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Wissen Kochen mit nur zwei Zutaten: So geht’s
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16:35 15.05.2019
Karotten im Ofen geröstet auf Zitronenhummus: Das ist nur eines der schmackhaften Rezepte aus dem Kochbuch „Only 2 - Gemüseküche mit 2 Zutaten“. Quelle: Gunda Dittrich/Brandstätter Verlag
Hannover

Arbeit, Haushalt, Kinderbetreuung: Der Alltag sieht bei den meisten Menschen eher stressig aus. Wer es da schafft, ein gesundes und vollwertiges Mittag- oder Abendessen zu zaubern, ist eher eine Ausnahme. Mit dem Kochbuch „Only 2 - Gemüseküche mit 2 Zutaten. Schnell & Gesund“ wird stressgeplagten Familienköchen das Leben erleichtert.

Geschrieben hat es Medizinerin Dr. Margot Van Assche. Vor 25 Jahren, als die Österreicherin noch voll in ihrer Praxis für Naturheilkunde eingespannt war, hätte sie so ein Kochbuch gut gebrauchen können. Wenn sie am Abend nach Hause kam, machte sie Essen für die vier Kinder ihrer Patchworkfamilie. Oft gab es – wie in vielen anderen Familien – Spaghetti. Dabei wollte Van Assche eigentlich gesünder kochen – und trotzdem unkompliziert. Ihre Lösung sah so aus: Rezepte, die auf nur zwei Zutaten basieren. Mindestens eines davon ist ein Gemüse, meist sogar beides. Hier zwei Rezept-Ideen.

Rezept mit zwei Zutaten: Gerösteter Lauch mit Maiscreme

Lauchstangen werden zuerst gekocht und dann geröstet. Dadurch besitzen sie einen zarten, weichen Kern und eine kräftig gebräunte Oberfläche. Mit der süßlichen Maiscreme bildet das ein elegantes Paar.

Lauch zusammen mit Mais? Passt gut zusammen, schmeckt köstlich und ist auch noch gesund. Quelle: Gunda Dittrich/Brandstätter Verlag

So geht’s: Mais mit 150 Millilitern Wasser zugedeckt circa 6 Minuten dünsten. Abgießen und die Kochflüssigkeit aufbewahren. Vom Lauch die dunkelgrünen Teile, die beiden äußersten Schichten und das Wurzelende entfernen. Lauch in einer Pfanne mit Wasser bedecken und in 8–10 Minuten zugedeckt knapp weich kochen. Herausnehmen, abtropfen, auf Küchenpapier legen und abkühlen lassen.

Mais, Butter und 4–5 Esslöffel Kochwasser mit dem Mixstab so fein wie möglich pürieren und anschließend durch ein feines Sieb passieren. Erst jetzt, wenn nötig, weitere Flüssigkeit zufügen und mit sehr wenig Salz abschmecken. Die Creme sollte nicht flüssig sein.

Lauch längs halbieren oder vierteln. Eine beschichtete Pfanne heiß werden lassen, Lauch hineingeben und trocken rösten, wenden und weiterrösten. Erst dann Olivenöl dazugeben, nochmals wenden und weiterrösten, bis die Lauchstangen rundherum kräftig gebräunt sind. Salzen und zur Maiscreme servieren.

Das wird gebraucht: 600 g Tiefkühlmais, 6 mitteldicke Stangen Lauch, 60 g Butter, 1 EL Olivenöl, Salz.

Tipp: Maiskörner können in haushaltsüblichen Küchenmaschinen fast nie so zerkleinert werden, dass sie nicht störende Schalenteile enthalten. Deswegen wird die Creme passiert. Der Aufwand ist in Wirklichkeit wesentlich geringer als die Vorstellung davon. Probieren Sie es aus. Auch Mais aus dem Glas oder aus der Dose kann verwendet werden.

Rezept mit zwei Zutaten: Ofengeröstete Karotten auf Zitronenhummus

Karotten bekommen beim Backen etwas Vielschichtiges, fast Fleischiges, voll Aroma und Süße. Der Kichererbsenpartner ergänzt perfekt mit prickelndem Zitrusaroma.

