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Wissen Schwammspinner: Wie gefährlich ist die giftige Raupe und wie bekämpft man sie?
Nachrichten Wissen Schwammspinner: Wie gefährlich ist die giftige Raupe und wie bekämpft man sie?
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10:42 21.06.2019
Die älteren Raupen des Schwammspinners sind leicht an den rot und blau gefärbten Warzen auf dem Rücken zu erkennen. Quelle: Eileen Kumpf - stock.adobe.com
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Hannover

Kahle Äste und abgefressene Wipfel – Schwammspinner (Lymantria dispar) machen keine halbe Sachen. Bei einem Befall der kleinen pelzigen Raupen kommt es zu apokalyptischen Bildern in den Wäldern und auch in Ortschaften. Wir erklären, ob die kleinen Raupen gefährlich sind und was man bei einem Befall tun kann.

Schwammspinner: Wie erkennt man den Schwammspinner?

Der Schwammspinner ist ein unauffällig gefärbter Schmetterling aus der Familie der Trägspinner (Lymantriidae). Die Weibchen sind mit einer Flügelspannweite von fünf bis acht Zentimetern deutlich größer als die Männchen, die nur eine Flügelspannweite von 3,5 bis fünf Zentimetern aufweisen. Die Grundfärbung der Flügel reicht von cremeweiß bis gelblich-weißlich. Die Männchen haben in der Regel grau-braune Flügel mit schwarzen Querstreifen.

Die frisch geschlüpften Schwammspinner-Raupen sind schwarz mit langer Behaarung. Die älteren Raupen sind an ihren rot und blau gefärbten Warzen auf dem Rücken zu erkennen. Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln die Raupen des Schwammspinners Brennhaare, die beim Menschen allergische Reaktionen auslösen können. Die weiblichen Raupen erreichen eine Länge von sechs bis acht Zentimetern. Die männlichen Raupen bleiben mit vier bis fünf Zentimetern deutlich kleiner.

Schwammspinner: Wo kommen die Schwammspinner vor?

Auffällig sind die langen Antennen der männlichen Schwammspinner (Lymantria dispar). Quelle: Tim's insects - stock.adobe.com

Der Schadschmetterling tritt häufig an Alleebäumen, in stadtnahen Wäldern oder in Parks auf. Eine trockene und warme Witterung in den Monaten April bis Juni begünstigt die Entwicklung des Schwammspinners, so das Institut für Schädlingskunde in Reinheim. Die Schwammspinner-Raupen gedeihen an zahlreichen Wirtspflanzenarten. Bevorzugten Futterpflanzen sind Stieleiche, Traubeneiche, Roteiche, Hainbuche, Rotbuche und Esskastanie. Auch vor Obstbäumen und verschiedenen anderen Laubbäumen machen die Raupen nicht Halt. Bei starkem Befall können die befallenen Bäume komplett kahl gefressen werden. In diesem Fall fressen die Larven selbst Nadelbäume und grasartige Pflanzen in der Krautschicht.

Die Flugzeit des Schwammspinners liegt in Mitteleuropa in der Regel zwischen Juli und Ende September. Die weiblichen Schwammspinner werden meist noch an dem Tag begattet, an dem sie aus der Puppenhülle geschlüpft sind. Nur wenige Stunden nach der Paarung legen die Weibchen zwischen 100 und 1.000 Eier in einem einzelnen Eigelege bevorzugt auf der Südseite von starken Ästen ab. Dann werden die Gelege der Eier mit der sogenannten Afterwolle (gelbbraun bis braun) getarnt. Die Eiablage dauert circa eine Woche. Danach stirbt das Weibchen. Die Eientwicklung beginnt direkt im Anschluss an die Eiablage und ist bereits nach drei bis vier Wochen abgeschlossen.

Wie gefährlich ist der Schwammspinner für Mensch und Wälder?

Der Schwammspinner macht mit Wäldern kurzen Prozess. Jede einzelne Raupen des Schwammspinners kann bis zur Verpuppung einen Quadratmeter Blattwerk vertilgen. Quelle: bennytrapp - stock.adobe

Laut der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) ist der Schwammspinner mehr als nur ein Forstschädling. Bei seinem Auftreten kann er nicht nur große Teile von Waldflächen – bis zu einem kompletten Absterben der Bäume – schädigen, sondern stellt auch ein Problem für den Menschen dar. Eine Raupenplage kann zu einer regelrechten Belästigung für den Menschen werden. Die hyperaktiven Tiere breiten sich auf der Suche nach Nahrung auch in Privatgärten aus und machen auch vor offenen Türen und Fenstern nicht Halt. Wenn empfindliche Menschen mit den Raupenhaaren in Berührung kommen, kann es zu starken Hautreizungen, allergischen Reaktionen und sogar Atemnot kommen.

