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BG Göttingen BG Göttingen mutig wie der FC Bayern
Sportbuzzer BG Göttingen BG Göttingen mutig wie der FC Bayern
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00:17 30.09.2013
Von Mark Bambey
Quelle: EF
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Göttingen

Es gehört schon eine große Portion Mut dazu, den Wiederaufstieg in die Beletage des deutschen Basketballs als Ziel zu formulieren, denn die Konkurrenz ist keinesfalls in der Außenseiterrolle.

Eine solch offensive Zielvorgabe ist im Sport sonst eigentlich nur vom FC Bayern München bekannt. Die Kräfteverhältnisse im Unterbau des Basketball-Oberhauses weisen an der Spitze allerdings nur feine Unterschiede aus. Klubs wie der Nürnberger BC, die BG Karlsruhe oder die MLP Academics Heidelberg begegnen den Veilchen in Bezug auf Budget, Kader und Infrastruktur auf Augenhöhe.

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Und dann gibt es ja noch die potenziellen Überraschungsteams. Chemnitz, Jena, Gotha und auch Erstliga-Absteiger Giessen 46ers melden Ansprüche an, in die Playoffs einzuziehen. Die Spitze scheint breiter geworden, und die Zuschauer dürfen sich somit wohl mindestens auf einen packenden Vierkampf um die zwei Aufstiegsplätze freuen.

„Unser Etat ist nicht so groß, dass der Aufstieg Pflicht ist. Es muss alles passen“, sagt Frank Meinertshagen. Der BG-Geschäftsführer versucht so den Spagat zwischen sportlichem Ehrgeiz und finanzieller Realität. „Der Druck ist vorhanden, keine Frage“, sagt BG-Sportdirektor und -Cheftrainer Johan Roijakkers.

„Auftakt kann holprig werden“

Den 33-jährigen Niederländer mache das allerdings nicht nervös: „Ich kenne das, unter Druck zu arbeiten. Und auch viele meiner Spieler. Wir sind bereit.“ In der Vorbereitung wartete viel Arbeit auf ihn. Acht Profis wurden neu verpflichtet und das Team neu aufgebaut. Wie bereits im Vorjahr wurde Roijakkers für seine Geduld bei der Zusammenstellung seines Teams belohnt.

Seine Königs-Transfers, die die ohnehin top besetzten Veilchen enorm verstärkten, tätigte er im Stil eines Poker-Profis zu einem Zeitpunkt, da viele Konkurrenten ihre Teams bereits komplettiert hatten. Center Harper Kamp und Alex Ruoff stehen erst seit Anfang September als Zugänge fest.

Besonders die Verpflichtung vom Euro-Challenge-erfahrenen Ruoff löst Euphorie aus. Der 27-jährige Guard ist eigentlich eine Nummer zu groß für den kleinen Bruder der BBL.

Die späten Transfers verursachen aber auch einen Malus. „Wir sind noch nicht so eingespielt wie andere Teams. Der Auftakt kann also holprig werden“, sagt Roijakkers. Doch das nehme er in Kauf. „Aufsteigen wird der Klub, der während der Saison die richtigen Entscheidungen trifft und zum Start in die Playoffs sein Top-Niveau erreicht“, betont Roijakkers.

„Abstimmungsarbeit leisten“

Komplett als Team haben die Veilchen bisher lediglich viermal trainiert. Dominik Spohr (Bänderdehnung), Jeremy Dunbar (Prellung) und Marc Liyanage (Erkältung) fehlten bis Anfang dieser Woche teilweise länger. „Es waren ausgerechnet drei Deutsche, die gefehlt haben. Aber gerade auf den deutschen Positionen entscheidet sich letztlich die Meisterschaft“, sagt Roijakkers.

Gespannt dürfen Fans und Zuschauer darauf sein, wie der BG-Coach in dem stark besetzten Kader die Spielzeiten verteilt. Überraschungen scheinen programmiert. „Wir haben eigentlich zehn Starter im Team. Alle wollen in die BBL. Sie können jetzt schon beweisen, dass sie variabel sind und wichtige Rollen im Team übernehmen können“, sagt Roijakkers.

