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09:37 26.07.2019
Eine wirksame Behandlungsmethode gegen das Ebolavirus gibt es derzeit nicht, laut Experte könne man schwer vorhersagen, wer die Krankheit überlebt und wer nicht. Quelle: picture alliance/dpa
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Auch nach einem Jahr ist die bisher zweitschwerste Ebola-Epidemie des Kongos nicht unter Kontrolle. Bislang sind rund 2600 Menschen erkrankt und fast 1800 Patienten an Ebola gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den internationalen Notstand ausgerufen. Besorgniserregend sei auch, dass sich das Virus mittlerweile nach Uganda ausgebreitet hat.

Doch was macht die Krankheit, die in 50 bis 70 Prozent der Fälle tödlich endet, so gefährlich? Und kann man sie jemals ganz besiegen?

Was ist Ebola?

Ebola ist eine seltene und lebensbedrohliche Infektionskrankheit“, erklärt der Tropenmediziner Peter Kremsner. Er ist Direktor des Instituts für Tropenmedizin (ITM) in Tübingen und Leiter des Forschungs- und Ausbildungszentrum Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) in Gabun, Afrika. Ebola gehört zu den viralen hämorrhagischen Fieber­erkran­kungen und wird durch das Ebola­virus verursacht. Es gibt verschiedene Arten von Ebolaviren, doch die meisten Ausbrüche hat bisher das Zaire-Ebolavirus verursacht: so zum Beispiel den großen Ausbruch von 2014 bis 2016 in Westafrika, der 11.000 Todesopfer forderte. Nach einer Inkubationszeit von etwa zwei bis 21 Tagen kommt es zum Ausbruch der Erkrankung.

Was sind die Symptome?

Die Krankheit beginnt mit sehr unspezifischen Symptomen, wie Kopf- und Halsschmerzen, Fieber oder Gliederschmerzen. „Aus diesem Grund bleibt sie oft unentdeckt“, sagt Kremsner. Ein bis zwei Tage nach den ersten Symptomen, bricht dann das Fieber aus, das mit Entzündungen einhergeht. Da unter anderem die Blutgefäße geschädigt werden, kommt es zu Blutungen – innerlich und äußerlich. Die schwere Krankheit führt in 50 bis 70 Prozent der Fälle zum Tod. „In einem Dschungel im Kongo ist die Lage dann besonders prekär. Aber auch die Überlebenschancen auf einer Intensivstation in Deutschland sind nicht gerade höher“, sagt Kremsner.

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Wie wird Ebola übertragen?

Das Ebolavirus wird durch direkten Kontakt, von Mensch zu Mensch übertragen: also durch Blut, Speichel, Schweiß, Urin und andere Körperflüssigkeiten. Teilweise werden Menschen aber auch über Gegenstände wie Nadeln, Operationsbesteck oder Bettwäsche angesteckt. Auch infizierte Leichen – von Menschen und Tieren – sind einige Tage nach ihrem Tod noch ansteckend. Immun ist man nur, wenn man die Krankheit schon einmal hatte oder geimpft ist, erklärt Kremsner.

Wie lange sind Infizierte ansteckend?

„In der Regel relativ kurz, währen der Erkrankungsphase“, sagt Kremsner. Es gibt aber auch Berichte, dass Viren monatelang in den Samen von Männern überleben. Damit ist beim ungeschützten Geschlechtsverkehr eine Übertragung potenziell möglich.

„Viele Menschen beim Ausbruch in Westafrika werden sich bei Beerdigungen angesteckt haben“, vermutet Kremsner. Bei den Zeremonien sei ein direkter Kontakt mit der Leiche üblich. „Diesbezüglich versucht man aktuell, Aufklärungsarbeit zu leisten und Schutzmaßnahmen während Beerdigungen zu ergreifen.“

Gibt es eine wirksame Behandlungsmethode gegen Ebola?

