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BG Göttingen Mit Grimaldi geht auch ein Stück Identifikation
Sportbuzzer BG Göttingen Mit Grimaldi geht auch ein Stück Identifikation
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18:59 30.07.2009
Ein Liebling der Fans: Grimaldi bei der obligatorischen Runde nach Spielende in der Lokhalle.
Ein Liebling der Fans: Grimaldi bei der obligatorischen Runde nach Spielende in der Lokhalle. Quelle: Pförtner
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Erholt sieht Marco Grimaldi aus, als er zum Pressegespräch erscheint. Der Urlaub mit Freundin Janina auf Mallorca – aus dem er am Montag zurückgekehrt ist – hat ihm sichtlich gut getan: Stress und Frust einer langen, zwar erfolgreichen, nicht aber nach seinen persönlichen Wünschen verlaufenen Saison mit MEG sind abgefallen. Er hat Kraft getankt. Energie gewonnen, die er benötigen wird, denn er hat sich drei Ziele gesetzt, die sich nicht einfach nebenbei realisieren lassen.

Mit dem ambitionierten Pro-A-Team BG Karlsruhe hat der 25- Jährige einen Club gefunden, bei dem er in der kommenden Serie die Führungsrolle als Aufbauspieler einnehmen soll. Bereits am Montag beginnt in Karlsruhe die Vorbereitungsphase – der Umzug steht unmittelbar bevor. Bis zum 14. September muss Grimaldi allerdings auch für sein Studium hart arbeiten, denn dann muss der BWL-Student der Privaten Fachhochschule Göttingen seine Diplom-Arbeit abgeben. „Zeigen, dass ich ein Team führen kann, Studium abschließen und mich in Karlsruhe einleben – das wird sicherlich nicht einfach. Aber ich brauche den Druck. Es ist eine Frage der Disziplin und des Zeitmanagements“, sagt Grimaldi.

Auf Freundin Janina – beide sind bereits seit elf Jahren zusammen – muss der 25-Jährige in Karlsruhe zunächst verzichten. „Sie kommt im Oktober nach, bis dahin muss sie noch im Reisebüro arbeiten“, verrät Grimaldi. Dass er in den kommenden zwei Jahren für Karlsruhe spielen wird, habe Grimaldi noch nicht vollkommen realisiert. „Es ist irgendwie noch so weit weg. Ich freue mich aber auf Karlsruhe. Es ist sowohl für die MEG als auch für mich der richtige Schritt. Ich möchte im Team eine führende Rolle einnehmen, die Möglichkeit bekomme ich in Göttingen leider nicht“, sagt Grimaldi, dem John Patrick mündlich eine ähnliche Rolle wie in der vergangenen Serie angeboten habe. „Ein schriftliches Angebot habe ich leider nie erhalten“, so Grimaldi.

Um so mehr habe er sich über die Glückwünsche von Patrick und Marc Franz zur Vertragsunterzeichnung bei der BG Karlsruhe gefreut. „Ich wünsche dem Team wirklich alles Gute. Ich würde jederzeit wieder in Göttingen spielen“, betont Grimaldi.

So sehr ihm Göttingen fehlen werde, so sehr freue er sich auch auf die neue Aufgabe. „Ich fühle mich geschmeichelt, dass so viele Fans meinen Wechsel bedauern. Traurig bin ich schon“, sagt Grimaldi – schränkt aber ein: „So ist das aber nun einmal im Profisport.“ Dabei verweist er auf die zwei Jahre, in denen er bereits für die Zweitligisten Wolfenbüttel, Weiden und Essen gespielt hat. In seinen sechs Jahren im Dress der BG 74 und MEG hat sich Grimaldi besonders mit seiner engagierten Spielweise und der Offenheit abseits des Parketts in die Herzen vieler Fans gespielt.

Familie gilt besonderer Dank

Auf die Frage, was er am meisten an Göttingen vermissen werde, nennt Grimaldi ohne zu zögern seine Familie. „Ohne ihren Rückhalt hätte ich das nie geschafft“, unterstreicht der 25-Jährige. Ebenfalls fehlen werde ihm die Stimmung in der Lokhalle, die Saunalandschaft des Badeparadieses und das gute Essen im Restaurant seines Vaters. Als prägendstes Erlebnis werde er den Sieg gegen den MBC und den damit verbundenen Erstliga-Aufstieg in Erinnerung behalten.

Ob er auch in Karlsruhe die Nummer 18 auf dem Trikot tragen wird, weiß Grimaldi noch nicht. „Es ist die Nummer meines Lieblingsfußballspielers Roberto Baggio. Vielleicht nehme ich aber die 3, mit dieser Rückennummer sind wir in die 1. Liga aufgestiegen“, sagt Grimaldi. Bis zu einem eventuellen Aufstieg in die BBL wird man das BG-Eigengewächs jedoch nicht als Akteur, sondern nur als Zuschauer in der Lokhalle zu sehen bekommen. „Ich will in Kontakt bleiben und mir Spiele ansehen, denn ich habe im Team ja Freunde gefunden“, sagt Grimaldi. Vielleicht erspielt sich der Guard in Karlsruhe ja die Wertschätzung, die er sich in Göttingen trotz allen Engagements nicht erkämpfen konnte. Und vielleicht sehen die Fans ihren Liebling ja dann doch noch einmal im Veilchen-Dress in der BBL.

Von Mark Bambey