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Reisereporter Im Herzen Andalusiens
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00:42 25.07.2009
Moschee-Kathedrale
Moschee-Kathedrale Quelle: Hägermann
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Olivenbäume so weit das Auge reicht, atemberaubende Architektur und ein vielfältiges Kulturerbe: Andalusien gehört zu den faszinierendsten Reisezielen Europas. Jahrhundertelang hinterließen Iberer, Römer und Mauren ihre Spuren im Süden Spaniens. Fast im Zentrum der Region liegt Córdoba, die Hauptstadt von Al-Andalus, im Mittelalter ein selbstständiges Kalifat auf europäischem Boden.

In maurischer Zeit war die Stadt eine der größten Metropolen der Welt, wirtschaftlich und kulturell enorm einflussreich. Bis heute spürt man die einstige Erhabenheit in den verwinkelten Gassen. Die Stadt ist der perfekte Ausgangspunkt für eine historische und kulinarische Entdeckungsreise durch die Provinz Córdoba.

Im Säulenwald

Mit staunenden Augen wandert der Besucher durch das bedeutendste Gebäude von Córdoba, die Moschee-Kathedrale. Er sieht sich einem Wald von rund 860 n. Chr. Marmorsäulen gegenüber, auf denen in perfekter Parallelität zweifarbige Hufeisenbögen ruhen. An den Wänden finden sich prachtvolle maurische Mosaike, die fast vollständig die Jahrhunderte überdauert haben.

Im Jahr 785 ließ der neue muslimische Herrscher der Stadt, Emir Abderraman I., die vorher an dieser Stelle stehende Kirche abreißen und legte den Grundstein für die damals größte Moschee der Welt. Nach mehreren Erweiterungen erreichte der mächtige Sakralbau eine Ausdehnung von 23.000 Quadratmetern – bis heute eines der größten Gotteshäuser der Welt.

Nach der Rückeroberung entschlossen sich die neuen Machthaber, den Komplex nicht abzureißen – sie widmeten die Moschee in eine Kathedrale um und nahmen nur kleine Umbauten vor. Erst im 16. Jahrhundert ließ der Bischof von Córdoba ein imposantes Kirchenschiff mitten in der Moschee errichten. Die Moschee-Kathedrale (Mezquita) beherbergt noch immer architektonische Schätze unzähliger Epochen und Stilrichtungen – eine phantastische Mischung aus muslimischer und christlicher Sakralkunst. Die Moschee hat täglich geöffnet (Gottesdienstzeiten beachten).

Paläste und Gärten

Vielleicht war dem Kalifen einfach nur heiß in Córdoba, im 10. Jahrhundert mit mehr als einer halben Million Einwohner eine der größten und dicht besiedeltesten Metropolen der Welt. Vermutlich wollte Kalif Abd al-Rahman III. aber Macht und Reichtum demonstrieren, als er im Jahr 936 n. Chr. sein ehrgeizigstes Bauprojekt in Auftrag gab: Acht Kilometer westlich von Córdoba, in einer wunderbaren Hanglage mit Blick auf das Tal, ließ der Kalif eine neue Palaststadt errichten, mit prunkvollen Palästen, großzügigen Gärten, prächtigen Moscheen, einfachen Wohnhäusern. 25 Jahre lang schufteten 10.000 Arbeiter, bis sie fertig werden mit der Erschaffung von Medina Azahara – der glänzenden Stadt.

110 Hektar umfasste die Stadt, Quellen berichten von Bauten, die mit Elfenbein und Ebenholz, Marmor, Gold und Edelsteinen geschmückt waren. Doch die Blüte währte nicht lange: Schon nach 74 Jahren eroberten Berber Medina Azahara und plünderten sie.

Heute können Besucher in der Ruinenstadt noch die einstige Pracht und Größe erahnen: Erst ein kleiner Teil der Stadt wurde bei Ausgrabungen freigelegt, einige Salons, Palastbögen und Gebäude wieder aufgebaut. Die archäologische Anlage, reizvoll gelegen an einem Ausläufer der Sierra Morena, hat Dienstag bis Sonnabend von 10 bis 20.30 Uhr geöffnet, Sonntag 10 bis 14 Uhr, Montag geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Flüssiges Gold

„Es ist ein großer Irrtum, dass Olivenöl nur zum Salat gehört“, sagt Francisco Nunez de Prado mit einem feinen Lächeln. Nein, sagt der Mann, den einige für einen Papst in Sachen Olivenöl halten, dieses flüssige Gold gehöre in die ganze Küche. Denn, so weiß der Seniorchef des Familienunternehmens Nunez de Prado aus jahrelanger Erfahren, gutes Olivenöl verstärkt und betont den Eigengeschmack eines jeden Lebensmittels.

