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09:30 13.04.2019
Mit dem Künstlernamen herrH tritt Simon Horn in die Fußstapfen seines Vaters. Quelle: Handout
Hamburg

Reinhard Horn macht seit über 40 Jahren Musik – seit 20 Jahren für und mit Kindern. Inzwischen ist er mit über zwei Millionen verkauften Tonträgern einer der bekanntesten Kindermusiker des Landes. Neben unzähligen Konzerten gibt er Seminare für Pädagogen. Deshalb vergeht wohl kein Tag, an dem nicht in irgendeiner Kita oder Grundschule in Deutschland seine Lieder gesungen werden.

Sein Sohn Simon tritt als herrH in diese großen Fußstapfen. Nicht zuletzt wegen lustiger Texte und eingängiger Beats gilt der studierte Grundschullehrer als aufstrebender Stern am Kindermusikhimmel. Sein neues Album „Wenn ich groß bin“ ist am 29. März erschienen.

Simon, wie hast du die Musik deines Vaters als Kind erlebt?

Simon Horn: Musik war sehr präsent in unserem Familienalltag. Das Tonstudio war im Keller, daraus tönte ständig neue Musik. Mit drei Jahren stand ich das erste Mal vor dem Mikrofon. Das prägt natürlich. Ich verspürte jedenfalls nie das Bedürfnis, mich gegen diesen „musikalischen Gendefekt“ zu wehren. Im Gegenteil: Ich war lange vor herrH Teil unserer Familienband und wirkte bei einigen von Papas Musikprojekten mit.

Wurden deine musikalischen Fähigkeiten im Elternhaus unterstützt?

Simon Horn: Ich lernte früh Klavierspielen. Es folgten diverse Ausflüge zu anderen Instrumenten aus Papas Tonstudio. Für diese Unterstützung bin ich dankbar.

Reinhard Horn: Als wir spürten, dass er Interesse an Musik hat, unterstützten wir sein Talent. Mit Erfolg: Simon ist ein sehr guter Pianist und Perkussionist.

Simon Horn: Danke. Musikalischen Support gab es auch am Anfang meiner Kindermusikerkarriere. Ohne meine Eltern und ihre Kontakte hätte herrH sicher nicht so schnell an Fahrt aufgenommen.

Gab es auch musikalische Prägungen außerhalb der Familie?

Simon Horn: Als Kind der 90er verfolgte ich begeistert die Anfänge des Deutschraps. Es war toll zu sehen, was man alles mit der deutschen Sprache anstellen kann. Einige Jahre später hatte ich meine Indie-Phase, inklusive eigener Band. Später im Musikstudium kam dann noch die Klassik dazu. Am Ende kam ich zurück zur Popmusik. Mit ihr kann ich einfach am besten meine Geschichten erzählen.

Simon, du bist studierter Grundschullehrer. Gab es nie den elterlichen Ratschlag: Werd doch lieber Lehrer als Kindermusiker?

Simon Horn: Nach meinem Ersten Staatsexamen widmete ich mich einige Zeit nur der Musik – ohne durchschlagenden Erfolg. Zum Glück trat ich, auch durch Unterstützung meiner Eltern, doch mein Referendariat an einer Grundschule an. Einerseits ist das heute eine gute Absicherung im schnelllebigen Musikbusiness. Andererseits konnte ich damals meine ersten herrH-Songs direkt bei der Zielgruppe testen.

Wie sieht euer Alltag als Kindermusiker aus?

Reinhard Horn: Ich spiele Konzerte in ganz Deutschland, gebe Seminare für Pädagogen und habe Auftritte im TV oder im Hörfunk. Wenn ich nicht unterwegs bin, bin ich viel im Studio und an meinem Flügel, um neue Songs zu schreiben.

