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Wissen Narkosemittel Propofol könnte Trauma-Patienten helfen
Nachrichten Wissen Narkosemittel Propofol könnte Trauma-Patienten helfen
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13:53 27.03.2019
Wenn Erinnerungslücken positiv und heilend sind: Propofol lässt negative Erinnerungen verblassen. Quelle: Fabian Sommer/dpa
Madrid

Das Narkosemittel Propofol könnte einer Studie zufolge Menschen beim Bewältigen traumatischer Erlebnisse helfen. Mit der Substanz ließen sich gezielt negative Erinnerungen mindern, berichten US-Forscher im Fachmagazin „Science Advances“. Menschen können sich demnach schlechter an Dinge erinnern, wenn sie sich die entsprechende Episode ins Gedächtnis gerufen und dann das Narkosemittel bekommen hatten.

Erinnerungen könnten weniger belasten

Möglicherweise werde der Effekt über die Hirnareale Amygdala und Hippocampus vermittelt, die mit Erinnerungen verknüpfte Gefühle abspeichern, schreiben die Forscher. Einen möglichen Ansatz sehen sie bei der Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS). Auch andere Substanzen wurden dafür getestet, zumeist erst in Tierversuchen. Propofol ist ein häufig genutztes Narkosemittel, mit Suchtpotenzial.

Dennoch, die Ergebnisse ihrer Versuche weisen den Forschern zufolge darauf hin, dass der Einsatz von Propofol eine effektive Methode sein könnte, die Auswirkungen traumatischer Ereignisse zu reduzieren. Die Erinnerung würde zwar nicht gelöscht, aber als weniger belastend empfunden.

Je länger Propofol wirkt, desto schwächer ist die Erinnerung

Das Team um Ana Galarza Vallejo und Bryan Strange von der Polytechnischen Universität Madrid hatte 50 psychisch gesunde Probanden zunächst zwei, mit negativen Emotionen besetzte, Bildsequenzen gezeigt. Eine Woche später bekamen die Teilnehmer eine der Abfolgen erneut zu sehen – und direkt nach dieser Erinnerungsreaktivierung eine Dosis Propofol gespritzt. Anschließend wurden sie zwei Gruppen zugeteilt: In der ersten wurde das Erinnerungsvermögen für beide Episoden direkt nach der Narkose, in der zweiten erst 24 Stunden später geprüft.

Die Teilnehmer der Gruppe, in denen das Narkosemittel über Stunden wirken konnte, erinnerten sich deutlich schlechter an die tags zuvor zum zweiten Mal betrachtete Episode. Die Erinnerung an die andere, nicht wieder ins Gedächtnis gerufene Geschichte blieb dagegen ungetrübt, wie die Forscher berichten. Der Wirkstoff beeinflusst demnach eine Art Update-Prozess, die sogenannte Rekonsolidierung: So wird die Phase genannt, in der eine Information neu im Gehirn abgespeichert wird, wenn wir uns an sie erinnern.

Erinnerungen lassen sich manipulieren

Schon mehrfach haben Studien gezeigt, dass sich Erinnerungen gezielt beeinflussen lassen – Forscher können Menschen sogar dazu bringen, sich vermeintlich an Dinge zu erinnern, die sie in Wahrheit nie erlebt haben. Die deutsch-kanadische Psychologin Julia Shaw überzeugte Menschen in einer Studie zum Beispiel davon, sie hätten in ihrer Jugend eine Straftat wie etwa einen Diebstahl oder einen tätlichen Angriff begangen und seien mit der Polizei in Konflikt geraten.

Der Gedächtnisprozess ist komplex. Einströmende Reize durchlaufen im Gehirn verschiedene Verarbeitungsebenen. Aus ihnen werden abgespeicherte Erinnerungsepisoden, die aber nicht konserviert bleiben: Bei jedem Abrufen kann das Ereignis in einen neuen Kontext gerückt, verzerrt und mit neuen Details versehen werden. Erinnerungen an traumatische Ereignisse allerdings bleiben Analysen zufolge über die Zeit stabiler als positive Lebenserfahrungen.

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Von RND/dpa

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