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Wissen Ramelow-Vorstoß: Die Geschichte der Nationalhymne
Nachrichten Wissen Ramelow-Vorstoß: Die Geschichte der Nationalhymne
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13:45 10.05.2019
Büste von Hoffmann von Fallersleben (1798 bis 1874) an der Strandpromenade auf Helgoland. Quelle: Christian Charisius/dpa
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Hannover

Seit der österreichische Komponist Joseph Haydn im Winter 1796/1797 die „Kaiserhymne“ im Auftrag von Kaiser Franz II. komponierte, ist die Melodie im Einsatz als Hymne. Erst für die Kaiser Österreichs, anschließend, wenn auch nicht offiziell, für die deutschen Kaiser, dann in der Weimarer Republik, schließlich bei den Nazis und in der Bundesrepublik.

Franz II. war der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. 1804, Napoleon hatte sich gerade zum Kaiser der Franzosen ernannt, rief er sich als Franz I. zum Kaiser Österreichs aus. Zu jener Zeit war das deutschsprachige Europa weit von „Einigkeit und Recht und Freiheit ...“ entfernt. Auf ihn komponierte Haydn die Melodie und den Text „Gott erhalte Franz, den Kaiser, unsern guten Kaiser Franz!“

Die Reinschrift der Kaiserhymne von Joseph Haydn. Quelle: Joseph Haydn/Scan: Österreichische Nationalbibliothek

Die ersten Worte der dritten Strophe der Nationalhymne, die der Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben am 26. August 1841 auf dem damals britischen Helgoland zur Haydn-Melodie schrieb, sind den meisten lebenden Deutschen als Symbol der deutschen Einheit von 1990 und aus Fußballstadien bekannt. Dabei hat sie eine bewegte Vergangenheit – und Hoffmann von Fallersleben (1798–1874) meinte es mit dem Text auch ganz anders, als heute häufig fälschlicherweise angenommen wird.

In romantischer Schwärmerei von einem einigen Land deutscher Sprache, ohne lästige Grenzen zwischen Kleinstfürstentümern, schrieb von Fallersleben die notorischen Zeilen

Deutschland, Deutschland über alles,

Über alles in der Welt,

Wenn es stets zu Schutz und Trutze

Brüderlich zusammenhält,

Von der Maas bis an die Memel,

Von der Etsch bis an den Belt –

Deutschland, Deutschland über alles,

Über alles in der Welt!“

Diese erste Strophe war geprägt von der Stimmung des Vormärz (die zwei Jahrzehnte vor der Märzrevolution 1848). Deutschland, besser gesagt, der Deutsche Bund, wie das Konglomerat hieß, das aus Königreichen, (Groß)Herzogtümern Fürstentümern, (Land)Grafschaften und Hansestädten bestand, war ein Flickenteppich mit Dutzenden von Grenzen und Zollschranken. Die Sehnsucht nach einem einheitlichen Staat von der Etsch (Südtirol) bis an den Belt (Holstein/Dänemark) schlug sich in Fallerslebens Worten nieder. Es war die Sehnsucht nach einer eigenen Identität – das glatte Gegenteil dessen, was später die Nazis aus den schwärmerischen Zeilen machen sollten.

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Denn „über allem in der Welt“, da stand für Fallersleben und all jene, die später die Revolution von 1848 anstießen, ein einiges, ein einheitliches Staatsgebiet – verbunden in „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Der liberale Freigeist Fallersleben musste bitter büßen für seinen Wunsch nach Einigkeit und Freiheit. Ihm wurden erst seine Professur für Germanistik in Breslau samt Pensionsanspruch entzogen, dann die preußische Staatsbürgerschaft. 39-mal wurde er während seines Exils ausgewiesen, allein dreimal aus seiner Heimatstadt Fallersleben, bevor er 1848 amnestiert wurde.

Nationalsozialisten hängten ihr mörderischen Makel an

Das „Lied der Deutschen“ hat neben der im heutigen Deutschland einzig gesungenen dritten noch eine zweite Strophe. Sie schwärmt, ganz nationalromantisch, von den deutschen Frauen, dem deutschen Wein und dem deutschen Sang – und von deren guten Renommee im Rest der Welt, ganz friedlich und weltoffen. Die drei Strophen waren in der Weimarer Republik offizielle Nationalhymne. Zuvor, im Kaiserreich, gab es keine offizielle Hymne, jedoch wurde Haydn dennoch gespielt, in Gestalt der Kaiserhymne ...

Die Nationalsozialisten behielten die Hymne, sangen aber nur die erste Strophe, fast immer gemeinsam mit dem nazistischen „Horst-Wessel-Lied“, was Fallerslebens Dichtung nachhaltig verunglimpfte und ihr den mörderischen Makel anhängte, der Strophe eins und damit die ganze Hymne, bis heute begleitet.

„Das Lied der Deutschen“ in Hoffmanns Handschrift, hier die dritte Strophe. Quelle: Nachlass Hoffmann von Fallersleben

Nach der Nazidiktatur wurde das Deutschlandlied im Mai 1952 zur offiziellen Hymne der Bundesrepublik erklärt, ohne die verpönten ersten beiden Strophen zu streichen. Nach der Wiedervereinigung wurde nur die dritte Strophe zur Nationalhymne. Ob der Versuch der Bundesrepublik, die Hymne wieder in ihren ursprünglichen historischen Kontext zu bringen, indem man die „böse“ erste Strophe verbannte und nur noch die letzte singt, gelang, sei dahingestellt. Immerhin aber erfuhr dadurch Fallersleben eine späte Rehabilitierung. Und seine Dichtung lässt sich wieder so lesen, wie sie einst gemeint war; als eine Utopie von Solidarität und Gleichheit in einem selbst verwalteten, freien Land:

„Einigkeit und Recht und Freiheit

Für das deutsche Vaterland!

Danach lasst uns alle streben

Brüderlich mit Herz und Hand!

Einigkeit und Recht und Freiheit

Sind des Glückes Unterpfand –

Blüh’ im Glanze dieses Glückes,

Blühe, deutsches Vaterland!“

Von Daniel Killy/RND

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