Dabei bittet er die Fans auch um Geduld: „Wir spielen viele neue Systeme, nur die Basics ähneln sich. Aber 90 Prozents der Sets sind neu. Wir müssen noch viel Abstimmungsarbeit leisten.“

Doch damit steht die BG keinesfalls allein. Auch die Vorbereitung der BG Karlsruhe, neben Nürnberg wohl das stärkste Team in der Pro A, war von Verletzungen überschattet. Aufgrund von Blessuren und Krankheiten mussten mehrere Testspiele abgesagt werden. Besonders schwer ins Gewicht fiel die Langzeitverletzung von Leistungsträger Jaivon Harris.

Roessler auf der Eins

Der 31- jährige US-Amerikaner wird im November wieder im Mannschaftstraining zurück erwartet. Interessant wird die Personalie Harris allerdings aus einem anderen Grund. Die Karlsruher versuchen, für Harris die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. Dies würde das Kräfteverhältnis vermutlich deutlich in Richtung Karlsruhe drehen lassen.

Roijakkers Meinung dazu ist eindeutig: „Ich denke nicht, dass die Deutschen-Regel in der Pro A dafür geschaffen worden ist.“ Robert Ferguson (Rippenbruch), Rouven Roessler und der zuletzt angeschlagene Andre Calvin (beide Bänderverletzung) sind wieder fit. Nach dem Wechsel von Point Guard Michael Stockton hat Karlsruhe keinen Spielmacher verpflichtet.

In der Vorbereitung agierte meist Roessler auf der Eins. Für Karlsruhe spricht das erfahrene Personal.

Vermeintlich der zweite Hochkaräter wird der Nürnberger BC sein. Die Franken haben ein komplettes Arsenal an Top-Performern parat. Von Erstligist Ludwigsburg verpflichtete Headcoach Martin Ides Wayne Bernard. Der US-Amerikanische Shooting Guard verfügt über langjährige BBL-Erfahrung.

„Wir schauen auf uns“

Mit Cornelius Adler, der auch bei der BG ganz oben auf der Liste der Wunschspieler stand, verfügt der NBC über einen der stärksten Deutschen in der Pro A. Extrem dicht ist die Leistungsstärke der Franken allerdings unter dem Korb.

Obwohl mit dem Deutschen Robert Lewandowski und dem US-Big-Man Ronald Thompson schon extrem stark besetzt, verpflichtete Nürnberg noch Chris Gadley. Das Prunkstück könnte aufgrund der begrenzten Einsatzzeiten somit auch zum Problemfall werden.

Zu einem Titelkandidat hat sich MLP Academics Heidelberg gemausert. Der neunfache Deutsche Meister hat offensichtlich ein homogenes Team zusammengestellt. Auf den deutschen Positionen sind die Baden-Württemberger mit den Leistungsträgern Nico Adamczak (das Ex-Veilchen wechselt aus Düsseldorf an den Neckar) und Kapitän Janis Heindel stark besetzt.

Zudem gelang dem mit Roijakkers befreundeten MLP-Headcoach Tony Garbelotto ein Top-Transfer. Mit Shy Ely hat Heidelberg einen Top-Performer verpflichtet, der das Zeug hat, zum Star der Liga zu werden. Als Topscorer seines College-Teams Evansville empfahl sich der Forward für die D-League. Dort holte Ely 2011 als Starter in seiner zweiten Saison den Titel.

Roijakkers interessieren diese Zahlen nicht. „Wir beschäftigen uns noch nicht mit diesen Gegnern. Wir schauen auf uns.“ Diese Aussage ist im Sport auch als „mia san mia“ bekannt.

Mit diesem Team startet die BG in die Pro-A in der Saison 2013 - die Spieler auf einen Blick.
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