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Reisereporter Auf der Welle und gegen den Wind
Reisereporter Auf der Welle und gegen den Wind
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12:17 25.03.2009
Quelle: Wartmann
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Schwups – weg ist er. Verschwunden hinter einer Welle. Sekundenbruchteile später taucht er wieder auf. Ausgeliefert wie in einer Nussschale scheint der Paddler in der aufgewühlten See in seinem Boot herumzutreiben.

Für Beobachter mutet Paddeln auf dem Meer abenteuerlich an. Aber so risikoreich wie es auf den ersten Blick aussieht, ist es nicht. Die Seekajaks liegen erstaunlich sicher im Wasser: Nach subjektivem Empfinden können sie gar nicht umkippen. So bleibt trotz der Schaukelei ausreichend Muße, den Blick schweifen zu lassen. Denn aus der Perspektive eines knappen Meters über dem Meeresspiegel zeigt sich Malta von einer unbekannten Seite.

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Wir paddeln entlang zerklüfteter Steilwände, an denen die Brandung tosend an die Felsen schlägt, und passieren einsame steinige Buchten. Das Wasser ist azurblau und die Gischt noch weißer als die vereinzelten Schäfchenwolken am Himmel. Im Schoße Poseidons fühlen wir uns sicher hin- und hergewogen – dazu Sonnenschein, warmer Wind und erfrischende Wasserspritzer auf der Haut. Einziger optischer Wermutstropfen sind die Hotelanlagen, mit denen die Küste stellenweise zugebaut wurde. Diese gewinnen auch vom Wasser aus betrachtet keinen Schönheitspreis.

Auf zur „Königsetappe“

Mancherorts stehen noch Überreste von Bunkern, errichtet von den Engländern im Zweiten Weltkrieg. Lange vor den Engländern war bereits der Apostel Paulus hier. Als Schiffbrüchiger verbrachte er drei Monate auf Malta und soll in dieser Zeit die ganze Insel christianisiert haben. Nach ihm wurde ein vorgelagertes unbewohntes Inselchen benannt, auf dessen höchster Erhebung weithin sichtbar eine Paulus-Statue steht.

Paddellehrer Clark kennt mittlerweile die gesamte Küstenlinie Maltas in- und auswendig. Vor zwei Jahren zog er aus den USA hierher und ist seitdem fast täglich auf dem Wasser unterwegs. Die schönsten und abwechslungsreichsten Passagen entlang der Küste fährt er abschnittsweise mit seinen Gästen.

Der Höhepunkt für Paddelnovizen ist die „Königsetappe“: Von der Bucht bei Mellieha um die Nordspitze Maltas herum, hinüber nach Gozo und zurück. Die kleine Schwesterinsel liegt etwa fünf Kilometer nördlich und ist im Gegensatz zu Malta – dem am dichtesten besiedelten Land Europas – hauptsächlich von der Landwirtschaft geprägt. Weingärten und Felder kennzeichnen die Landschaft, hier werden mehr Kartoffeln, Zitrusfrüchte, Wein und Nektarinen angebaut als auf der mehr als viermal so großen Hauptinsel. Die Küste ist im Wesentlichen noch unverbaut, Bausünden und Touristentrubel findet man hier nicht. Dafür stehen auf Gozo die Ggantija-Tempel, die zu den ältesten erhaltenen Gebäuden der Welt zählen und mittlerweile auch zum Weltkulturerbe.

Zwischenstopp mit Kaffeepause

An diesem Tag reicht die Zeit allerdings nicht für eine Erkundungstour. Eine halbstündige Kaffeepause an einem kleinen Strand muss reichen. Denn der Rückweg hat es in sich. Die Fähre zwischen den beiden Inseln braucht weniger als eine halbe Stunde, im Paddelboot ist man um ein Vielfaches länger unterwegs. Vor allem bei Gegenwind lehrt Meerespaddeln Beharrlichkeit und Ausdauer.

Gegenwind hin oder her – Zeit für einen Zwischenstopp auf Comino muss sein: Das zwischen Gozo und Malta gelegene Eiland ist lediglich 2,5 Quadratkilometer groß, hat aber einiges zu bieten. Im Norden der dritten und kleinsten Hauptinsel des Archipels gibt es einige Buchten mit Sandstrand, an denen man selten eine Menschenseele trifft. Denn fast alle Tagesausflügler zieht es zur Westseite der Insel, wo sich die Hauptattraktion befindet: die Blaue Lagune, die sich zwischen Comino und dem Felsenriff Cominotto über mehrere Hundert Meter erstreckt. Hier ankern Dutzende von Jachten und Ausflugsschiffen.

Auf dem Rückweg zwischen Comino und Malta frischt der Wind noch weiter auf. Auf einem Wellenkamm zu reiten und mit dem Paddel ins Leere zu stechen kann verhängnisvoll sein. Langsam, aber sicher werden die Arme schwer. Doch alle meistern die Herausforderung. Am späten Nachmittag ist der feste maltesische Boden wieder zum Greifen nah. Der „Spitzenreiter“ der Gruppe dreht sich nach hinten und schwenkt freudig mit seinem Paddel hin und her. Schwups – weg ist er. Zehn Meter vor dem Ufer. Kentern geht also doch.

von Volker Wartmann

Meerespaddeln vor Malta

Die Paddeltouren vor der maltesischen Küste sind bei gutem Wetter problemlos auch für Anfänger machbar. Für die Teilnahme reicht normale Fitness. Gruppengröße: fünf bis zwölf Personen.

Termine: Anfang Oktober bis Ende November und März bis Mai. Veranstalter zum Beispiel: Club Aktiv Erlebnis-Reisen, Tel. (04 41) 9 84 98 12 (www.club-aktiv.de). Preis für zehntägige Tour (inklusive Flug, Übernachtung) ab 1385 Euro pro Person.

Weitere informationen

Fremdenverkehrsamt Malta
Schillerstraße 30–40,
60313 Frankfurt /Main
Tel. (0 69) 28 58 90.
www.visitmalta.com

25.03.2009
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