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Reisereporter Kolumbus’ liebstes Eiland
Reisereporter Kolumbus’ liebstes Eiland
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10:05 23.09.2013
Von Stefan Stosch
Atemberaubende Naturansichten: Im Nationalpark Morne Trois Pitons erleben Dominica-Urlauber auch die sogenannten „Victoria Falls“. Das mehr als 6800 Hektar große Parkgelände gehört seit 1997 zum Unesco-Weltnaturerbe. Quelle: Discover Dominica Authority
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Roseau

Auf Dominica gibt es eine Redensart: Käme Kolumbus heute zurück, wäre dies die einzige Antilleninsel, auf der er sich immer noch heimisch fühlen würde. Da könnte was dran sein. Unverändert fallen die grünen Berge steil ins Meer ab, immer noch sind viele Kuppen mit Regenwald überzogen. Die Zahl der Straßen ist überschaubar, große Hotels sucht man vergebens.

Im Inselinneren sind Wasserfälle und heiße Quellen nur zu Fuß zu erreichen. Die Unzugänglichkeit hat auch dafür gesorgt, dass die 751 Quadratkilometer kleine Commonwealth-Republik ihre Naturschätze bewahren konnte. Heute setzen die Einwohner verstärkt auf Ökotourismus - und zwischenzeitlich auf Johnny Depp als beschwipsten Piraten: Die Insel diente als Schauplatz für die Hollywoodfilme von „Fluch der Karibik“.

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Über eines würde sich Kolumbus womöglich aber doch wundern: über die Reggae-Musik, die in dem 17 000-Seelen-Hauptstädtchen Roseau lautstark aus den Boxen dringt. Auch mit den zahlreichen Rastafari könnte der Entdecker vermutlich wenig anfangen. Und warum Menschen Spaß daran haben, ihre Köpfe unter Wasser zu halten, würde er wohl auch nicht verstehen. Doch gilt das Champagner-Riff im Inselsüden als eines der besten Schnorchelreviere der Karibik. Vulkanische Gase perlen zwischen bunten Fischen und Korallen - daher der Name. Und noch etwas ist auf Dominica anders: Hier leben noch rund 3000 Nachfahren der indianischen Ureinwohner, die auf anderen Inseln kaum noch zu finden sind. Die Spanier hatten die Kariben, die sich selbst Kalinago nennen, im Jahr 1503 zur Versklavung freigegeben. Viele starben an eingeschleppten Krankheiten. Auf Dominica entkamen die Ureinwohner in Rückzugsgebiete in den Bergen. Anfang des 20. Jahrhunderts überließen die Briten den Kalinago ein Reservat an der Ostküste zur Selbstverwaltung, in dem bis heute ein Häuptling das Sagen hat.

Für eilige Gäste führen die Bewohner im eigens errichteten Museumsdorf Folkloreshows auf. Aber man kann sich dem „Karib Territory“ auch zu Fuß nähern. Am besten an der Seite von Derrick. Er arbeitet als Guide, wohnt selbst in dem Gebiet - und legt gerne zu Hause einen Zwischenstopp für einen Plausch mit Mutter, Freundin und Baby ein. Zur Erfrischung gibt es für den Gast ein paar besonders schöne Exemplare der Sternfrucht, direkt vom Baum gepflückt. Immer an der Steilküste entlang geht es dann weiter, vorbei an Häusern, von denen viele kleiner und ärmer aussehen als anderswo auf der Insel. Wo immer Derrick eine Plastikflasche erspäht, räumt er sie beiseite.

Aus einer Grundschule dringt Kinderlachen, Frauen und Männer arbeiten auf Süßkartoffelfeldern, an Holzschuppen an der Straße wird geschnitztes Kunsthandwerk verkauft. Geradezu idyllisch zwischen Palmen findet sich ein katholischer Friedhof. In der dazugehörigen Kirche dient ein Kanu als Altar. Das immerhin ist ungewöhnlich. Aber sonst? Leben die Kalinago denn anders als andere Inselbewohner? „Nein“, sagt Derrick und grinst. Einer seiner Brüder studiert dank eines Stipendiums in Venezuela, ein anderer betreibt eine Autowerkstatt. Er selbst hofft auf eine Zukunft als Musiker.

Allerdings sind die wirtschaftlichen Probleme der Kalinago noch größer - besonders seit sich mit dem Bananenexport kaum mehr Geld verdienen lässt. So jedenfalls sieht es Kevin Dangleben, Chef im Museumsdorf. Das Kalinago-Territorium gelte als das am wenigsten entwickelte Gebiet auf Dominica. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen sei arbeitslos, die Inselregierung schaffe mit Hausbau-Projekten nur vorübergehend Linderung. Umso wichtiger ist es nach Danglebens Worten, die eigene Kultur zu bewahren: Das Wissen der Altvordern werde gezielt gesammelt, beispielsweise der beinahe verschüttete Erfahrungsschatz über den Regenwald als Pflanzenapotheke. Künftig können Besucher Teesorten aus einheimischen Kräutern und Gewürzen kaufen. Die Verpackungen mit dem „Kalinago“-Schriftzug zeigt Dangleben stolz vor. Entspannungstee nach Kalingo-Art für gestresste Kreuzfahrttouristen: So gehen Fremdenverkehr und der Erhalt der indianischen Kultur Hand in Hand. Das ist noch so eine Errungenschaft, über die sich ein Eroberer namens Kolumbus wohl sehr gewundert hätte.

Gabriele Schulte 02.09.2013
Wiebke Ramm 19.08.2013
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