaubt, die Ozonschicht als interaktives Element im Modell darzustellen und daher die Wechselwirkungen aus der Stratosphäre und der Ozonschicht mit zu berücksichtigen“, sagt Erstautor und AWI-Atmosphärenforscher Erik Romanowsky. „Mit diesem Modellsystem sind wir jetzt in der Lage, die beobachteten Veränderungen im Jetstream realistisch zu reproduzieren.“

Jetstream führt zu Rückgang des arktischen Meereises

Mithilfe des neuen Modells können die Forscher nun auch die Ursachen des mäandrierenden Jetstreams genauer untersuchen. „Unsere Studie zeigt, dass die Veränderungen im Jetstream zumindest teilweise vom Rückgang des arktischen Meereises verursacht werden. Sollte die Eisdecke weiter schrumpfen, gehen wir davon aus, dass die bislang beobachteten Extremwetterereignisse in den mittleren Breiten in ihrer Häufigkeit und Intensität zunehmen werden“, sagt Prof. Markus Rex, Leiter der Atmosphärenforschung des AWI.

„Unsere Ergebnisse untermauern zudem, dass die häufiger auftretenden winterlichen Kaltphasen in den USA, Europa und Asien der Klimaerwärmung nicht widersprechen, sondern vielmehr Teil des menschengemachten Klimawandels sind.“

Von RND/so

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