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BG Göttingen Keine Zeit für süße Träume in Tiflis
Sportbuzzer BG Göttingen Keine Zeit für süße Träume in Tiflis
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19:25 07.11.2011
Von Mark Bambey
Fußläufig zu erreichen: Blick vom Hotel auf den Sportpalast Tiflis.
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Bereits sieben Stunden später steht die erste Trainingseinheit im Sportpalast an. Am Abend wird um 19.45 Uhr eine weitere folgen.Dass die erste Übungseinheit erst um 12.45 Uhr beginnt, war dem Verschlafen der Center Raymond Sykes und Roberto Mafra geschuldet. Wie viel Geld dieses wenig professionelle Verhalten der Mannschaftskasse bringt, verrieten weder Mienack noch BG-Sportdirektor Jan Schiecke.

Mit dem Bus ist die Mannschaft zur im Herzen von Tiflis liegenden Halle gebracht worden. Dabei liegt das Vier-Sterne-Teamhotel keine 100 Meter entfernt auf der anderen Seite der viel befahrenen fünfspurigen Straße, auf der vornehmlich Skodas, Ladas und einige deutsche Premium-Marken-Pkw ein munteres Hupkonzert geben. Die allgegenwärtige georgische Polizei – auf dem knapp 30-minütigen Weg vom Flughafen zum Hotel fuhr der leicht betagte Team-Bus an gut 50 mit Blaulicht bewehrten Streifenwagen vorbei – stört das nicht.

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Der Sportpalast Tiflis hat seine besseren Jahre vor weit mehr als drei Dekaden erlebt. Auf brüchigen Treppenstufen kommt das Team durch den Hintereingang in die 10000 Zuschauer fassende Arena. In den Nebenräumen liegen Teppichreste und Baumaterialien. Stille Zeugen einer geplanten Renovierung, die jedoch mehr als zehn Jahre zurück zu liegen scheint und nicht wirklich abgeschlossen wurde. Doch die Georgier sind bemüht, aus den nicht optimalen Rahmenbedingungen das Beste zu machen. Engagiert und hilfsbereit wird in vielen Winkeln der Halle gearbeitet. Im Zentrum des mächtigen 50 Jahre alten Gebäude-Kolosses angelangt, hängen Boxen und Lichtanlage an dünnen Drahtseilen von der Decke.

Die Konstruktion unterhalb der riesigen Kuppel mit einem Durchmesser von etwa 50 Metern scheint Marke Eigenbau. Im Heimwerker-Stil scheint auch die silberne Asbest-Verkleidung der Kuppel ausgebessert worden zu sein. Auf den Zuschauerrängen dominiert die Farbe Rot. Im Unterrang gibt es Plastik-Klappstühle, von denen einige Reihen bedenklich wackeln. Die Logenplätze heben sich als blaue, breitere Kunstleder-Sitze deutlich ab.

Im Oberrang reduziert sich der Komfort auf rote Sitzbänke. Das knapp 30 Zentimeter oberhalb des Fußbodens liegende Spielfeld ist von einer knapp einen halben Meter breiten Lüftungsanlage eingerahmt. Je zwei dieser mächtigen Gebläseschächte schlitzen sich auch im Unterrang in die Tribünen. Im Umlauf sind die zwölf Eingänge von der Lüftungsanlage umfasst, die die leicht muffige Luft umwälzt. „Wenigstens ist es nicht so kalt wie damals in Dnipropetrowsk“, meinte Mienack.