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Reisereporter Neue Touren auf alten Routen
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12:25 25.03.2009
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Auf der berühmten Weihrauchstraße zogen Karawanen von Südarabien bis zum Mittelmeer, die Seidenstraße reichte gar bis Ostasien – doch auch in Deutschland spielten alte Handelsrouten einst eine wichtige Rolle. Entlang des Goldenen Steigs, des Ochsenwegs oder der Hanseroute lassen sich Wandern und Radfahren mit einem Ausflug in die Kulturgeschichte verbinden.

Historischer Säumerzug

Die Salzgewinnung hat im Alpenraum eine lange Tradition, wie das Salzbergwerk Berchtesgaden und die Saline Bad Reichenhall zeigen. Knotenpunkt des Handels in Richtung Böhmen war Passau, am Zusammenfluss von Inn und Donau gelegen. Heute erfreuen sich die alten Wege durch den Bayerischen und Böhmischen Wald, auf denen noch deutliche Hohlwegspuren zu erkennen sind, großer Beliebtheit: Röhrnbach bei Passau ist über drei Hauptstrecken des Goldenen Steigs mit Prachatiz, Winterberg und Bergreichenstein, beziehungsweise Schüttenhofen verbunden.

Lebendig wird die Vergangenheit alljährlich in Grafenau. Dort findet am 1. August ein historischer Säumerzug mit mittelalterlichem Markttreiben statt.

Auf der Salzstrasse

Salz war in früheren Zeiten kostbar und der Handel sehr gewinnbringend. Kein Wunder, dass es in Deutschland gleich mehrere Salzstraßen gibt. Auf der Alten Salzstraße wurde das Salz von Lüneburg an die Ostsee gebracht, wo es den Heringsfischern zur Konservierung ihres Fangs diente. Über tausend Jahre lang wurde in der Saline Salz gesiedet, noch heute sprudelt in der Salztherme „SaLü“ die Sole.

Mit dem Fahrrad lässt sich heute auf den Spuren der Salzknechte Urlaub machen: Die Strecke zwischen Lüneburg und Lübeck ist 130 Kilometer lang und führt über Lauenburg an der Elbe, Mölln und Ratzeburg.

Mit der Postkutsche

Noch älter ist ein Weg, auf dem erlesene Gewürze aus dem Orient, Südfrüchte aus Italien, Ballen mit Samt, Seide und Baumwolle, Öl- und Weinfässer transportiert wurden: Die Via Claudia Augusta ist die einzige römische Kaiserstraße, die über die Alpen führt. Auf dem 160 Kilometer langen bayerischen Teilstück geht es per Fahrrad oder im Stil römischer Legionäre zu Fuß durch Donauwörth, Augsburg, Landsberg, Schongau und Füssen.

Zu anstrengend? Wer möchte, der besteigt – nein, keinen Streitwagen, sondern eine Postkutsche. Gezogen von vier bis sechs Pferden, geht es in den Sommermonaten regelmäßig von Landsberg am Lech über Reutte, den Fernpass, Imst, Landeck und Nauders am Reschenpass bis nach Bozen. Bis zu zehn Fahrgäste kutschiert Konrad Schamberger mit seinem originalgetreuen Nachbau eines Pavillion-Wagens aus dem Jahr 1811.

Auf dem Ochsenweg

Eine angenehme Ochsentour erwartet Urlauber im Norden Deutschlands, die dem Ochsenweg zwischen Wedel bei Hamburg und Flensburg oder Viborg in Dänemark folgen. Dabei weist der Name auf die ursprüngliche Funktion der Route hin, die vermutlich seit der Bronzezeit genutzt wird: Einst wurden auf ihr Ochsenherden zu Märkten getrieben. Auch Pilger und Händler nutzten den Ochsenweg.

Heute erkunden vor allem Radfahrer den mehr als 500 Kilometer langen und eben verlaufenden Radfernweg, an dem sie Zeugnissen aus der Wikingerzeit wie der Wikingerstadt Haithabu sowie historischen Mühlen und Großsteingräbern begegnen.

Route der Backsteingotik

An der Ostsee dominierte über Jahrhunderte die Hanse den Handel: Der Verbund war das Zentrum der europäischen Wirtschaft im Mittelalter. Mächtige Kirchen und Klöster, verzierte Stadttore, Wallanlagen und Rathäuser im Stil der Backsteingotik zeugen noch heute vom Reichtum dieser Epoche.

Die Europäische Route der Backsteingotik führt von Schweden über Dänemark, Deutschland, Polen, Litauen, Lettland nach Estland und umfasst 2500 Kilometer. Neben traditionsreichen Ostseebädern und vogelreichen Naturparks sind in Deutschland die Hansestädte Bremen, Hamburg, Lübeck, Wismar, Rostock, Stralsund und Greifswald eine Reise wert.

Auf der Bernsteinstrasse

Die Ostseeküste birgt noch einen Schatz, der europaweit sehr begehrt ist: Der goldgelbe Bernstein – eigentlich kein Stein, sondern fossiles Harz – gab der einst wichtigsten Nord-Südverbindung Europas den Namen. Die Bernsteinstraße führt von der Ostsee bis zum Mittelmeer durch insgesamt elf Staaten, darunter Polen, Tschechien und Österreich. Bislang ist die Route zwischen St. Petersburg und Venedig in Abschnitten befahrbar.

„Unser Ziel ist es, diese alte Verbindung neu entstehen zu lassen. Reisen entlang der Bernsteinstraße erlaubt es, europäische Geschichte und Kultur in Museen, archäologischen Parks, Burgen, Schlössern und historischen Städten zu entdecken“, sagt Elisabeth Schiller vom Verein Österreichische Bernsteinstraße.

Von Sibylle von Kamptz

Tourismusbüro Waldkirchen, Ringmauerstraße 14, 94065 Waldkirchen, Tel. (08581) 19433. Angebot „Wandern ohne Gepäck: Auf dem Prachertitzer Steig, vier Übernachtungen – ab 190 Euro pro Person im Doppelzimmer. tourismus@waldkirchen.de

Lüneburg Marketing, Am Markt, 21335 Lüneburg, Tel. (0 41 31) 2 07 66 20. Ein „Salziges Wochenende“ mit zwei Übernachtungen und Frühstück sowie weiteren Extras – ab 135 Euro pro Person im Doppelzimmer. www.lueneburger-salzstrasse.de

Via Claudia Info, A-6521 Fließ, Tel. (0043/664) 2763555. Die Postkutschenreise über 270 Kilometer dauert sieben Tage – pro Person ab 2200 Euro. www.viaclaudia.at

Gebietsgemeinschaft Grünes Binnenland, Stapelholmer Weg 13, 24963 Tarp, Tel. (0 46 38) 89 84 04. Eine fünftägige „Genießer-Tour auf dem Ochsenweg“ mit dem Rad von Wedel nach Flensburg umfasst vier Übernachtungen – ab 199 Euro pro Person im Doppelzimmer. www.ochsenweg.de

Europäische Route der Backsteingotik, c/o Deutscher Verband für Wohnungswesen, Georgenstraße 21, 10117 Berlin, Tel. (0 30) 2 06 13 25 59. www.eurob.org

Weinviertel Tourismus, Kolpingstraße 7, A-2170 Poysdorf, Tel. (00 43/25 52) 35 15. Das Angebot „Urlaub an der Bernsteinstraße – Wein und Weinkultur“ umfasst u. a. zwei Übernachtungen mit Frühstück im Viersternehotel – ab 198 Euro pro Person im Doppelzimmer. www.bernsteinstrasse.net, www.weinviertel.at