Woran erkennt man einen Befall des Schwammspinners?

„Das Weibchen legt seine 300 bis 500 Eier, oftmals bis zu 1000, in große bräunliche, aus Schleim und Afterwolle bestehende Schwämme“, so George Hüttig von der Firma Der Puschmann GmbH. Diese nennt man auch Eispiegel oder Eischwämme. Durch die Haare, die vom Körper des Weibchens stammen, sind die Eier vor Kälte geschützt und vor Räubern verborgen. Diese kittet sie an Baumstämme und an Zäune. Da diese Gelege aussehen, wie braune Schwämme, hat der Schwammspinner seinen Namen erhalten.

Natürliche Feinde des Schwammspinners

Die natürlichen Feindes des Schwammspinner können laut WSL oftmals dazu beitragen, dass eine Massenvermehrung auf natürliche Weise zu Ende geht. Natürliche Feinde sind: Brackwespen, Raupenfliegen, Große Puppenräuber, Baumwanzen, Ameisen, Weichkäfer, Eidechsen, Vögel oder Mäuse. Natürliche Krankheitserreger wie Viren, Bakterien oder Pilze können ebenfalls für eine natürlich Regulation sorgen.

Wie können Schwammspinner bekämpft werden?

Die Raupen der Schwammspinner schlüpfen im Frühling mit dem Blattaustrieb und beginnen sofort zu fressen. Die kleinen Raupen werden mit Hilfe langer Schwebhaare oft kilometerweit mit dem Wind verfrachtet. Quelle: picture alliance / Arco Images

Gegen den Schwammspinner können verschiedene Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, so das Institut für Schädlingskunde in Reinheim. Eines der eingesetzten Präparate ist Dipel ES, das weder für den Anwender, noch für die Umwelt schädlich ist, da es sich um ein natürliches Insektizid handelt. Es wirkt sehr selektiv auf bestimmte Schadorganismen, so Schädlings-Experte Martin Felke. „Übrigens sollten alle Fraßgifte und flüssige Suspensionen möglichst frühzeitig ausgebracht werden, um bereits die Junglarven des Schwammspinners zu bekämpfen“, so Felke.

Schwammspinner-Plage: Hat das mit dem Klimawandel zu tun?

„Die Tiere benötigen grundsätzlich hohe Temperaturen, wie wir sie durch den Klimawandel zunehmend erleben“, so Hüttig. Eine warme und vor allem trockene Witterung in den Monaten April bis Juni begünstige die Entwicklung des Schwammspinners. „Wie alle Massenvermehrungen von Tieren treten diese von Zeit zu Zeit auf. Milde Winter und die zurzeit vorherrschenden sehr heißen Trockenperioden begünstigen die Population. Die fertig entwickelten Jungraupen überwintern in den Eigelegen und sind gegenüber Kälte weitgehend unempfindlich. Sie vertragen sogar Temperaturen, die deutlich unter dem Gefrierpunkt liegen.“

Unterschied: Eichenprozessionsspinner und Schwammspinner?

„Der Hauptunterschied beider Raupen besteht in der Nahrungsaufnahme“, so George Hüttig. Der Eichenprozessionsspinner hat es ausschließlich auf Eichen abgesehen. Der Schwammspinner kann sich von rund 400 Futterpflanzenarten ernähren.

Für den Menschen sind beide Raupen gefährlich. Da sie durch ihre Brennhaare Nesselgifte erzeugen, die allergische Reaktionen auslösen können. Die Reaktionen auf die Brennhaare der Eichenprozessionsspinner können aber bei durch Krankheit vorbelasteten Personen, Kindern und älteren Menschen massive gesundheitliche Reaktionen auslösen. Besonders prekär ist dabei die langanhaltende Wirkung der sogenannten Brennhaare. Auch nach einigen Jahren können sie ihre giftige Wirkung entfalten und großen Schaden anrichten.

Lesen Sie hier:
Eichenprozessionsspinner 2019: Warum sind sie so gefährlich und wie erkennt man sie?

Auch die Eigelege des Schwammspinners, die mit Haaren der Weibchen zum Schutz überzogen sind, sollten nicht mit bloßen Händen berührt werden, so Felke vom Institut für Schädlingskunde.

Von RND/js

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