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BG Göttingen Mit den BG-Fans in Tübingen
Sportbuzzer BG Göttingen Mit den BG-Fans in Tübingen
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18:47 27.03.2017
Von Eduard Warda
Wer Veilchen-Anhänger ist, nimmt schon mal 900 Kilometer hin und zurück in Kauf - und wird letztlich belohnt.
Wer Veilchen-Anhänger ist, nimmt schon mal 900 Kilometer hin und zurück in Kauf - und wird letztlich belohnt. Quelle: Ulmer
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Tübingen

Rund eine Stunde vor Spielbeginn wird vor der Halle bei Bier und Zigarette diskutiert: 20 BG-Fans vertreiben sich die Zeit, indem sie fachsimpeln, Anekdoten erzählen und sich gemeinsam auf das Tipoff freuen. Insgesamt haben sich rund 60 Göttinger Basketballverrückte auf den Weg gemacht.

Unter ihnen ist - natürlich - Christian Zigenhorn vom Fanclub Veilchen Power, der als „Reiseleiter“ bekannt ist: Zigenhorn organisiert die Auswärtsfahrten der BG-Anhänger. Er selbst kennt sich mit langen Strecken bestens aus, denn er arbeitet bei der Deutschen Bahn.

„Für so eine weite Fahrt sind 60 Fans schon etwas Besonderes“, sagt Zigenhorn. Allerdings sei der Bus von privat gesponsert worden, und der Termin am Sonnabend sei ein zusätzlicher Anreiz. Zum Vergleich: Beim Spiel in München saßen im Februar unter der Woche nicht mehr als ein Dutzend BG-Fans im Audi-Dome.

Ein jüngerer Anhänger mit dem obligatorischen Veilchen-Schal um den Hals ist rund eine Stunde vor Tipoff gerade auf dem Weg zum BG-Block unter dem Hallendach. Nein, er begleite nicht regelmäßig das Team, „aber einmal pro Saison muss es schon sein. Wenn es passt, bin ich dabei.“

Er ist dann auch dabei, als Jared Jordan groß aufspielt und als die Tübinger sich in der ersten Hälfte als schwer zu knackende Nuss präsentieren, und das unter der ohrenbetäubenden, stakkatoartigen Anfeuerung der Heimfans. Von den BGern ist lange nichts zu hören, erst bei zwei kuriosen Schiedsrichterentscheidungen gegen Göttingen gellen laute Pfiffe durch die Halle, deren Quelle der Veilchen-Block ist.

Als die Schlusssirene ertönt, ist dann nur noch das „Olé, olé“ der Veilchen-Fans zu hören. Zigenhorn gibt bei der Siegeshumba die Buchstaben vor und formt mit seinen Händen einen Trichter um den Mund. „Das gehört einfach dazu“, sagt er. „Zu Hause ist ein Spieler, der besonders überdurchschnittlich war, am Mikrofon, auswärts machen wir es selbst.“ Ohne Mikrofon.

Wie fällt das Fazit der Reisegesellschaft aus? Es sei nun wirklich keine emotionales Partie gewesen, eher ein „grundsolides Spiel“, unterstreicht Zigenhorn, der sich an durchaus spektakukläre Begegnungen in Tübingen erinnern kann. An die ganz großen Reißer, an einen Auswärtscoup beispielsweise vor Jahren einmal in Frankfurt kommt der Auftritt sowieso nicht heran. Aber unter den besten Auswärtsspielen befindete sich das Tübingen-Spiel „natürlich schon“, unterstreicht Zigenhorn.

Nun steht noch die Rückfahrt an, doch nach einem Sieg fährt es sich leichter. Die A7 bei Würzburg ist gesperrt, es geht über Frankfurt, und nach fünfeinhalb Stunden Fahrt und einer Zeitumstellung ist der Fanbus gegen 5.20 Uhr in Göttingen. „Defense“, wird regelmäßig skandiert, wenn Abwehrarbeit gefragt ist. Es klingt ein wenig wie „Die Fans“ - ein gebrülltes Lob, das den BG-Anhängern gerecht werden würde.

Fotos: Ulmer