Schon seit 1795 wird in der Ölmühle der Familie Nunez de Prado in dem Ort Baena, 60 Kilometer südwestlich von Córdoba, dieses Kulturgut der spanischen Küche auf höchstem Niveau hergestellt – und bis heute nach traditionellem Vorbild und ökologischen Maßstäben. Besucher können sich die Ölmühle mit ihren alten Mühlsteinen ansehen, der Eintritt ist frei (Öffnungszeiten: Montag bis Sonnabend von 9 bis 14 und von 16 bis 18.30 Uhr).

Der Sitz des Familienunternehmens ist kein Zufall: Baen liegt mitten in einem Olivenhain-Paradies, nirgends auf der Welt dürfte die Dichte dieser kleinen, knorrigen Bäume so hoch sein wie hier. In den Provinzen Córdoba und Jaen wird ein Großteil der spanischen Oliven geerntet – und Spanien ist der größte Olivenproduzent der Welt. In der bezaubernden Kleinstadt mit gut 20.000 Einwohnern findet sich ein Olivenölmuseum, in dem der Besucher alle traditionellen Schritte der Produktion nachvollziehen kann. Täglich außer montags zu wechselnden Zeiten geöffnet.

Stadt der Türme

Schon von Weitem erkennt der Reisende, wieso Ecija diesen Beinamen trägt: die Stadt der Türme. zwölf Kirchtürme und 15 Glockentürme von Klöstern prägen die Silhouette der Stadt. Und entsteigt der Besucher dem Bus oder dem Auto, merkt er auch schnell, woher der zweite, weniger schmeichelhafte Spitzname – die Bratpfanne Andalusiens – stammt. In Ecija ist es immer ein wenig heißer als im Rest des Landes, es liegt in einer Senke.

Ein Besuch ist dennoch mehr als lohnenswert: Die zahlreichen Barockkirchen und mit blauen Kacheln verzierten Türme verleihen der Stadt einen unnachahmlichen Charme. Unzählige Störche nisten mitten in der Altstadt, viele Restaurants laden mit ihren kühlen Patios zu einer kleinen Pause ein. Sehenswert sind außerdem die rund 30 alten Adelshäuser und Paläste. So findet sich am Palast Reniaflor aus dem 18. Jahrhundert der mit 59 Metern längste Balkon Spaniens.

Barocke Kirchen

Wenn man der Route des Kalifats von Córdoba nach Granada folgt, landet man unweigerlich in Lucena. Die mit 40.000 Einwohnern zweitgrößte Stadt der Provinz Córdoba war in maurischer Zeit überwiegend von Juden bewohnt. Reger Handel und viele Handwerksbetriebe machten die Ansiedlung im Mittelalter zu einer reichen und unabhängigen Stadt – nicht zuletzt wegen der günstigen strategischen Lage in der Mitte zwischen den Königreichen Córdoba und Granada. Den Juden galt Lucena als „Perle von Sefarad“.

In der mächtigen Burg „Castillo del Moral“ ist ein charmantes Museum zur Geschichte der Stadt untergebracht, in dem man auf engen Treppen bis unter das hölzerne Dach eines der vier Burgtürme klettert. Im 11. Jahrhundert erbauten die Mauren das imposante Gebäude mit einem viereckigen Grundriss. Die zahlreichen Kirchen der Stadt sind mit prächtigen barocken und bunt bemalten Ornamenten geschmückt.

Besonders bedeutend ist die Pfarrkirche St. Matthäus im Zentrum: An dieser Stelle stand zunächst eine Synagoge, dann eine Moschee, zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert wurde schließlich eine Kirche errichtet. 50 Jahre dauerte der Bau – und drei verschiedene Baustile hinterließen ihre Spuren. So gibt es eine gotische, eine spätgotische und eine Renaissance-Tür in dieser Kirche.

Von Inken Hägermann

Anreise
Flüge nach Sevilla gibt es ab etwa 320 Euro, von dort fahren regelmäßig Schnellzüge nach Córdoba. Der Reiseveranstalter Dertour bietet Autotouren durch Andalusien an: Sieben Übernachtungen, inklusive Frühstück, ab 335 Euro, ohne Flug und Mietwagen.
Auch zahlreiche andere Veranstalter wie TUI oder Neckermann haben Angebote zu Andalusien in ihrem Programm.

Beste Reisezeit
Frühjahr (bis Juni) oder Herbst. Auch im Winter sind fast alle Aktivitäten (außer Badeurlaub) möglich. Im Hochsommer ist ein Aufenthalt nur in den kühleren Gebirgsregionen zu empfehlen.

Weitere Informationen
Spanisches Fremdenverkehrsamt,
Kurfürstendamm 63, 10707 Berlin,
Tel. (0 61 23) 9 91 34.
www.spain.info