Karotten im Ofen geröstet auf Zitronenhummus: Dieses Gericht ist schnell und leicht zuzubereiten. Quelle: Gunda Dittrich/Brandstätter Verlag

So geht’s: Ofen auf 220 Grad Celsius vorheizen. Karotten waschen, bürsten, nicht schälen, der Länge nach vierteln. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen, mit 1⁄4 TL Salz, Zitronensaft und Olivenöl mit den Händen gut durchmischen. Auf dem Blech verteilen und im oberen Drittel des Ofens circa 15–20 Minuten backen, bis sie ganz weich und gut gebräunt sind. In der Hälfte der Zeit einmal wenden. Herausnehmen und abkühlen lassen.

Für den Hummus Zitronenschale mit einem Zestenreißer abziehen und fein hacken. Beiseitestellen. Kichererbsen in ein Sieb schütten und kalt abspülen. In einem hohen Mixgefäß oder in der Küchenmaschine mit allen weiteren Hummuszutaten außer den Zesten fein pürieren. Zesten von Hand unterrühren, eventuell etwas Wasser für eine zarte, cremige Konsistenz hinzufügen, Hummus abschmecken.

Für den Pesto vom Karottengrün die zarten Enden von den Stielen zupfen und fein hacken. Mit Olivenöl, Condimento bianco und etwas Salz mischen.

Vor dem Servieren drei Viertel der Karotten grob hacken, Rest ganz lassen. Mit Pfeffer und Salz abschmecken, mit etwas Pesto auf dem Hummus anrichten.

Das wird gebraucht: 8 große Karotten, wenn möglich, mit Grün, Salz, ein paar Tropfen Zitronensaft, Olivenöl, Pfeffer; Hummus: 1 große Biozitrone, 500 g (2 Gläser) gekochte Kichererbsen, Saft von ½ Zitrone, ½ TL Salz, 2 TL Ahornsirup, reichlich Pfeffer, 4 EL Olivenöl; Pesto: Grün von 4 Karotten (alternativ Petersilie oder Rucola), 2 EL Olivenöl, 1 TL Condimento bianco, Salz.

Tipp: Reicht der Platz nicht für das gesamte Gemüse, zusätzlich ein zweites Blech verwenden. In diesem Fall den Ofen auf 200 Grad Celsius Umluft einstellen.

Interview Van Assche: „Lange Zutatenlisten haben genervt“

Dr. Margot Van Assche erzählt im Interview, warum sie ein Kochbuch geschrieben hat, in dem alle Rezepte mit nur zwei Zutaten auskommen.

Dr. Margot Van Assche kocht Gerichte mit nur zwei Zutaten. Die Rezepte hat sie in ihrem Kochbuch festgehalten. Quelle: Gunda Dittrich/Brandstätter Verlag

Ihre Rezepte basieren auf nur zwei Zutaten – warum?

Mir sind die langen Zutatenlisten in vielen Rezeptbüchern auf die Nerven gegangen. Ich wollte wissen, wie weit man minimalisieren kann, ohne dass die Gerichte an Geschmack verlieren. Dabei ist etwas Überraschendes passiert: Sie haben an Geschmack gewonnen. Die ausgewählten Zutatenpaare harmonieren perfekt miteinander, manche verleihen einander einen richtigen Kick. Zusätzliche Spannung entsteht durch verschiedene Aggregatzustände des Gemüses – mal geröstet, mal püriert zum Beispiel – oder darüber, dass nur ein Teil gekocht wird und der andere roh bleibt. Ich finde zwei Zutaten nicht banal oder wenig, sondern besonders raffiniert, weil eins und eins viel mehr ergibt als zwei.

Das klingt gut handhabbar ...

Ja, dazu kommt, dass diese zwei Zutaten im Alltag unheimlich praktisch sind. In meinem Kochbuch habe ich die Zutatenpaare alphabetisch aufgelistet. Fotografiert man diese Liste mit dem Handy, kann man beim Einkaufen, wenn man ein tolles saisonales Gemüse entdeckt, sofort nachsehen, was dazu passt. Man muss nur noch die angegebene weitere Zutat einkaufen: Entscheiden Sie sich etwa für Brokkoli, brauchen Sie nur noch Erbsen oder Wasabi, bei Kohlrabi sind es Kaffee oder Rucola. Dazu kommen einige wenige Basiszutaten wie Essig, Zi­trone oder Olivenöl, die man immer zu Hause hat.

Warum verwenden Sie so viel Gemüse?

