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Wissen Forscher: „Menschen stehen nicht auf dem Speiseplan von Weißen Haien“
Nachrichten Wissen Forscher: „Menschen stehen nicht auf dem Speiseplan von Weißen Haien“
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17:59 08.04.2019
Weißer Hai mit einer an der Rückenflosse befestigten Kamera. Die Forscher haben das Tier mit einem Köder angelockt. Quelle: TK Chapple/Max-Planck-Gesellschaft
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Berlin

Der Soundtrack ist fast berühmter als der Film selbst: Wer John Williams’ Filmkomposition für „Der Weiße Hai“ hört, muss unweigerlich an den unersättlichen Killer der Meere denken. Dam, Dam Dam, Damdadam, Da – genau, schon droht Gefahr aus der Tiefe. Die Komposition, Filme und Bücher haben dazu beigetragen, dass der Weiße Hai als Symbol kollektiver Angst gilt.

Allerdings ist über das Jagdverhalten des stigmatisierten Bösewichts in der Realität kaum etwas bekannt. Ein internationales Team aus Wissenschaftlern, an dem auch deutsche Forscher von der Max-Planck-Gesellschaft beteiligt sind, hat jetzt Weiße Haie bei der Robbenjagd vor der Küste Südafrikas beobachtet.

Die mit Kameras und Sensoren aufgezeichneten Bewegungsmuster zeigten, dass die Tiere sich – entgegen bisheriger Annahmen – in Wälder aus Seetang wagen und dort Jagd auf Robben machen. Das Wissen, wie Weiße Haie auf ihre Beute reagieren und welche Rolle dabei ihre Umgebung spielt, soll künftig Unfälle mit Menschen vermeiden helfen.

Klemmkameras wurden an Rückenflossen angebracht

Bisher konnte die Jagd von Haien auf Beutetiere wie Robben oder Seeotter meist nur von der Wasseroberfläche aus beobachtet werden – was sich unter Wasser abspielte, blieb ihnen verborgen. Mithilfe neuer Unterwasserkameras und GPS-Sender lassen sich nun aber detaillierte Informationen über das Verhalten von Jäger und Beute sowie den Einfluss des Lebensraums gewinnen, schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe der „Biology Letters“.

Weißer Hai mit einer an der Rückenflosse befestigten Kamera. Die Forscher hatten das Tier mit einem Köder angelockt. Quelle: TK Chapple/Max-Planck-Gesellschaft

Für ihre Untersuchungen bestückten die Forscher Weiße Haie im Meeresschutzgebiet rund um Dyer Island vor der Küste Südafrikas mit Kameras und Sendern. Dafür lockten sie die bis zu fünf Meter langen Tiere mit Ködern an ihr Boot. Während die Haie sich über die Köder hermachten, brachten die Forscher mit Stangen kleine Klemmkameras an der Rückenflosse an.

Mit diesen Kameras und den integrierten Bewegungssensoren konnten sie aufzeichnen, in welchen Lebensräumen die Haie unterwegs sind und wo sie jagen. Den Forschern zufolge lösen sich die Kameras nach drei Tagen von der Rückenflosse und kommen an die Oberfläche, wo sie eingesammelt und ausgewertet werden.

Überraschende Ergebnisse: Haie jagen auch bei Tageslicht

Von den Ergebnissen war das Team selbst überrascht. So zeigten die Haie um Dyer Island, wo es viele Unterwasserwälder aus Seetang gibt, ein anderes Jagdverhalten als ihre Artgenossen in Gebieten ohne Tangwälder: „Sie jagen hier nicht nur wie sonst in der Dämmerung, sondern auch bei Tageslicht. Außerdem erscheinen sie seltener an der Wasseroberfläche“, so Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie, der an den Forschungen beteiligt war.

Bislang gingen die Forscher davon aus, dass die Unterwasserwälder für die Haie eine Barriere sind und Robben damit einen Zufluchtsort bieten. Die Auswertung der Unterwasservideos zeigte das Gegenteil: „Die Haie vor Dyer Island schwimmen sehr wohl in die Tangwälder hinein und machen dort Jagd auf Kap-Pelzrobben“, sagt Wikelski. Es könnte also sein, dass die Haie individuell und lokal unterschiedliche Jagdstrategien besitzen. „In diesem Fall wären unsere Ergebnisse der erste Nachweis für lokale Traditionen bei Fischen.“

Töten von Haien als Schutz vor Angriffen

Die extra entwickelten kleinen Kameras und Sensoren sind Teil des Icarus-Projekts unter Wikelskis Leitung. Mit Icarus wollen Wissenschaftler Tiere rund um den Globus auf ihren Wanderungen verfolgen. Mit diesen Daten können die Wissenschaftler beispielsweise die Verbreitung von Krankheiten durch Tiere oder den Klimawandel untersuchen. „Der erfolgreiche Einsatz dieser Kameras an den Haien zeigt, dass wir Icarus auch zur Erforschung der Wanderungen von Meerestieren nutzen können“, sagt Wikelski.

Denn auch in den Ozeanen schwindet die Biodiversität. Etliche Haiarten sind als gefährdet eingestuft, auch der Weiße Hai. Die Tiere verheddern sich etwa als Beifang in Fischernetzen oder werden gezielt gefangen, um ihnen bei lebendigem Leib die Rückenflosse abzuschneiden – die gilt in Asien als Delikatesse. In manchen Ländern ist auch das Töten einzelner Tiere zur Prävention vor Angriffen erlaubt. „Zum Schutz der Haie ist es deswegen wichtig, ihr Verhalten besser zu verstehen, um so die ungewollte Begegnung von Hai und Mensch möglichst zu vermeiden“, sagt Wikelski.

„Menschen stehen nicht auf dem Speiseplan von Haien“

Laut Umweltverband WWF sterben jedes Jahr bis zu 100 Millionen Haie aller Arten durch den Menschen. Demgegenüber werden weltweit etwa 100 Haiangriffe registriert, berichtet der WWF, etwa fünf bis zehn enden tödlich.

Haie mögen ohnehin keine Menschen: „Sie stehen definitiv nicht auf seiner Speisekarte“, sagt Haiforscher Jean Marie Ghislain, der seit vielen Jahren mit den Raubfischen taucht. „Wenn Haie Menschen angreifen, liegt ein Missverständnis vor: Sie denken, es wäre eine Robbe oder eine Riesenschildkröte – also gutes Futter.“

Die Wissenschaftler wollen die Haie nun über die gesamte Lebenszeit hinweg verfolgen, um noch mehr über das Verhalten der Tiere zu lernen, berichten die Max-Planck-Forscher.

Von Sonja Fröhlich/RND

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