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19:00 29.03.2019
Wenn ein geliebter Mensch stirbt, gibt es Wege mit der Trauer umzugehen. Quelle: Pixabay (Symbolbild)
Hamburg

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, hinterlässt er im Leben anderer nicht selten eine große Lücke. Überall holen einen plötzlich Erinnerungen ein: beim Gang ins gemeinsame Lieblingscafé, beim Hören eines bestimmtes Liedes, beim Spaziergang im Grünen. Wie geht man mit der Trauer im Alltag um? Tatsächlich gibt es Wege, mit dem Verlust umzugehen. Am wichtigsten dabei sei es, die eigene Trauer zuzulassen und sie mit anderen zu teilen, sagt Marianne Bevier vom Bundesverband Trauerbegleitung (BVT). Eine Grundschwierigkeit gibt es dabei: „Man kann sich auf den Tod vorbereiten, aber man kann sich schwer auf Trauer vorbereiten“, räumt Bevier ein. Zwar sei es hilfreich, wenn Menschen sich verabschieden und Dinge regeln könnten. „Aber die Trauer kommt, wie sie kommt, und das können wir nicht planen.“

Nach dem Tod: Eine Beziehung kann fortbestehen

Besonders schwer sei es, den Tod eines Menschen zu realisieren, wenn er plötzlich, also ohne etwa eine längere Krankheitsgeschichte, eingetreten sei: „Dann brauche ich eine Zeit lang, um zu spüren, wahrzunehmen, dass der andere Mensch nicht mehr da ist. Ich kann es wortwörtlich nicht begreifen, weil ich nicht dabei war“, bringt es Bevier auf den Punkt. Es gebe ihrer Ansicht nach zwei Möglichkeiten, damit fertig zu werden: „Der eine Weg geht über die Sinne, deshalb ist es gut, wenn es einen Abschied vom toten Körper gibt. Der zweite Weg des Realisierens geht über die Sprache – indem wir erzählen, was geschehen ist, können wir es begreifen.“

Klaus Onnasch, Pastor im Ruhestand und Mitglied der Fachgruppe Trauer im Deutschen Hospiz- und Palliativverband (DHPV), ist der festen Überzeugung, dass es auch andere Menschen braucht, um so trauern zu können, dass es bei der Verarbeitung des Verlusts hilft.

Weg aus der Trauer: Die Lücke spüren

Trauer sei von vornherein auf Mitteilung angelegt. Zwar gebe es Zeiten, in denen es wichtig sei, sich zurückzuziehen. „Aber es ist sehr erleichternd, sich in seiner Trauer anderen mitzuteilen. Ich bin nicht allein in dem Schmerz, ich kann ihn teilen und indem ich über ihn spreche, wird mir vieles klarer. Das ist auch der Sinn von Trauergruppen“, unterstreicht Onnasch.

Gerade, wenn ein Partner oder ein enger Freund gestorben ist, mit dem man viel Zeit verbracht hat, fällt es schwer den Alltag neu zu gestalten. „Wichtig dabei ist, nicht einfach darüber hinwegzugehen, dass etwas fehlt, sondern die Lücke zu spüren und wahrzunehmen, was der Mensch einem bedeutet hat“, rät Marianne Bevier. Dabei gehe es darum zu lernen, damit umzugehen, dass dieser Mensch nun nicht mehr da sei. War der Partner etwa immer für bestimmte Dinge verantwortlich, müssen diese Sachen nun selbst erledigt werden.

Oft sind es Kleinigkeiten im Alltag, die dazu führen, dass einen die Trauer förmlich überwältigt. Klaus Onnasch empfiehlt, in solchen Situationen innezuhalten: „Ich kann mir eine Kerze anzünden, ich kann mir selbst einen Blumenstrauß kaufen und auf den Tisch stellen. Ich kann mir ein Bild der verstorbenen Person ansehen oder ein Foto, auf dem wir beide zusammen zu sehen sind.“ Wichtig seien auch meditative Elemente wie bewusstes Atmen, um innerlich zur Ruhe zu kommen.

