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Nachrichten Wissen Mittelstand: Der Charme der „Kleinen
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06:00 08.06.2019
Der Mittelstand schafft in Deutschland rund jeden zweiten Job. Quelle: dpa
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Hannover

Mittelstand – hat dieser Begriff aus der Wirtschaft nicht etwas Abwertendes? Klar, es gibt die, die sich darunter befinden, aber eben auch jene, so klingt das Wort jedenfalls, die es nach ganz oben geschafft haben. Mittelstand? Ist doch irgendwie mittelmäßig. Wahrscheinlich muss man aus großer Ferne auf jene Unternehmen blicken, die zum deutschen Mittelstand gerechnet werden, um zu erkennen, wie abwegig eine abwertende Sicht ist. Nach der weltweiten Rezession 2008/2009 fiel US-amerikanischen Experten auf, wie gut die deutsche Wirtschaft durch die Flaute gesegelt war. Viele machten sich nach Deutschland auf, um die Ursachen zu ergründen – und fanden sie in der Stärke von „the German Mittelstand“. Es gab auch kraftvollere Ausdrücke des amerikanischen Respekts vor den unternehmerischen Leistungen der deutschen Firmen: Von „hidden champions“, also „versteckten Weltmeistern", war die Rede, oder gar von der ­„secret weapon“, der „Wunderwaffe“, der Bundesrepublik.

Daten & Fakten Mittelstand (2018)

Zahl der Unternehmen: rund 3,5 Millionen, Anteil an der Gesamtzahl deutscher Firmen: 99,6 Prozent, Umsatz: 5549 Milliarden Euro, Zahl der Beschäftigten: etwa 30 Millionen, Anteil an der Zahl der Auszubildenden: 82 Prozent, Anteil am Außenhandel: 44 Prozent, Unternehmensgründungen pro Jahr: etwa 300 000

Weltweiter Respekt vor den „hidden champions“

Tatsächlich bestechen die mittelständischen Unternehmen nicht durch ihre Größe, da sind ihnen die Konzerne überlegen. Aber durch ihre Zahl: Mehr als 99 Prozent der deutschen Firmen werden zum Mittelstand gerechnet. Die etwa 3,5 Millionen Betriebe vereinen ein Bündel von Erfolgsfaktoren: Sie sind flexibler als Großunternehmen, weil sie sich schnell umorganisieren, das Personal besser anpassen und neue Techniken schneller in den Produktionsprozess eingliedern und damit neue Produkte rascher am Markt platzieren können. Ihre Entscheidungsstrukturen sind einfacher; die Hierarchien flacher. Und: Langfristige Beziehungen und informelle Kontakte zu Kunden, Lieferanten und Banken machen den Kontakt unkompliziert. Außerdem machen Mittelständler ihre geringe Betriebsgröße oft dadurch wett, dass sie sogenannte regionale Cluster bilden: Im Umkreis weniger Kilometer siedeln sich Firmen an, die sich wechselseitig ergänzen. In Solingen bei Düsseldorf finden sich etwa Schneidwarenhersteller, Wälzlagerspezialisten in Schweinfurt oder Schließtechniker in Velbert im Bergischen Land. Um Kunden zu binden, bietet der Mittelstand oft das, was die ganz Großen nicht immer perfekt können: Neben den Produkten wird auch Service geliefert; etwa Techniker, die vor Ort Probleme beseitigen, bevor sie zum Ärgernis werden.

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Bei der Innovationsfähigkeit glänzt der Mittelstand

Nach einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (Ifm) schafft der Mittelstand in Deutschland jeden zweiten sozialversicherungspflichtigen Job – besonders jene Unternehmen, die weniger als zehn Beschäftigte haben. Die Forscher betrachteten auch den Zeitraum 2001 bis 2009, der die Rezession der Jahre 2008/2009 einschloss. Während mittelständische Unternehmen in diesem Zeitraum unterm Strich ihre Arbeitsplätze um 13,6 Prozent anwachsen ließen, sank deren Zahl bei Großunternehmen um 1,2 Prozent. Deren Macht hat nach einer Untersuchung der Monopolkommission des Bundes auch in den folgenden Jahren zugunsten der Mittelständler abgenommen: Im Jahr 2000 trugen die 100 größten Unternehmen Deutschlands noch ein Fünftel zur Jahreswirtschaftsleistung bei, 2016 lag der Wert bei nur noch 14,9 Prozent.

Auch bei der Innovationsfähigkeit glänzen die mittelständischen Firmen. Nach einer Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums brachten im Jahr 2014 mehr als 42 Prozent von ihnen eine „Produkt- oder Prozessinnovation“ auf den Markt. Der EU-Durchschnitt liegt bei nur 30 Prozent.

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„Hidden champions“ in Atemnot

Manch andere Untersuchung indes legt auch den Verdacht nahe, dass die „hidden champions“ in Atemnot sind. Das Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW) weist in einer Untersuchung nach, dass die Innovationskraft der Firmen nachgelassen hat. Im Jahr 2015 führten danach zwei Drittel der Unternehmen mit bis zu 1000 Beschäftigten regelmäßig Prozesse und Produkte ein – fünf Jahre zuvor waren es laut IW allerdings noch drei Viertel gewesen. Die Kölner Experten führen dies auf eine überbordende gesetzliche Regulierung in Deutschland und der EU zurück und darauf, dass die Politik oft zuerst die Belange der Großunternehmen in den Blick nimmt. Als unlängst die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand (AG), zu der zehn Verbände wie etwa der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) oder der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) gehören, ihren Jahresmittelstandsbericht 2019 vorlegte, gab es trotz der Probleme noch einmal gute Zahlen. Die Zahl der im Mittelstand Beschäftigten ist danach seit 2009 von 35,9 auf 39,7 Millionen gestiegen. Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum um gut 25 Prozent auf 5549 Milliarden Euro zu.

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Rückbesinnung auf das bisherige Erfolgsmodell

Der Mittelstand weiß also um seine Machtposition im Land. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bekam dies vor Kurzem zu spüren, als er seinen „Nationalen Industrieplan 2030“ vorlegte und sich darin dafür aussprach, mit staatlicher Unterstützung nationale und europäische Großbetriebe zu schaffen. Altmaier sicherte nach Gesprächen mit Mittelständlern und Gewerkschaftern zu, seine eher mittelstandskritische Strategie zu überarbeiten. BGA-Präsident Holger Bingmann warnt denn auch vor „Staatsinterventionismus“. Notwendig sei eine Rückbesinnung auf das „bisherige Erfolgsmodell“; man dürfe dem Mittelstand „keine Knüppel zwischen die Beine werfen“. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer beklagte zudem, die Firmen kämen „vor lauter bürokratischen Vorgaben kaum mehr zur eigentlichen Arbeit“. Und so ist die Wunschliste des Mittelstands an die Politik auch nicht eben kurz: Strompreise – „die höchsten Europas“ – sollten sinken, indem staatliche Preisanteile aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden. Steuersenkungen bei Einkommens- und Körperschaftssteuer dürften kein Tabu sein, mahnt die AG. Zudem müssten Arbeitszeitgesetze flexibilisiert und der Datenschutz dürfte nicht ausgeweitet werden.

Kritisch sieht die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand auch die Tatsache, dass die Zahl der Unternehmensgründungen seit 2011 sinkt. Unter 24 Industrienationen belege die Bundesrepublik nur den fünftletzten Platz bei der Eröffnung neuer Firmen, heißt es. Im deutschen Mittelstand arbeiten möchten viele; selber ein Mittelständler werden offenbar nur wenige.

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Von RND / Alexander Dahl

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