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Wissen Kostenlose Getränke am Arbeitsplatz: Gibt es einen Anspruch auf Kaffee, Wasser und Co.?
Nachrichten Wissen Kostenlose Getränke am Arbeitsplatz: Gibt es einen Anspruch auf Kaffee, Wasser und Co.?
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13:40 31.07.2019
Einen rechtlichen Anspruch auf kostenlose Getränke am Arbeitsplatz haben Arbeitnehmer nicht. Quelle: imago/Westend61
Hannover

Steigen die Temperaturen im Sommer an, haben viele Beschäftigte auch am Arbeitsplatz damit zu kämpfen. Für den Körper und die Konzentrationsfähigkeit stellt die Hitze eine Belastung dar. Gerade dann ist es besonders wichtig, genug zu trinken. Einige Unternehmen versorgen ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz mit kostenlosen Getränken. Vor allem Start-ups verfügen oft über gut ausgestattete Teeküchen, in Stellenausschreibungen werben sie mit gratis Kaffee, Tee und Kaltgetränken.

Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Initiative Dialog Natürliches Mineralwasser zeigt: Viele Arbeitnehmer erwarten diese Versorgung von ihren Chefs. Jeweils neun von zehn der Beschäftigten fordern Wasser oder Kaffee am Arbeitsplatz. Ein Drittel der Befragten wünscht sich außerdem Fruchtsaft oder Limonade.

Nur sechs von zehn Unternehmen bieten Mineralwasser

Doch längst nicht überall werden diese Wünsche auch erfüllt. Laut der Umfrage stellen gerade einmal sechs von zehn Unternehmen ihren Mitarbeitern Mineralwasser zur Verfügung. Leitungswasser gibt es dafür immerhin in etwa neun von zehn Unternehmen. Etwa 70 Prozent der Arbeitgeber bieten ihren Angestellten auch Heißgetränke; Fruchtsäfte oder -Schorlen gibt es in 40 Prozent der Betriebe.

Allerdings: Selbst wenn ein Unternehmen seinen Mitarbeitern Getränke anbietet, sind diese längst nicht immer auch kostenlos. Der Umfrage zufolge bekommen Arbeitnehmer nur in 40 Prozent der Unternehmen Kaffee und Tee gratis.

Ob und wie Betriebe ihre Mitarbeiter mit Getränken versorgen, hängt auch von der Branche ab. Besonders schlecht ist die Versorgungslage der Umfrage zufolge im öffentlichen Dienst, nur 38 Prozent der Angestellten von Bund, Ländern und Kommunen bekommen Mineralwasser angeboten.

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Kein rechtlicher Anspruch auf Getränke

Arbeitgeber haben zahlreiche Pflichten zum Schutz ihrer Mitarbeiter, wie zum Beispiel die Bereitstellung von Büromaterial oder Schutzausrüstung. „Der Arbeitgeber hat eine Fürsorgepflicht, diese reicht aber nicht so weit, dass sie auch das leibliche Wohl einschließt“, sagt Fenimore von Bredow, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln und Vorstandsmitglied des Verbands deutscher Arbeitsrechtanwälte. Unternehmen sind demnach nicht verpflichtet, Getränke am Arbeitsplatz bereitzustellen – auch nicht bei großer Hitze.

Die sogenannte Arbeitsstättenverordnung und die „technischen Regeln für Arbeitsstätten“ (ASR) sehen laut der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di zwar vor, „dass die Betriebsräume so einzurichten sind, dass Sicherheit und Gesundheitsschutz beachtet werden“. So sollte zum Beispiel die Raumtemperatur in einem Büro 26 Grad nicht überschreiten. Falls die Temperaturen auf über 30 Grad steigen, werden bestimmte Maßnahmen empfohlen – etwa, dass geeignete Getränke bereitgestellt werden. Allerdings handelt es sich bei den Regelungen nur um Empfehlungen, die den Arbeitgeber nicht verpflichten.

Bei Hitzearbeit muss der Arbeitgeber Getränke bereitstellen

Eine Ausnahme von der Regelung gibt es allerdings: „Wenn es sich um sogenannte Hitzearbeiten handelt, sind vom Arbeitgeber ausreichend Getränke bereitzustellen“, so von Bredow. Eine Hitzearbeit liegt laut der Deutschen Gesellschaft für Unfallversicherung (DGUV) dann vor, wenn es „infolge kombinierter Belastung aus Hitze, körperlicher Arbeit und gegebenenfalls Bekleidung zu einer Erwärmung des Körpers und damit zu einem Anstieg der Körpertemperatur kommt.“

Ob Hitzearbeit vorliegt, muss der Arbeitgeber durch eine Gefährdungsbeurteilung ermitteln. Laut von Bredow ist das zum Beispiel beim Straßenbau der Fall, wo die Bauarbeiter im Sommer in der prallen Sonne teilweise mit heißem Teer arbeiten. „Die Arbeitgeber haben die Pflicht, ihre Angestellten nicht zu überstrapazieren. Deswegen müssen sie unter anderem Getränke zur Verfügung stellen“, so der Anwalt. Laut der DGUV sind Unternehmen dann verpflichtet, „geeignete Getränke“ kostenlos zur Verfügung zu stellen.

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Flüssigkeitsmangel beeinträchtigt Leistungsfähigkeit

Ein Flüssigkeitsmangel bei den hohen Temperaturen kann die Gesundheit der Arbeitnehmer beeinträchtigen. „Wenn Angestellte während der Arbeit zu wenig trinken, wird das Blut zäher und die geistige Leistungsfähigkeit nimmt rapide ab“, sagt der Ernährungswissenschaftler Günter Wagner, Vorstandsmitglied im Deutschen Institut für Sporternährung und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates im Verband für Ernährung und Diätetik.

Er empfiehlt Arbeitgebern deswegen, den Mitarbeitern gesunde, natürliche Getränke zur Verfügung stellen. „Besonders empfehlenswert ist das Naturprodukt Mineralwasser, das kalorienfrei den Durst löscht. Für schweißtreibende Tätigkeiten empfiehlt sich eher ein mineralstoffreicheres Mineralwasser.“

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Arbeitnehmer können selber aktiv werden

Bietet ein Arbeitgeber seinen Angestellten diese Getränke an, handelt es sich dabei bei allen Tätigkeiten außer der Hitzearbeit aber eben um ein freiwilliges Entgegenkommen, und nicht um eine Pflicht. „Arbeitnehmer können kostenlose Getränke am Arbeitsplatz deswegen auch nicht einklagen“, sagt von Bredow.

Eva Völpel von der ver.di weist stattdessen auf die wichtige Rolle hin, die Betriebsräte und Betriebsvereinbarungen in dieser Frage spielen. „Es kommt dann wie so oft auf die konkrete Ausgestaltung und – wird der Arbeitgeber nicht von selbst entsprechend tätig – das Engagement beziehungsweise den Druck der Beschäftigten an, ob sich etwas tut.“

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