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Wissen Sexsucht: Wenn die Lust zur Last wird
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12:00 31.05.2019
Sexsucht zeichnet sich unter anderem durch einen unkontrollierten und übermäßig hohem Pornokonsum aus. Quelle: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbil
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Hannover

Eine Sucht wird meistens mit Drogen wie Alkohol und Nikotin in Verbindung gebracht, jedoch können nicht nur Rauschmittel süchtig machen. Seit 2018 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) „zwanghaftes Sexualverhalten“ als psychische Störung anerkannt. Die Rede ist von Sexsucht. In Deutschland leben geschätzt eine halbe Million Sex- und Pornosüchtige. Betroffenen wird der Drang nach sexueller Befriedigung zur Last, sie können ihre Impulse kaum noch unter Kontrolle halten.

Was ist Sexsucht überhaupt?

In der Medizin ist seltener von Sexsucht, als von „Hypersexualität“ die Rede. Gemeint ist ein problematisches Sexualverhalten, bei der die Betroffenen typische Anzeichen einer Sucht aufweisen, schreibt die Heilpraktikerin für Psychotherapie Ilona von Serényi auf ihrer Homepage. Für Betroffene ist der Drang nach Sex häufig so groß, dass sie Pflichten und andere Interessen vernachlässigen. Die sexuellen Triebe geraten außer Kontrolle und müssen ständig zwanghaft befriedigt werden. Nicht selten führt Sexsucht auch zu Problemen in der Beziehung und Ehe. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine „substanzgebundene Sucht“, da Sex beispielsweise nicht zu physischen Entzugssymptomen führt. Sexsucht wird daher eher als fehlende Impulskontrolle oder Zwangsverhalten bezeichnet.

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Wie bekommt man eine Sexsucht?

Es wird davon ausgegangen, dass es meist nicht nur einen, sondern mehrere Ursachen für eine Hypersexualität gibt. Für die Münchner Neurologin und Psychotherapeutin Heike Melzer hängt das Problem auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen: „Heute ist das, was früher Hardcore war, Blümchensex. Voyeurismus, Fetischismus, Exhibitionismus – das ist mittlerweile Kulturgut.“

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Eine große Rolle spielt dabei das Internet: Im Web sind Pornos jederzeit einfach, schnell und kostenlos verfügbar. In dieser Überflutung von pornografischem Material verlieren sich Betroffene schnell und suchen immer nach neuen Videos und Bildern. Zudem wird vermutet, dass Sexsüchtige mit Sex innere Leere, Langeweile oder Unzufriedenheit kompensieren möchte. „Der typisch Kranke konsumiert, um schlechte Gefühle wegzubekommen“, sagt Melzer.

Woran erkenne ich, dass ich sexsüchtig bin?

Sexsucht zeichnet sich laut Expertin von Serényi vor allem durch drei Merkmale aus: Überdurchschnittlich häufige Selbstbefriedigung, Überdurchschnittlich hoher Pornokonsum sowie ein häufiger und zwanghafter Partnerwechsel. Treten solche Verhaltensmuster auf, heißt das noch nicht, dass der Betroffene sexsüchtig ist. Die Wahrscheinlichkeit einer Sexsucht ist allerdings sehr hoch, wenn alle drei Symptome zusammenkommen. Wenn diese intensiven, wiederkehrenden Sexualimpulse über sechs Monate nicht unter Kontrolle gebracht werden können und dies das Familien- oder Arbeitsleben oder das Sozialverhalten beeinträchtigt, ist laut Definition der WHO die Diagnose angebracht.

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Hypersexualität weist dabei einige Ähnlichkeiten zu klassischen Süchten auf: „Wie bei anderen Süchten gehört dazu eine obsessive Beschäftigung mit dem Suchtmittel, in diesem Fall mit sexuellen Fantasien, und/oder die Anbahnung von vorwiegend unverbindlichen oder käuflichen sexuellen Kontakten“, sagt Psychotherapeutin Melzer. Damit gehe eine Toleranzentwicklung und Dosissteigerung einher. Bei der Suche nach Pornos werde beispielsweise nach immer härterem Material und jüngeren Darstellern gesucht.

Ein wesentliches Symptom einer Sexsucht ist der Kontrollverlust über die eigenen sexuellen Impulse: Oft kann eine Sucht negative Konsequenzen in der Partnerschaft oder dem Job haben, wenn das Suchtverhalten den Alltag beherrscht und es für Betroffene zu schwierig ist, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Trotz dieser Probleme können Sexsüchtige ihr Verhalten meist nicht mehr stoppen. „Versprechen werden gebrochen und das eigene Verhalten verharmlost“, betont Melzer.

Betrifft Sexsucht eher Männer als Frauen?

Schätzungen zufolge sind neun von zehn der Betroffenen männlich, so Expertin Melzer. Forscher der University of Minnesota in den USA berichteten jedoch, dass unter den Sexsüchtigen mehr Frauen als gedacht betroffen sind: Bei einer Befragung, die im Fachblatt „JAMA Network Open“ veröffentlicht wurde, wurden mehr als 2325 Männer und Frauen zu ihrem Sexualverhalten befragt.

Die Teilnehmer sollten angeben, wie häufig sie das Gefühl hatten, keine Kontrolle über ihre Lust und Gefühle zu haben. Zudem sollten die Befragten darüber Auskunft geben, wie oft sie mehr Sex hatten oder öfter masturbiert hatten, als sie eigentlich wollten. Das Ergebnis: Zehn Prozent der Männer und sieben Prozent der Frauen waren unzufrieden mit ihrer Kontrolle über ihr Sexualverhalten. Demnach sei der Unterschied zwischen diesen beiden Geschlechtern deutlich kleiner, als vermutet. Laut den Forschen sei eine mögliche Erklärung, dass sich der Anteil an Frauen mit einer Sexsucht aufgrund der gestiegenen sexuellen Selbstbestimmung erhöht habe.

Diagnose Sexsucht: Was hilft?

Eine Psychotherapie kann dabei helfen, krankhafte Verhaltensmuster zu durchbrechen. „Ich baue Betroffene erstmal auf, stärke ihr Selbstbewusstsein, fördere Offenheit und Vertrauen“, sagt Sexualtherapeutin Melzer. Sexsüchtige sollen dabei lernen, wie ihr Belohnungssystem funktioniert und wie sie durch Überkonsum abstumpfen. Zudem werden mögliche Trigger oder dahinterliegende Gefühlen analysiert.

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Sexsüchtige können aber erst dann erfolgreich therapiert werden, wenn sie sich ihrer Sucht bewusst sind und sie gewillt sind, sie zu behandeln und loszuwerden, betont die Heilpraktikerin von Serény. Der reine Wille zur Veränderung und klassische Verhaltenstherapien helfen laut Melzer allerdings nur begrenzt: „Betroffene sind oft isoliert, der Besuch von Selbsthilfegruppen kann sehr unterstützend sein“.

Von RND/bk/dpa

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