Erinnerung an Verstorbenen kommt in Träumen wieder

Die Verbindung zu einem geliebten Menschen ist Onnasch zufolge keineswegs mit dem Tod zerstört: „Man geht heute in der Trauerbegleitung davon aus, dass es Beziehungen gibt, die bleiben – und dass es auch wichtig ist, diese Beziehungen zu pflegen“, sagt der ehemalige Pastor. Viele Erinnerungen kämen in Träumen wieder. „Die kann ich aufzeichnen, in einem Traumtagebuch oder in einem Begegnungstagebuch.“ Von manchen Menschen weiß der Seelsorger, dass sie bestimmte Erlebnisse mit dem Verstorbenen verbinden, ein Schmetterling, der ihnen nachgeflogen sei, oder ein bestimmter Vogel, der auf dem Grab des Verstorbenen sitze. „Es gibt auch die Möglichkeit, mit dem Verstorbenen zu sprechen“, sagt Onnasch. „So, wie wir auch zu Lebzeiten oft sehr genau fühlen und wissen, was der Partner sagen will oder dass man sich gegenseitig ergänzt, ist das auch über den Tod hinaus möglich. Erfahrbar wird dann ein weiter Raum, der von vielen als Gottes Ewigkeit bezeichnet wird.“

Marianne Bevier hält es zudem für wichtig, einen Ort zu haben, an dem Betroffene mit der verstorbenen Person in Beziehung sein können. „Das kann ein Grab sein, ein Foto, ein Ort, wo wir uns miteinander wohlgefühlt haben. Aber das kann auch ein Ort in einem selbst sein“, erläutert die Theologin. „Es gibt Trauernde, die sagen: ‚Ich brauche keinen Friedhof, ich brauche kein Grab, ich trage ihn immer mit mir.‘“

Während Frauen beim Trauern eher Gefühle zeigten, indem sie weinen oder in Erinnerung an ein gemeinsames Erlebnis auch mal lächelnd in die Vergangenheit blicken, helfe es Männern, aktiv zu sein, etwa indem sie ein Fotoalbum erstellen oder Musik machen, sagt Bevier.

Für die Menschen im Umfeld des Trauernden ist es oftmals nicht leicht, Trost zu spenden. Manch einer ist verunsichert, wie er damit umgehen soll. Doch es sind vor allem die kleinen Gesten, die helfen können: „Zuhören, nicht werten, Geduld haben“, rät Marianne Bevier. „Letztendlich trauert jeder so, wie er es für richtig hält und wie es seiner Lebensgeschichte entspricht.“ Ein normaler Trauerprozess dauere zwischen drei und sieben Jahren. Wer dann auch einmal keine Kraft habe zuzuhören, solle das ehrlich sagen. „Aber zu sagen, jetzt ist mal gut, damit erreicht man nur, dass sich Trauernde verschließen und sich der Trauerprozess noch verlängert.“

Was tun nach der Beisetzung?

Wer trauert, wünscht sich oft Anteilnahme – aber manchmal kann sie auch zu viel werden. Etwa, wenn es darum geht, wer alles im Anschluss an Trauerfeier und Beisetzung mit zum Trauermahl kommt – und wer nicht beim Leichenschmaus dabei ist.

Wenn sich Familienmitglieder nach der Abschiedszeremonie gern noch im kleinsten Kreis in ein Restaurant zurückziehen möchten, kann es schwerfallen, sich von wohlmeinenden entfernten Verwandten oder Bekannten abzugrenzen. Da kann es sinnvoll sein, einen Helfer zu organisieren, empfiehlt Elisabeth Bonneau, Kommunikationsexpertin aus Freiburg: „Jemand, der sich dann tatsächlich schützend zwischen die Trauergäste und die Familie stellt und sagt: ‚Bitte respektiert ihre Wünsche.‘“ Das könne jemand aus der mittelnahen Familie sein, aber auch jemand vom Beerdigungsinstitut.

Die Trauerzeit ist individuell

Die Weltgesundheitsorganisation plant, im Mai dieses Jahres die „anhaltende Trauerstörung“ als eigenständiges Krankheitsbild in die Liste von Krankheiten und Gesundheitsproblemen aufzunehmen. Dagegen sprechen sich international mehrere Verbände aus. „Das Krankheitsbild der anhaltenden Trauerstörung zerstört das Verständnis von Trauer und Trauerkultur, das der Trauer eine heilende Kraft zuschreibt“, meint Onnasch. Trauer werde zu einer Krankheit, die Diagnose sei bereits sechs Monate nach dem Verlust möglich. Die Trauerzeit sei aber individuell und dürfe nicht normiert werden, kritisiert Onnasch. Nicht die Trauer mache krank: „Es gibt Belastungen, die durch einen Verlust besonders geprägt werden. Es ist also die Verlustsituation, die eine Störung mit sich bringen kann – nicht die Trauer als solche.“

Von RND / Alena Hecker

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