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18:00 22.02.2019
Die Narben vergangener Beziehungen sitzen oft tief. Quelle: dpa-tmn
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Hannover

Die Blümchenphase zu Beginn einer neuen Partnerschaft: Der Zeitraum, in dem die Welt rosarot gefärbt ist und die Schmetterlinge im Bauch gar nicht aufhören, ihre Kreise zu ziehen. Doch auch diese Tage haben ein Ende und es kommen Eigenheiten und Probleme zum Vorschein, die zuvor unentdeckt geblieben sind – Probleme, die man womöglich aus vorherigen Beziehungen mitgenommen hat.

Jede Partnerschaft prägt uns

Wie wir uns in einer Beziehung verhalten und was uns auf die Palme bringt, ist von zwei gleichgewichtigen Komponenten abhängig: Charakter und Prägung. „Die Prägung beginnt bereits im Kindesalter beim Beobachten der elterlichen Beziehung“, erklärt Diplom-Psychologe Christian Hemschemeier. Er arbeitet viel mit Paaren in Krisensituationen zusammen. Seine These: „Eine zehnjährige Beziehung hat eine ähnliche Wirkung wie die Erziehung.“ Hierbei zählt, welche Erfahrungen man in einer Partnerschaft gemacht hat – ob man beispielsweise betrogen, häufig belogen oder klein gehalten wurde. Es können aber auch kleinere Probleme Grund für eine tiefe Prägung sein: Laut Hemschemeier zieht vor allem das sogenannte „Future Faking“ oft Konsequenzen nach sich. Dabei wird mit den Hoffnungen des Partners gespielt, indem mehrfach Versprechungen gemacht werden, die die Zukunft betreffen, beispielsweise das Zusichern einer Heirat oder der Bau eines gemeinsamen Hauses.

Wie sich diese Prägungen äußern

Das Ende einer Beziehung kann sich sehr traumatisch auf beide Parteien auswirken. „Wurde man zum Beispiel in der Vergangenheit betrogen, kann ein einfacher Reiz, etwa dass der Partner länger braucht, um eine Kurznachricht auf dem Handy zu beantworten, echte Ängste auslösen“, so der Paartherapeut. „Diese Furcht führt nicht selten zu Kontrollsucht.“

Auch die Umstände der letzten Beziehung können sich auf eine neue Liebe auswirken: Hat man beispielsweise schlechte Erfahrungen mit Fernbeziehungen gemacht, denkt man folglich, eine Partnerschaft mit Distanz kann allgemein nicht funktionieren und schränkt den Radius der Partnersuche ein.

Der Schlüssel: Reflexion der eigenen Fehler

Nur wer sich Verletzungen eingesteht, kann sie überwinden. Es ist hilfreich, sich seiner eigenen Wünsche bewusst zu werden und darüber nachzudenken, was man Positives aus der Beziehung mitnehmen kann – denn aus Fehlern lernt man bekanntlich. Experten raten dazu, sich selbst nach einer Trennung neu kennenzulernen. Das beinhalte auch, alle Verbindungen zum Ex oder zur Ex zu kappen und einen Schutzraum zu schaffen. Das gelte zumindest dann, wenn keine gemeinsamen Kinder von der Trennung betroffen sind.

Problembewältigung in einer neuen Beziehung

„Das Wichtigste ist, zu erkennen, dass man Probleme einer alten Beziehung auf den neuen Partner projiziert und sich bewusst dafür zu entscheiden, dagegen anzukämpfen“, so Hemschemeier. „Das kann man auf viele Art und Weisen machen, ob durch das Schreiben eines Tagebuchs oder durch Meditation.“ Gerade in Reizmomenten sei es wichtig, die Wut oder Panik, die man verspürt, nicht unüberlegt in die Außenwelt zu tragen. Betroffene sollten erst einmal Ruhe bewahren und versuchen, zunächst selbst damit umzugehen. „Oft lösen sich Missverständnisse innerhalb von einem Tag ganz von selbst. Wenn das Streitthema nach 24 Stunden immer noch relevant ist, sollte man mit seinem Partner sprechen“, weiß der Experte.

Freunde um Rat fragen

Gerade langjährige Freunde kennen die eigenen Macken meist besser, als man selbst. Sie haben womöglich vorherige Beziehungen miterlebt und können mit Rat und Tat zur Seite stehen. „Wichtig hierbei ist es, seine Bezugspersonen auch offensiv nach ihrer Meinung zu fragen – denn oft halten die sich zurück, weil sie niemanden verletzen wollen“, weiß Hemschemeier.

Von RND/jo

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