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Reisereporter Toskana des Nordens
Reisereporter Toskana des Nordens
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11:40 30.09.2013
Von Heinrich Thies
Blaue, rote und gelbe Fachwerkhäuser prägen das Bild des Fischerdorfs Gudhjem. Quelle: Heinrich Thies
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Bornholm

Ein Vierteljahrhundert lang verteilte Wolfgang Walcker Briefe und Päckchen in Hamburg – dann fühlte sich der Postbeamte reif für die Insel. Nach zwei Urlaubsaufenthalten schon war die Entscheidung gefallen: für Bornholm als Dauerwohnsitz. Gemeinsam mit seiner Frau Heidi kaufte sich der Zweimetermann vor 15 Jahren auf der Insel ein Haus, lernte Dänisch und verdiente sich seinen Lebensunterhalt fortan von April bis Oktober als Reiseführer. „Wir haben einfach den Hut über den Zaun geworfen und sind hinterher“, sagt der 58-Jährige.

600.000 Urlauber im Jahr

Der frühere Postbeamte ist bei Weitem nicht der einzige Bundesbürger, den es auf die östlichste Insel Dänemarks gezogen hat. Nicht wenige Restaurants, Cafés und Hotels auf Bornholm sind in deutscher Hand, und von den 600.000 Urlaubern, die Jahr für Jahr nach Bornholm kommen, haben 30 Prozent einen deutschen Pass. Schließlich liegt die Insel auch nur 80 Kilometer nordöstlich von Rügen und ist trotzdem so etwas wie eine Toskana des Nordens. Mit der höchsten Sonnenscheindauer Dänemarks rühmt sich Bornholm mit gutem Grund als „Sonneninsel“. Hier gedeihen Feigen ebenso wie Maulbeeren, und die malerischen Küstenorte mit ihren roten, gelben und blauen Fachwerkhäusern vermitteln mediterranes Flair. Ein ganz anderer Reiz liegt in der Vielfalt der Natur. Auf Bornholm finden sich die meisten Landschaften Mittel- und Nordeuropas auf engem Raum: Sandstrände und Steilküsten, Laub- und Fichtenwälder, Hügel, steile Klippen und rauschende Wasserfälle, Wiesen und Weizenfelder, Dünen und Hochmoorseen. Besonders eindrucksvoll sind die tief eingeschnittenen Schluchtentäler im Norden der Insel.

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Ein Ort mit Weitblick

An einem Ort mit Weitblick hat sich Eduard Dahlmann niedergelassen. Der Westfale kaufte sich vor 24 Jahren die alte Strandvogtei an der Steilküste zwischen dem Fischerdorf Gudhjem und den Helligdomsklippen und wandelte sie in eine Ferienhausanlage um. Nach dem Tod seiner Frau vor 13 Jahren zog seine Tochter Geraldine nach und eröffnete am selben Ort „Dines lille Café“. Wanderer können hier nicht nur Kaffee und Kuchen konsumieren, sondern sich zu bestimmten Zeiten auch Märchen erzählen lassen.

Märchenhaft ist auch schon der Küstenwanderweg, der am Café vorbeiführt. Das Rauschen der Baumwipfel verbindet sich hier mit dem Rauschen der Brandung. Von dem fünf Kilometer langen Steilufer zwischen Gudhjem und Helligdomsklippen aus kann man den Blick übers Meer schweifen lassen und sich gleichzeitig so geborgen fühlen wie in einem tiefen Laubwald. Manchmal meint man, durch einen grünen Tunnel zu gehen – auf der einen Seite die sanft geschwungenen Getreidefelder, auf der anderen die Weite der Ostsee mit Segelbooten und glitzernden Wellen.

Besondere Vergangenheit

Eine Gruppe aufragender Findlinge erinnert indessen auch an ein düsteres Kapitel der Vergangenheit. In vorchristlicher Zeit wurden hier als Teil eines Opferkults Pferde ins Meer getrieben, wie Reiseführer Walcker zu berichten weiß. Und von den „Pferdesteinen“ ist es nicht mehr weit zu den 22 Meter hohen Helligdomsklippen, die im Mittelalter in der Johannisnacht von Pilgern angesteuert wurden. Wer einen noch tieferen Einblick in die Vergangenheit gewinnen möchte, sollte „Natur Bornholm“ besuchen, ein erst im Jahr 2000 eröffnetes Erlebniszentrum, das seine Besucher zu einer Zeitreise von 1700 Millionen Jahren einlädt. Mit allen Sinnen ist hier zu erleben, wie einst Saurier über die Insel herrschten und Eisberge alles Leben niederwalzten. Anschließend empfiehlt sich ein Spaziergang im nahe gelegenen Bisonwald, wo das urtümliche Wisent eine neue Heimat gefunden hat. Gegenwart und Vergangenheit gleichermaßen sind im großen Kunstmuseum Bornholms zu besichtigen.

Begehbare Kunstwerke aus grauer Vorzeit sind die vier Rundkirchen auf Bornholm. Sie wurden schon im 11. und 12. Jahrhundert als Wehrbauten errichtet und sollten die Bürger vor Angreifern schützen - vor allem vor Piraten. Die älteste und gleichzeitig kleinste dieser Rundkirchen steht in Nyker, unweit von Rønne, mitten auf einem Friedhof – ein Gotteshaus mit einer mächtigen Mittelsäule.

Kulinarische Köstlichkeiten zu hohen Preisen

Auch sonst gibt es auf der Insel manches zu entdecken – vor allem auch Orte, wo sich der Blick aufs Meer mit kulinarischen Köstlichkeiten des Meeres verbinden lässt. Billig allerdings ist Bornholm nicht. Schon ein einfaches Softeis kostet hier vier Euro. Vergleichsweise günstig sind da die Fischbüfetts, die die traditionellen Räuchereien anbieten.

Überschaubare Entfernungen

Am besten lässt sich die Insel mit dem Fahrrad erkunden. Bei aller Vielfalt sind die Entfernungen überschaubar. Von Nord nach Süd sind es 40, von Ost nach West maximal 30 Kilometer. Empfehlenswert ist zum Beispiel die Strecke von dem hübschen Städtchen Svaneke zum prächtigen Sandstrand bei Dueodde im Süden der Insel. Eine kostenlose Broschüre informiert über weitere attraktive Routen und die zahlreichen Verleihstellen. Und ein gut ausgeschildertes Fahrradwegenetz von 230 Kilometern Gesamtlänge sorgt dafür, dass man ohne Probleme zum Ziel kommt.

Hin und weg

Anreise

Von Mitte März bis Mitte April ist Bornholm zweimal täglich mit der Fähre der dänischen Linie Faergen zu erreichen, die zwischen Sassnitz/Rügen und Ronne verkehrt. Die Fahrt dauert dreieinhalb Stunden. Eine einfache Fahrt kostet für einen PKW inklusive fünf Personen zwischen 114 und 229 Euro. Möglich ist auch eine Reise mit öffentlichen Verkehrsmitteln und/oder Rad. Bis Prora auf Rügen fährt ein Zug, weiter nach Sassnitz geht es mit dem Bus.

Informationen:

www.faergen.de

Unterkunft

Am einfachsten ist es ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung zu mieten. Die Hotelkapazitäten sind begrenzt. Nähere Auskünfte gib es bei der Destination Bornholm.

Heinrich Thies

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