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Reisereporter Montenegro - Land der schwarzen Berge
Reisereporter Montenegro - Land der schwarzen Berge
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00:12 15.09.2012
Montenegro ist für Naturfreunde allererste Wahl.
Montenegro ist für Naturfreunde allererste Wahl. Quelle: Privat
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Podgorica

Als das kleine Städtchen Cetinje vor 100 Jahren noch Hauptstadt Montenegros war, galt es als wohl gemütlichste Metropole Europas. Kein großstädtischer Trubel, dafür ein paar eher bescheidene Paläste und Regierungsgebäude. Noch heute können Touristen bei Spaziergängen die einstigen Botschaften der Großmächte entdecken - auch die frühere kaiserlich-deutsche Vertretung ist ausgeschildert.

Passend zum beschaulichen Cetinje war auch diese in einem unauffälligen Gebäude ohne Protz und Prunk untergebracht. Auf Schritt und Tritt werden Besucher an die königliche Vergangenheit des kleinen Balkanstaates erinnert. Letzter Herrscher war Nikola I., der im Jahre 1860 den Thron bestieg und schließlich Ende 1918 gestürzt wurde. Damals wurde das bis dahin unabhängige Land ein Bestandteil des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen. Nikola starb 1921 im französischen Exil, seine sterblichen Überreste wurden 1989 nach Montenegro überführt.

Zu ihrem einstigen Herrscherhaus haben die meisten Montenegriner heute ein überaus entspanntes Verhältnis. Überall sind Erinnerungsstücke an die kurze Zeit des Königreiches zu haben - doch die Wiedereinführung der Monarchie ist im Land kein Thema. Ein kleines Stück seiner alten Bedeutung hat sich Cetinje bewahrt - heute ist das rund 17000 Einwohner zählende Städtchen immerhin Sitz des montenegrinischen Staatspräsidenten. Ein wichtiger Anlaufpunkt für Touristen ist das örtliche Kloster, in dessen Schatzkammer wertvolle Reliquien verwahrt werden, so die Hand Johannes des Täufers, ein Stück des heiligen Kreuzes und das erste auf dem Balkan gedruckte Buch aus dem Jahr 1494.

Heute ist Podgorica, das frühere Titograd, Hauptstadt Montenegros, dort leben rund 140000 Menschen. Doch eines hat sich im Vergleich zum königlichen Cetinje nicht verändert: Der deutsche Botschafter Pius Fischer residiert auch heute noch überaus bescheiden in einem Büro mitten in einer Fußgängerzone. Der 63-Jährige war vorher Gesandter in Guinea und der Mongolei. „Ich hätte nie gedacht, dass es in so einem kleinen Land für uns Diplomaten so viel zu tun gibt“, sagt er mit Blick auf das erst seit 2006 unabhängige Land. Doch das gerade mal 625000 Einwohner zählende Montenegro, das „Land der schwarzen Berge“, wie es venezianische Seeleute im 15. Jahrhundert getauft haben, ist Beitrittskandidat der Europäischen Union und der Nato. Der Euro ist mittlerweile offizielles Zahlungsmittel, auch wenn das Land nicht an der Europäischen Währungsunion teilnimmt und deshalb auch keine eigenen Euromünzen prägen darf.

Doch der Weg in die Europäische Union ist noch weit, weiß auch Botschafter Fischer. Der ist vor allem von der Bergwelt begeistert. „In der Mongolei habe ich alle Viertausender bestiegen“, verrät er. Mit denen kann Montenegro zwar nicht dienen, dafür aber mit der Tara-Schlucht, der tiefsten Europas. Zahlreiche Wanderwege erschließen abenteuerlustigen Touristen das Hochgebirge. „Es gibt viele kleine Flecken, die ihren ganz besonderen Charme haben und in keinem Reiseführer stehen“, sagt der Chef der deutschen Vertretung.

Wer sich für die Schätze der montenegrinischen Bergwelt interessiert, sollte sich an Daniel Vincek wenden. Der 86-Jährige hat 15 Bücher geschrieben, darunter einen Bergwanderführer, der längst als Standardwerk gilt. Vincek lebt mit seiner Frau Vera im alpinen Kolasin. Dort hat er vor 30 Jahren in mühevoller Kleinarbeit einen botanischen Garten angelegt. Symbol des Refugiums ist die Valeriana, ein Baldriangewächs. „Die Pflanze wirkt beruhigend, unser Garten soll ja eine Oase der Ruhe sein“, sagt Vincek. „Und ein Gläschen Valeriana-Gebräu gibt es bei uns natürlich auch.“ Und auch so manchen Tipp, welche Wanderungen empfehlenswert sind und wo schmackhafte Pilze wachsen.

Montenegro ist für Naturfreunde allererste Wahl - ein noch wenig bekanntes Ausflugsziel ist der Nationalpark Skutarisee. Das 43 Kilometer lange, 14 Kilometer breite und durchschnittlich sieben Meter tiefe Gewässer ist das größte Vogelschutzgebiet Europas. Zwei Drittel gehören zu Montenegro, ein Drittel zu Albanien. Vom großen Touristenansturm ist der See bisher noch verschont. Wer eine Bootstour unternimmt, kann ungestört Pelikane, Flamingos und Reiher beobachten.

Das Kontrastprogramm zur beschaulichen Ruhe der Naturschönheiten finden Besucher an der montenegrinischen Küste. Das neueste Projekt ist dabei Porto Montenegro, ein mondäner Hafen für große und ganz große Jachten mit einer Länge von bis zu 150 Metern. Der einstige österreichisch-ungarische Marinestützpunkt Tivat in der Bucht von Kotor - tiefster Naturhafen Südosteuropas - wurde für bisher mehr als 100 Millionen Euro zu einer Hafenpromenade mit Hotels, Wohnungen, Bars und Restaurants umgebaut. Das Großprojekt ist noch nicht fertig, in diesem Jahr soll die Zahl der Liegeplätze auf 370 erhöht werden. „Porto Montenegro soll zu einem weltweit führenden nautischen Touristenzentrum werden“, kündigt Managing Director Oliver Corlette an. Nicht nur die ehrgeizigen Investitionen sprechen dafür - auch die Lage, schließlich zählt die Bucht von Kotor seit 1979 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Bert Endruszeit

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