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Nachrichten Wissen Bedrohung für Wale: Krach von Industrie wirkt 2000 Kilometer weit
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14:31 24.04.2019
Durch Lärm gefährdet: Ein Buckelwal beim Abtauchen. Quelle: reisegraf - stock.adobe.com
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Berlin

Wale leiden unter dem zunehmenden Lärm im Meer. Ein großes Problem sind sogenannte Airguns, die bei der Suche nach Öl- und Gasvorräten unter Wasser eingesetzt werden. Die Geräte werden hinter Schiffen hergezogen und senden alle zehn Sekunden Schallwellen aus, die kilometerweit in den Meeresboden eindringen und von Öl- und Gasfeldern reflektiert und zurückgeworfen werden. Durch diese Technik wird eine geologische Karte des Meeresbodens erstellt. Der Schall ist dabei 100.000 Mal so laut wie ein Düsenjet. Schon vor fünf Jahren hatte das Umweltbundesamt (Uba) bei einer Untersuchung festgestellt, dass die Schallwellen die Kommunikation von Meeressäugern noch in 2000 Kilometer Entfernung stören kann.

Zum internationalen Tag gegen Lärm am 24. April warnt nun der Umweltverband WWF davor, dass Unterwasserlärm zunehmend auch in die Arktis vordringt – und ein wachsendes Problem für Meeresbewohner wie Wale darstellt. „Denn wo früher Eis den Weg blockierte, werden durch die Klimakrise nun auch entlegene Gebiete für den Schiffsverkehr zugänglich“, heißt es von dem Verband. Der Lärm von Schiffspropellern und seismischen Explosionen zur Suche nach Öl- und Gasvorkommen übertöne die Gesänge der Wale und störe so ihre Orientierung.

„So laut wie ein startendes Flugzeug am Ohr“

Für die feinen Ohren eines Wals sei eine seismische Explosion beim Bohren nach Erdöl und Erdgas so laut wie für uns ein startendes Flugzeug, wenn man direkt daneben stehe. „Anders als Flughafenmitarbeiter können Wale sich aber nicht gegen den Lärm schützen“, erklärt Heike Vesper, Leiterin Meeresschutz beim WWF Deutschland. Auch die wachsende Anzahl von Schiffsmotoren bereitet den Tieren Schwierigkeiten.

Der ständige Lärm stresse die Tiere und mache sie krank. „Je lauter es ist, desto schwerer ist es für sie, sich mit ihren Artgenossen zu verständigen“, so Vesper. Werden Walgesänge von Schiffsmotoren übertönt, haben Walmütter Schwierigkeiten, ihre Kinder zu finden. Auch die Futtersuche wird schwieriger, je lauter es unter Wasser ist. „Denn der Lärm beeinträchtigt die Echolotung der Wale auf der Suche nach Fischen“, sagt Vesper. Ohne Lärm können sich manche Arten über eine Entfernung von bis zu 2000 Kilometern mit ihren Artgenossen verständigen. Der WWF hat eine Petition an die arktischen Staaten verfasst, die Anfang Mai beim Arktischen Rat zusammenkommen.

„So schlimme Hörschäden, dass sie direkt sterben“

„Die Arktis war für viele Tiere über Jahrhunderte idealer Lebensraum. Gefährdete Arten wie Narwal und Beluga leben genau dort, wo künftig Schiffsrouten verlaufen könnten. Zu ihrem Wohl braucht es dringend besseren Schutz gegen Lärm. Insbesondere die arktischen Anrainerstaaten sind gefragt, das Problem frühzeitig anzugehen“, fordert WWF-Expertin Vesper.

Laut der Organisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) können die Schallwellen bei Walen und Delfinen starke innere Verletzungen hervorrufen. Sie führten unter anderem zu Gehörschäden und Taubheit, was einem verzögerten Todesurteil für die akustisch sensiblen Tiere gleichkäme. Manche Meeressäuger erleiden so starke Verletzungen, schreibt die WDC, dass sie direkt sterben.

Arktis steht wegen Erhitzung unter enormen Druck

Die Arktis steht durch die Erderhitzung ohnehin unter enormem Druck. Die Region erwärmt sich doppelt so schnell wie der Rest der Welt. Seit 1990 habe sich die Durchschnittstemperatur in Grönland im Sommer um 1,8 Grad Celsius erhöht, im Winter sogar um 3 Grad, berichtet das Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.

Schon binnen weniger Jahre könnte die Arktis im Sommer eisfrei sein, haben Studien ergeben. Dies führt zu schwerwiegenden Folgen sowohl für die arktischen Meeresbewohner und die Gemeinden der angrenzenden Küsten als auch für die gesamte Welt. „Schon jetzt sind die Industrieinteressen in der Region sehr stark. Bevor die Region überrannt wird, müssen die potenziellen Schäden etwa durch den steigenden Lärmpegel gemeinsam reguliert werden“, appelliert Vesper vom WWF.

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Von Sonja Fröhlich/RND

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