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17:00 18.12.2018
In der dunklen Jahreszeit sind viele Menschen schlecht gelaunt und antriebslos. Quelle: gpointstudio - Fotolia
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Hannover

Es ist noch dunkel, wenn der Wecker klingelt - und am Nachmittag dämmert es schon wieder. Da schlägt oft die winterliche Niedergeschlagenheit zu. Im Winter, der lichtarmen Jahreszeit, wird zu wenig Serotonin ausgeschüttet. Das kann zu depressiven Verstimmungen führen. Einfach hinnehmen muss man die miese Laune aber nicht. Mit diesen Tipps kommen Sie gut durch die dunkle Jahreszeit.

Licht gegen Winterdepression

„Licht ist entscheidend für unsere Stimmung“, erklärt Professorin Kneginja Richter, Leiterin der Schlafambulanz an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg. „Es sorgt für die Freisetzung verschiedener Hormone, die über unsere Gefühlslage entscheiden.“ Wer tagsüber nicht genug helles Licht aufnimmt, kann als Folge unangenehme Symptome spüren. „Viele Menschen fühlen sich müde und antriebslos, grundsätzlich ist die Stimmung gedrückt“, sagt Richter. Wie sehr jemand darauf reagiert, ist individuell unterschiedlich. „Besonders stark betroffen können nachtaktive Personen sein, die bis spät in die Nacht unterwegs sind und am nächsten Vormittag lange schlafen, wodurch sie helle Stunden verpassen“, erläutert die Expertin. Helfen kann auch eine Lichttherapie. Eine spezielle Lampe, die sehr starkes und helles Licht abgibt, soll das trübe Gefühl vertreiben. „Den besten Effekt hat die Lichttherapie, wenn man sie direkt nach dem Aufwachen durchführt“, sagt Kneginja Richter. „Es ist aber auch möglich, die Lampe am Arbeitsplatz einzuschalten, am besten 60 Minuten täglich.“ Einige Krankenhäuser, die Lichttherapien anbieten, verleihen die Geräte, man kann sie aber auch kaufen. „Wenn man das jeden Tag mit einer Lampe in guter Qualität macht, dann spürt man schnell, wie das Licht Energieniveau und Stimmung hebt“, sagt Richter.

Ab an die frische Luft: Aktiv gegen den Winterblues

Eine Alternative zur Lichttherapie: Mehr Zeit an der frischen Luft – und im Tageslicht – verbringen. „Eine gute Möglichkeit wäre es, öfter mal das Auto stehen zu lassen und mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren“, sagt die Heilpraktikerin Hannah Friedl aus Hamburg. „Wenn der Weg zu lang ist, könnte man auch die Mittagspause für einen kleinen Spaziergang nutzen. Mit etwas Fantasie lassen sich kleine Veränderungen finden, die alleine schon wohltuend sind.“ Auch Sport motiviert: „Joggen in der Natur ist optimal, aber auch Indoor Sport ist empfehlenswert“, sagt Friedl.

Richtige Ernährung hebt Stimmung

„In dieser Zeit helfen Lebensmittel, die den Körper nicht noch zusätzlich belasten und träge machen“, rät sie. Sie empfiehlt Bananen, Ananas, Datteln, Feigen, Avocados, Nüsse, Haferflocken, Fisch, Sojabohnen, ungeschälten Reis und – in Maßen – dunkle Schokolade. „Auch Gewürze, die uns innerlich sozusagen aufheizen, helfen unserem etwas wintermüden Stoffwechsel“, sagt Friedl. Zum Beispiel können Ingwer, Chili, Pfeffer und Zimt den Organismus in Schwung bringen.

Fröhliche Farben und Blumen erinnern an Sommer

Ausschlaggebend ist mitunter auch die eigene Herangehensweise an Herbst und Winter. „Hilfreich ist es, eine positive Einstellung zur Jahreszeit zu finden“, sagt Friedl. „Gehe ich schon mit Widerwillen und Angst in die Winterzeit, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich eben das einstellt, was ich befürchte“, gibt die Heilpraktikerin zu Bedenken. Jeder könne die dunklen Monate selbst schön gestalten und sich in dieser Zeit verwöhnen: durch fröhliche Farben, Lieblingsmusik, Massagen oder auch Düfte und Blumen, die an den Sommer erinnern.

Anzeichen und Symptome einer Winterdepression?

Die meisten Depressionen im Winter sind keine Winterdepressionen“, sagt Professor Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Größtenteils handelt es sich um klassische Depressionen, die im Winter auftreten.“ Die Winterdepression dagegen ist eine „Saisonal Abhängige Depression“ – eine Unterform der Erkrankung, die neben dem Zusammenhang zur Jahreszeit spezifische Merkmale hat: „Meistens kommt es statt Appetitmangel und Gewichtsverlust eher zu vermehrtem Appetit“, sagt Hegerl. „Außerdem leiden die Betroffenen hierbei nicht unter Ein- und Durchschlafstörungen. Sie schlafen eher mehr als sonst.“ Doch nicht alle Menschen, die im Winter diese Symptome spüren, haben eine Winterdepression. Anzeichen dafür können sein, dass sich die Betroffenen an nichts mehr erfreuen können, ihnen alles schwerfällt oder sie permanent erschöpft sind.

Oft wird das begleitet von Schuldgefühlen, Hoffnungslosigkeit und schlimmstenfalls Suizidgedanken. Treten solche Symptome bei einem selbst oder bei Angehörigen auf, kann der Hausarzt oder in Notfällen ein Krankenhaus Hilfe leisten. Es gibt auch ein deutschlandweites Info-Telefon zum Thema Depression.

Handelt es sich hingegen um einen Winterblues, hilft ein Blick auf mögliche Ursachen. Neben dem Lichtmangel kommen verschiedene andere Gründe für die gedrückte Stimmung infrage: „Im Winter sind viele Menschen etwas melancholischer. Sie verbringen vielleicht mehr Zeit zu Hause und sind weniger durch Äußeres abgelenkt“, sagt Hegerl. „Vielleicht lassen sie das Jahr Revue passieren und sind nachdenklicher.“ Dem Experten zufolge kann es die negativen Gefühle auch verstärken, wenn man zu lange schläft oder zu viel Zeit im Bett verbringt. „Das macht viele Menschen träge und drückt auf die Stimmung“, sagt Hegerl.

Um den Winterblues zu vertreiben, könne es auch helfen, den Wecker besonders früh zu stellen – auch wenn es angesichts von Trägheit und Antriebslosigkeit auf den ersten Blick paradox erscheinen mag.

Von RND

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