Nein, bisher noch nicht. Es würden zwar derzeit einige interessante Ansätze geprüft, „aber leider gibt es noch nicht die eine Methode“, sagt Kremsner. Allerdings existiert mittlerweile eine Impfung, die bereits bei den vergangenen Ausbrüchen und auch beim derzeitigen Ebola-Ausbruch eingesetzt wird.

Sie wirkt allerdings nur prophylaktisch. „Wenn man bereits infiziert ist, ist es in den allermeisten Fällen zu spät für einen Impferfolg.“ Deshalb wird derzeit im Kongo vorbeugend geimpft: „Wenn es in einem kleinen Dorf einen Infizierten gibt, wird direkt das ganze Dorf geimpft.“ Auch bei den Helfern werde mittlerweile sehr konsequent geimpft: Alle Helfer, die bei einem Ebolaausbruch im Einsatz sind, werden geimpft.

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Wie sieht der Heilungsprozess bei einer Ebola-Erkrankung aus?

Ebola-Kranke müssen streng isoliert werden, spezifische Heilmittel gibt es nicht. „Die Heilung besteht aus natürlicher Heilung“, sagt Kremsner. Eine Stärkung des Immunsystems über Flüssigkeitszufuhr, die Kontrolle anderer Krankheiten und gesunde Ernährung könnten die Todesrate senken.

„Es ist aber mehr Zufall und das Einsetzen der eigenen Immunabwehr, die den Einzelnen rettet“, sagt Kremsner. Man könne nur schwer vorhersagen, wer sterbe und wer nicht.

Wie wird das Ebola-Virus auf den Menschen übertragen?

Das wurde bisher nicht zu hundert Prozent geklärt. Aber am wahrscheinlichsten erfolgt die Übertragung durch vegetarische Flattertiere, wie Fledermäuse. Diese Tiere sind nicht krank, aber tragen das Virus in sich. Dann gibt es laut Kremsner oft eine Art Kettenreaktion: Wenn etwa Affen die Tiere essen – oder sich zum Beispiel eine Mango teilen – können sie sich anstecken. Dann sind sie geschwächt und werden zu einer leichten Beute für Jäger. Bringen die das erlegte Tier nach Hause, können sich die Familienmitglieder am Kadaver anstecken. „Die Familie infiziert die nächsten Verwandten und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.“

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Ist Ebola in Deutschland möglich?

„Grundsätzlich besteht für jedes Land ein Risiko, aber die Ebolaviren zirkulieren vor allem in Zentralafrika“, sagt Kremsner. Damit sei auch der westafrikanische Ausbruch „ein kleines Rätsel“. Aber wahrscheinlich gibt es auch dort ein Reservoir in Fledermäusen sagt, Kremsner.

In Europa oder Deutschland ist eine Ausbreitung dagegen sehr unwahrscheinlich. Das könne höchstens durch eine Einschleppung durch Menschen passieren. „Aber bei unserem Gesundheitssystem und Möglichkeiten der Isolation ist die Gefahr, dass das Virus grassiert, sehr gering.“

Kann man Ebola komplett ausrotten?

„Nein, Ebolaausbrüche wird es immer wieder geben“, sagt Kremsner. Das Virus habe sich an die Natur und die Tiere angepasst. Man könne Ebola nicht einfach mit einer Impfung ausrotten.

1992 hat Peter Kremsner das renommierte Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) in Gabun gegründet, das er bis heute leitet. Seit 1996 arbeitet der 57-Jährige am Tübinger Tropeninstitut, seit 2008 ist er Direktor des Instituts. Für seine Forschung, bei der er sich vor allem Malaria widmet, wurde er mehrfach ausgezeichnet. 2017 hat er den Memento Forschungspreis für vernachlässigte Krankheiten erhalten, der unter anderem von „Ärzte ohne Grenzen“ und „Brot für die Welt“ vergeben wird. Quelle: Michael Latz

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Von Alice Mecke/RND

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