Ich versuche, mich so gut wie möglich an der Natur zu orientieren. Dann bin ich sicher, dass ich Nahrungsmittel verwende, die am besten für die Gesundheit sind. Ich empfehle, das zu essen, was uns die Natur anbietet: Gemüse. Und zwar in der unveränderten Form, das heißt, von uns zubereitet und gekocht, aber nicht von der Indus­trie verändert.

Ein überzeugter Fleischesser würde jetzt einwenden: „Mein Schnitzel kommt auch aus der Natur.“

Ich bin für naturbelassene Zutaten. Was unsere Nutztiere heute fressen und wie sie gehalten werden, ist von der Natur weit weg. Das ist indus­trielle Massenproduktion. Zudem bekommt es niemandem, so große Mengen an Fleisch zu essen. Ich habe nichts dagegen, wenn sich jemand ein gutes Stück Fleisch zum Gemüse brät. Entscheidend sind die Qualität und die Häufigkeit. Ich bin selbst keine Vegetarierin, esse aber mittlerweile nur noch wenig Fleisch.

Wie soll man von Gemüse allein satt werden?

Manche Gerichte in meinem Buch eignen sich tatsächlich eher als Snack oder Vorspeise wie die Cocktailtomaten mit Zimt. Von den meisten kann man aber gut satt werden. Man muss nur genug davon essen. Ein wichtiger Punkt sind die Fette, die machen auch satt. Auch da kommt es darauf an, die richtigen zu wählen: Mein Mann und ich brauchen pro Woche zwischen einem viertel und halben Liter gutes Olivenöl, das wir über Salat und Gemüse geben. Man kann auch eine sinnvolle Beilage dazu essen. Leute, die sagen, Brokkoli mit Erbsen reicht mir nicht, ergänzen das mit Fetakäse oder Frischkäse. Eine Beilage kann auch ein Stück sehr gutes Brot ohne Zusatzstoffe sein, es kann Vollkornreis sein, Polenta oder ein Glas mit weißen Bohnen oder mit Kichererbsen. Oder Süßkartoffeln, Kartoffeln, Fleisch oder Fisch. Was man halt mag. Es sind bei jedem Rezept Vorschläge dabei. Aber die Hauptsache ist das Gemüse. Die enthaltenen Pflanzenstoffe bewirken viel für unsere Gesundheit: Sie können Blutdruck, Cholesterin oder Entzündungen positiv beeinflussen oder vorbeugend gegen Krebs wirken. Wir müssen nur nutzen, was die Natur bietet.

Wie überzeugen Sie kleine Gemüseverweigerer von Ihren Gerichten?

Kinder brauchen Vorbilder. Wenn die Eltern kein Gemüse essen, machen es die Kinder auch nicht. Am besten bindet man sie möglichst früh ein, nimmt sie mit auf den Markt und kocht mit ihnen. Mit nur zwei Zutaten ist das ja ganz leicht. Jeder aus der Familie kann eine Gemüsesorte auswählen, mit der dann nach Rezept gekocht oder experimentiert wird.

Im Sommer gibt es Gemüse satt, aber wie machen Sie das im Winter?

Im Winter würde ich zu Kohl oder Wurzelgemüse greifen. Ganz toll sind Rote Rüben, die vorgekocht und in Vakuum verpackt sind. Zu meinen Lieblingsgerichten gehören Rote Rüben mit Kumquats oder Mandarinen. Die Roten Rüben schneide ich ganz dünn auf, wie Carpaccio. Die Kumquats oder Mandarinen kaufe ich im Bioladen, schneide sie mit der Schale in Scheiben und brate sie. Über beides kommt eine Vinaigrette mit Essig und Öl. Das schmeckt wunderbar.

Wie lange dauern die Rezepte?

Die Gerichte gehen alle schnell. Bei manchen ist das Essen schon in fünf bis zehn Minuten fertig, nie länger als 30 Minuten. Manchmal kommen noch Garzeiten dazu. Aber wenn der Sellerie erst mal im Ofen ist, kann man ja die Beine hochlegen.

Was passiert mit unserem Gewicht, wenn wir so kochen?

Es pendelt sich ein, das heißt, Sie werden sicher etwas an Gewicht verlieren.

Das Kochbuch „Only 2 - Gemüseküche mit 2 Zutaten. Schnell & Gesund“ ist im Brandstätter-Verlag erschienen (176 Seiten, 25 Euro). Quelle: Gunda Dittrich/Brandstätter Verlag

Von RND / Monika Herbst

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