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BG Göttingen BG Göttingen steht nach 101:72 (49:36) erstmals im Halbfinale
Sportbuzzer BG Göttingen BG Göttingen steht nach 101:72 (49:36) erstmals im Halbfinale
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21:47 13.04.2014
Stellt seine Qualität erneut eindrucksvoll unter Beweis: Alex Ruoff (r.) punktet gegen Essen nach Belieben, hier ist er Christoph Hackenesch enteilt. Quelle: Theodoro da Silva
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Essen

Nach 38:12 Spielminuten löst sich auch beim enorm konzentriert und ernst wirkenden Roijakkers die Anspannung:

Kurz, nur ganz kurz steht er breit grinsend am Spielfeldrand, die Fingerspitzen an die Schläfen gedrückt. Marco Grimaldi hat soeben einen Dreier genommen und verwandelt. Die BG führt 97:70 und das Spiel ist längst entschieden. Die Fans singen triumphierend, doch der ehrgeizige Niederländer sammelt sich, knöpft sein Jackett wieder sorgfältig zu und gibt weiter fleißig Handlungsanweisungen.

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Selbst bei der anschließenden Pressekonferenz verfällt er nicht in Euphorie: „Ich hatte schon nach dem ersten Angriff ein gutes Gefühl. Wir haben den Ball gut bewegt und in der Verteidigung unsere Regeln beachtet. Ich war mir früh sicher, dass wir uns im dritten oder vierten Viertel entscheidend absetzen können“, resümierte Roijakkers.

Nein, ein Feierbiest wie einst sein Landsmann Louis van Gaal bei der Meisterfeier des FC Bayern München wird Roijakkers so schnell vermutlich nicht werden.

Super Stimmung

Ganz anders präsentiert sich Grimaldi nach der Schlusssirene. Mit hochgerissenen Armen schreit er seine Freude heraus: „Das fühlt sich richtig gut an. Jetzt spiele ich schon so lange bei der BG, und erst jetzt erreiche ich mal ein Halbfinale in den Playoffs“, sagt Grimaldi.

Er trägt nach dem Spiel ein Osnabrück-Trikot, das er von seinem Bruder Adriano bekommen hat. Adriano, der für den Drittligisten stürmt, unterstützt seinen Bruder gemeinsam mit Ehefrau Francesca in der Sporthalle am Hallo.

Dort sehen die 2534 Zuschauer wie in den vorangegangenen drei Partien von Beginn an einen von beiden Seiten couragiert geführten Playoff-Fight. Es bedarf keiner Eingewöhnungszeit, bis sich die Pärchen der Kombattanten gegenüberstehen.

Unter dem Korb nicht zu stoppen

Alex Ruoff markiert mit sehenswerter Bewegung am Brett gegen Fabian Franke die ersten Veilchen-Zähler zum 2:0. Trotz starker Verteidigung und Ruoffs Hand vorm Gesicht trifft dann Diego Kapelan zum 3:2. In der Folge ist es Harper Kamp, der seine bisher in der Serie gegen Essen eher schwachen Leistungen imposant aus dem Gedächtnis spielt.

Egal ob gegen Christoph Hackenesch oder Michael Fakuade – der BG-Big-Man lässt sich unterm Korb nicht stoppen und ist mit zehn Punkten im ersten Viertel maßgeblich am 25:20 beteiligt.

Zu Beginn des zweiten Viertels muss die BG zwei Rückschläge verkraften. Der Gastgeber kommt in der durch die großen Fensterfronten an allen vier Wänden sehr hellen Arena zum 25:25. Wesentlich schmerzhafter ist aber das zweite Offensiv-Foul von Ruoff.

Nicht aus dem Rhytmus zu bringen

Der BG-Top-Verteidiger schmort danach lange auf der Bank. Doch die BG schüttelt sich kurz und schaltet auf Angriff. Als Turbolader im Veilchen-Kollektiv bringt nun Jermaine Mallett von der Bank kommend die nötige Extra-Power. Vier Punkte vom Kraftpaket und weitere Zähler von Kamp (4) und Jermain Raffington, und die BG liegt 35:27 in Front (17.).

Essens Headcoach Igor Krizanovic nimmt die zweite Auszeit in diesem Viertel, doch auch davon lässt sich der Gast nicht aus dem Rhythmus bringen. Die Veilchen bleiben konzentriert, ziehen weiter konsequent zum Korb und gehen mit 49:36 in die Halbzeit. Fulminante Punkte steuert der stark agierende Grimaldi bei.

Besonders sehenswert ist sein Steal in der Pressverteidigung unter dem gegnerischen Korb und der blitzschnelle Abschluss zum 46:36. Während Essens Fans schockstarr auf ihren blauen Sitzschalen kleben, hüpfen 150 frenetische Veilchen-Fans vor Freude.

Dunbar ist Alptraum der ETB-Defense

Mit Beginn der zweiten Hälfte wird Jeremy Dunbar zum Alptraum der ETB-Defense. Alle fünf Drei-Punkt-Versuche netzt der Distanzschütze mit dem sonnigen Gemüt aus Florida bierernst ein. Nach weiteren Punkten von Kamp und Ruoff führt die BG in der 24. Minute erstmals mit 20 Punkten (60:40).

Dennoch gab es eine Schrecksekunde zu überstehen, als der zuletzt starke Marc Liyanage beim Offensiv-Rebound umknickt und vom Feld muss. Nach Spielende gibt er jedoch schon Entwarnung. „Der Fuß ist ein bisschen dick. Ich kann aber auftreten“, so Liyanage, der hofft, im Halbfinale spielen zu können.

Auch im Schlussviertel lässt die BG dann keine Essener Aufholjagd mehr zu. Roijakkers‘ kurzzeitigem Jubel folgen noch Punkte von Mallett und Dominik Spohr, der die Kiste Bier für das Durchbrechen der 100-Punkte-Mauer bezahlen darf.  
„Ich bin erleichtert“, gesteht Anna Jäger nach Spielende.

Und die BG-Geschäftsführerin hat noch eine gute Nachricht parat: „Ich gebe am Montag in Köln die Unterlagen für die BBL ab. Wenn wir uns sportlich qualifizieren, dann werden wir es möglich machen, in der 1. Liga zu spielen. Die Unterschriften sind zwar noch nicht da, aber wir haben gute Gespräche mit Stadt und Sponsoren geführt. Das muss der klare Weg sein“, betont Jäger.

BG: Majok (0 Punkte/0 Dreier/1 Rebound/0 Assists), Liyanage (0/0/2/0),Grimaldi (13/1/9/2), Ruoff (22/1/6/2), Spohr (2/0/2/1), Teichert, Mallett (8/0/3/2), Godbold (2/0/4/3), Stechmann, Kamp (20/0/3/2), Raffington (10/0/3/0), Dunbar (24/6/2/1). – Bester Essen: Kapelan (22/2/2/3).

Von Mark Bambey