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BG Göttingen BG Göttingen verliert Kapitän Marco Grimaldi
Sportbuzzer BG Göttingen BG Göttingen verliert Kapitän Marco Grimaldi
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16:45 15.08.2014
Von Mark Bambey
Trägt trotz Wechsel seine BG Göttingen weiter im Herzen: Kapitän Marco Grimaldi spielt künftig für Heidelberg in der Pro A. Quelle: Pförtner
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Göttingen

Doch jetzt ist sie nur noch ein Relikt aus gemeinsamen Tagen.

Denn der Kapitän geht von Bord: Erstliga-Aufsteiger BG Göttingen ist es nicht gelungen, seinem Spielführer und seiner Identifikationsfigur Marco Grimaldi einen Vertrag für die 1. Basketball-Bundesliga vorzulegen, zu dem er nicht Nein sagen kann. Der 30-Jährige sucht sich stattdessen eine neue sportliche Herausforderung in der 2. Basketball-Bundesliga Pro A und schließt sich dem Mitaufstiegsfavoristen MLP Academics Heidelberg an.

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„Ich habe die Entscheidung schweren Herzens gefällt. Doch ich will Basketball spielen. Deswegen will ich bei dieser neuen sportlichen Herausforderung noch einmal beweisen, dass ich als Starter auf der Spielmacherposition ein ambitioniertes Team führen kann“, begründet Grimaldi am gestrigen Freitagvormittag seine Entscheidung und bricht unmittelbar danach auf, um sich bei seinem neuen Arbeitgeber vorzustellen.

„Ich hätte auch gern 1. Liga gespielt“

Am Abend versammelte Neu-Coach Branislav „Frenkie“ Ignjatovic das Team zum Trainingsauftakt. Der 47-Jährige kam von den Kirchheim Knights nach Heidelberg.

„Ich hätte auch gern 1. Liga gespielt, doch realistisch betrachtet, wäre ich hier nur Rollenspieler mit wenigen Minuten. Damit kann und will ich mich noch nicht abfinden“, betont Grimaldi. In Heidelberg hat er einen Einjahresvertrag unterzeichnet. Unterstützt wird er seit Juli von seinem ehemaligen und neuen Agenten Gerrit Kersten-Thiele. Der Göttinger besitzt die Spieleragentur „Scorers first“.

„Schade. Ich finde das ausgesprochen schade“, so die erste Reaktion von BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen. Der Ex-Profi habe immer die Hoffnung gehabt, dass sich beide Seiten doch noch auf eine Weiterführung von Grimaldis Engagement verständigen könnten. Er gesteht allerdings ein: „Nachdem es nach den hitzigen Diskussionen und dem Medienrummel in der vergangenen Woche sehr ruhig geworden ist, musste ich mit dieser Entscheidung rechnen.

„Die Befürchtung, dass wir nicht konkurrenzfähig sind, ist zu groß“

Uns waren die Hände gebunden. Wir haben Marco nach unserem Ermessen einen gut dotierten Vertrag angeboten und keinen Spielraum mehr gehabt“, betont Meinertshagen. Die BG könne sich „leider keinen Luxus leisten“, sagt Meinertshagen und lässt so durchschimmern, dass die Vorstellungen zu Gehalt und Spielzeit des Guards nicht mit denen der BG-Verantwortlichen übereinstimmen.

„Wir mussten sehr genau prüfen, wie wir unsere begrenzten finanziellen Möglichkeiten einsetzen. Die Befürchtung, dass wir nicht konkurrenzfähig sind, ist zu groß“, so Meinertshagen. Dass noch ein anderer Deutscher verpflichtet wird, sei nicht geplant: „Wir werden mit neun Profis und unseren drei Nachwuchsspielern in die Serie gehen.“

Grimaldi betont, dass er trotz der unglücklich wirkenden Vertragsverhandlungen mit der BG nicht im Streit gehe. Es seien zwar auf beiden Seiten „einige Fehlerchen“ gemacht worden, doch das Verhältnis sei gut. „Ich hoffe, dass die Fans Verständnis für meinen sportlichen Ehrgeiz aufbringen können.

„Wir hätten ihn sehr gerne gehalten“

Als wir abgestiegen sind, hatten wir den Slogan: Wir kommen wieder. Ich möchte auch gern wieder kommen, denn meine Karriere möchte ich unbedingt in Göttingen beenden“, sagt Grimaldi zum Abschied.

Auch BG-Sportdirektor Johan Roijakkers sieht trotz der sportlichen Schwächung den Wechsel professionell: „Wir hätten ihn sehr gerne gehalten. Marco hat enorm viel geleistet und mir mein Leben hier als neuer Coach leichter gemacht. Für einen Spieler wie er es ist, wird die Tür nie geschlossen sein.“

▶ Rosenkrieg beendet

Es wäre schön gewesen, Marco Grimaldi künftig mit seinem Heimatverein BG Göttingen in der 1. Liga zu sehen.

Er ist die Identifikationsfigur und immer ein Sympathieträger gewesen. Wie kein anderer Spieler verkörpert Grimaldi mit seiner offenen und präsenten Art das Wir-Gefühl, das den Göttinger Basketball auszeichnet.

Wahrscheinlich liegt genau darin die Ursache, dass die Ungereimtheiten und Widersprüche bei den Vertragsverhandlungen in Fan-Kreisen zu sehr emotionalen Diskussionen geführt haben. Mit dem Resultat, dass dies bei beiden Seiten Befürchtungen wachsen ließ, von der Öffentlichkeit den Schwarzen Peter zugeschoben zu bekommen.

Dabei ist nichts Ungewöhnliches passiert. Es ist lediglich so, dass Erwartungen und Vorstellungen der sportlichen Leitung und des Spielers Grimaldi nicht mehr übereinstimmen. Da ist es im Profisport nur logisch, dass ein Spieler sich umorientiert und dort zu guten Konditionen unterschreibt, wo er die Spielzeit bekommt, die er anstrebt.

Das hat Grimaldi ja bereits zweimal gemacht, als er die Veilchen 2004 in Richtung Wolfenbüttel Dukes verließ und 2009 zum damaligen Zweitliga-Top-Klub BG Karlsruhe wechselte. Zweimal ohne überhitzte Diskussion.

Was jetzt stattgefunden hat, kann vielleicht als ein kleiner Rosenkrieg bezeichnet werden, war aber längst keine Schlammschlacht. Die Chance, dass beide Seiten irgendwann wieder aufeinander zugehen werden, ist vorhanden. Also: Auf ein drittes Comeback!

Mark Bambey