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18:00 05.07.2019
Soll ein Blockieren der Räder und damit Stürze verhindern: ABS gibt es auch für Fahrräder. Quelle: Robert Günther/dpa-tmn
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Berlin/München

Der Straßenverkehr ist oftmals unberechenbar: Eine schnelle Reaktion kann im Zweifelsfall Leben retten. Ziehen Radfahrer allerdings zu fest am Bremshebel, kann das Vorderrad blockieren und wegrutschen – eine Gefahr, der man mit einem Antiblockiersystem entgegen wirken könnte. Während ABS bei neuzugelassenen Motorrädern Pflicht ist, kommen nun auch Elektrofahrräder mit dem Bremsassistenten auf den Markt: Sinnvolles Zubehör oder Technik-Schnickschnack für verwöhnte Radler?

Antiblockiersysteme können auch bei Zweirädern Leben retten

ABS soll ein Blockieren der Räder verhindern. Während die Stotterbremse bei Autos vor allem für Lenkfähigkeit bei einer Vollbremsung sorgt, soll sie bei Zweirädern in erster Linie Stürze verhindern. „Blockierende Vorderräder führen unweigerlich zum Sturz, da die Drehbewegung des Rades für die Stabilität verantwortlich ist“, sagt Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer (UDV).

In kritischen Situationen werde das ABS zum Lebensretter. Es stellt, so der Experte, den „höchstmöglichen Bremsdruck bereit, ohne dass das Rad blockiert“. So werde bis zum Hindernis maximal Geschwindigkeit abgebaut, während ein rutschendes Rad gar nicht verzögern würde.

Fahrrad-ABS: Qualität hat ihren Preis

Kein Wunder also, dass die Technik auch für Fahrräder interessant wird. Gerade bei Modellen mit starken Trommel- oder Scheibenbremsen kann das Vorderrad schon bei wenig Bremshebel-Druck blockieren, vor allem auf Schotter und feuchter Fahrbahn.

Für Pedelecs sei das Assistenzsystem sinnvoll und vernünftig, weil diese im Durchschnitt auch schneller fahren als normale Räder, findet Brockmann. Zudem passieren auf Pedelecs viele Alleinunfälle – also Unfälle, an denen keine weiteren Fahrzeuge beteiligt sind. Fahrrad-ABS hat aber seinen Preis: Rund 500 Euro Aufpreis muss man einkalkulieren.

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Antiblockiersysteme für Pedelecs: Stabile Stromversorgung nötig

Die Funktionsweise des ABS ist ähnlich wie beim Motorrad: ein Drehzahlsensor erkennt eine Blockade und löst durch ein Magnetventil den Druck in der hydraulischen Leitung. „Ein echtes ABS funktioniert nur bei einem hydraulischen Bremssystem“, sagt Brockmann. Und für die Aufgabe benötige es eine stabile Stromversorgung. Deshalb komme ABS auch eher für Elektrofahrräder in Frage.

Wird ABS zur Grundausstattung für Elektrofahrräder?

Eigene Antiblockiersysteme für Fahrräder haben unter anderem die deutschen Hersteller Bosch und Brakeforceone entwickelt, vorwiegend für Pedelecs. Sie verfügen bereits über ausreichend Energie in ihren Batterien, damit das ABS funktioniert.

Laut René Filippek vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) sind erst wenige Systeme auf dem Markt. Derzeit seien sie noch teuer: Der Experte rechnet vorerst mit einem Einsatz bei hochwertigen Rädern. „Sobald die Systeme günstiger und leichter werden, wird ABS auch für preiswertere Elektroradklassen interessant“, schätzt Filippek. Das könne schon in drei bis fünf Jahren passieren. Bei konventionellen Fahrrädern benötigen die Bremshilfen eine externe Stromversorgung und sind nicht nur teuer, sondern auch schwer. Daher rechnet Filippek hier nicht mit einer hohen Einbaurate.

Für mehr Sicherheit braucht es mehr als ein Antiblockiersystem

Den möglichen Nutzen von ABS bei Pedelecs sieht auch Rudolf Bergen vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR): „Bei Fahrradtrainings sehen wir, dass richtiges Bremsen geübt werden muss“, erklärt er. Viele Radfahrer bremsten aus Angst vor einem Sturz zu sanft oder überbremsten das Rad, was zu Überschlägen führen kann. „Mit einem ABS wird das Bremsen vereinfacht – und die Sicherheit steigt.“

Die technische Verbreitung und Weiterentwicklung von Sicherheitssystemen am Fahrrad sei zu begrüßen, sagt der DVR-Experte. Noch wichtiger aber seien umsichtige Radler. Damit meint er vorausschauendes und rücksichtsvolles Fahren ebenso wie das Beachten der Verkehrsregeln. Schon allein dadurch sind Radfahrer wesentlich sicherer unterwegs. Auch ohne ABS.

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Von RND/dpa/jo

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