Simon Horn: Mir geht es ähnlich. Die Wochenenden gehören ganz den Kinderkonzerten, zwischendurch habe ich Auftritte beim Kika oder im Radio. Für das Songschreiben nehme ich mir immer wieder Studioblöcke. Jetzt kurz vor dem Albumrelease kommen noch Interviews oder die Planung eines Musikvideos dazu.

Reinhard, wie hat sich Kindermusik aus deiner Sicht in den letzten 20 Jahren weiterentwickelt?

Reinhard Horn: Das Spektrum ist breiter geworden. So gibt es zum Beispiel auch Heavy Metal oder Hip-Hop für junge Hörer. Gleichzeitig ist die klassische Kindermusik mit der Akustikgitarre nicht ausgestorben. Geblieben sind die Themen, die Kinder interessieren: Freundschaft, Emotion oder einfach Quatsch machen. Für mich ganz persönlich hat sich dagegen wenig geändert. Gute Lieder und gute Geschichten sind Seelenproviant für die Kinder. Darum schreibe ich immer neue Songs und erfinde neue Geschichten.

Ist durch die Vielfalt auch die Konkurrenz größer geworden?

Reinhard Horn: Ich empfinde die neue Vielfalt nicht als Konkurrenz. Es ist doch toll, wenn immer mehr Menschen Lust haben, mit und für Kinder Musik zu machen.

Simon Horn: Die Konkurrenz zwischen Musikern wird gern von außen gesehen. Ich erlebe eher eine große Lust auf Kooperation und Inspiration. Das ist toll. Mit einer Einschränkung: Mit dem wachsenden Angebot nimmt auch die Anzahl weniger wertiger Produktionen zu. Zum Glück sind junge Hörer ziemlich kritisch und wissen genau, was ihnen gefällt und was nicht.

Wenn wir schon nicht über Konkurrenz zwischen Vater und Sohn sprechen, dann wenigstens über musikalische Abgrenzung.

Simon Horn: Die musikalische Abgrenzung kam von ganz allein. Ich bin mit ganz anderer Musik aufgewachsen, habe schon früher andere Musik gemacht. Dass meine Songs anders klingen als die von meinem Vater, ist also völlig normal. Gleichzeitig gibt es viele Gemeinsamkeiten – zum Beispiel die große Leidenschaft für gut gemachte Kindermusik.

Reinhard Horn: Die Unterschiede beginnen schon damit, wie Simon seine Songs schreibt. Gemeinsam mit seinem Produzenten entstehen die Lieder komplett am Rechner. Ich dagegen schreibe erst meine Texte und entwickle die Melodien zu Hause am Flügel. Musik kann so unterschiedlich von der Architektur gebaut werden und trotzdem Menschen gleichermaßen berühren.

Wie stark denkt ihr beim Songschreiben an die Eltern? Sie kaufen schließlich eure CDs und nicht die Kinder selbst.

Simon Horn: Ein guter Song kann oder vielleicht sogar muss junge und ältere Hörer gleichermaßen packen. Eltern haben sich ihr inneres Kind oft bewahrt und lieben Trickfilme oder fiebern bei Hörbüchern mit. Vielleicht habe ich einen kleinen Vorteil, weil ich mit der gleichen Musik groß geworden bin wie viele junge Eltern. Diese Popeinflüsse empfinden die Erwachsenen als durchaus hörbar. Ich bekomme öfter die Rückmeldung, dass meine CDs auf Autofahrten von allen gern gehört werden.

Reinhard Horn: Ich glaube, die Macher von der „Sendung mit der Maus“ denken auch nicht zu viel über das Alter ihrer Zuschauer nach, sondern erklären einen Sachverhalt ganz einfach und verständlich. Ähnlich ist es bei der Kindermusik: Gute Geschichten kennen kein Alter. Viel wichtiger finde ich es, die Kinder ernst zu nehmen und ihnen zu ermöglichen, Musik aktiv zu erleben – durch Singen, Tanzen oder ein Instrument. Genau das schätzen Erwachsene an gut gemachter Kindermusik.

Von RND / Birk Grüling

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