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BG Göttingen So stellt der BG-Sportdirektor sein neues Veilchen-Team zusammen
Sportbuzzer BG Göttingen So stellt der BG-Sportdirektor sein neues Veilchen-Team zusammen
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00:17 02.09.2013
In seinem Büro bei der Arbeit: Johan Roijakkers beim Video-Scouting seines letzten Transfers – Harper Kamp. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Genüsslich nippt Johan Roijakkers an seinem Cappuccino. Der Stress ist ein wenig von ihm abgefallen, jetzt, da sein Team für die Saison zusammengestellt ist. Mit Center Harper Kamp hat der BG-Sportdirektor und -Cheftrainer die letzte vakante Position im Team besetzt. Obwohl nun mit Hochdruck die Vorbereitung auf die am 28. September in Cuxhaven beginnende Saison der 2. Basketball-Bundesliga Pro A beginnt, die die Veilchen im Mai mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga krönen wollen, nutzt Roijakkers die Zeit, um kurz durchzuatmen.

Nervenaufreibende Off-Season

Eine extrem anstrengende Phase hat er jetzt hinter sich: die hektische und nervenaufreibende Off-Season. So nennt der Basketballer die spielfreie Sommerzeit zwischen den Serien. Weit mehr als 200 potenzielle Verpflichtungen hat der 32-Jährige intensiv unter die Lupe genommen, um seine zehn Profis zu verpflichten. 18-Stunden-Tage waren keine Seltenheit. Tagsüber studierte der Frühaufsteher, der seinen Tag gerne vor sechs Uhr beginnt, Statistiken und schaute sich potenzielle Verstärkungen für seine Veilchen auf Videos an. Die Nächte waren lang, weil aufgrund der Zeitverschiebung nur dann die Möglichkeit bestand, mit Spielern oder Agenten in den USA Kontakt aufzunehmen.

Zu Beginn der Rekrutierungsphase stehen bei Roijakkers und auch den anderen Pro-A-Coaches allerdings erst einmal die deutschen Akteure im Fokus. Die Arbeit am Kader beginnt direkt mit Ablauf der alten Spielzeit. „Aufgrund der Regel, dass zwei Deutsche auf dem Parkett stehen müssen, ist das ein zentraler Punkt. Die Verpflichtung der Deutschen ist verhältnismäßig risikolos, weil die Spieler bekannt sind“, sagt Roijakkers.

Seine Suche hat der Niederländer in vier Kategorien eingeteilt:

1. Spieler, die für ihn gespielt haben und mit denen er erfolgreich war.
2. Spieler, gegen die er mit seinen Team gespielt hat und die ihn geschlagen haben.
3. Intensive Auseinandersetzung mit mehreren europäischen Ligen.
4. Angebot von Agenten.

„Bei der Zusammenstellung ist alles im Fluss. Lieb sind mir natürlich Spieler der Kategorie eins. Ich könnte mir nicht vorstellen, ein Team zusammenzustellen, das ausschließlich aus Athleten der Kategorie vier besteht“, betont der Coach. Dann streicht Roijakkers mit dem Finger über den Touch-Screen seines Smartphones. Eine schier endlos erscheinende Liste an Agenten-Namen rauscht über den kleinen Bildschirm und Roijakkers sagt ernst: „Meine Informationsbasis besteht aus 173 Kontakten zu Agenten. Mit etwa 20 bis 30 von ihnen habe ich engeren Kontakt, weil ich weiß, dass sie gut arbeiten und gut ausgebildete sowie talentierte Spieler unter Vertrag haben.“

„Akeem Vargas ist das beste Beispiel."

Dabei hebt er zwei Agenturen hervor. „Pro one Sports“ von Patrick King, bei der er selbst unter Vertrag steht, arbeite extrem zukunftsorientiert. „Akeem Vargas ist das beste Beispiel. Patrick kennt die Spieler und weiß, wie er sie besser macht“, sagt Roijakkers zu seinem zu Alba Berlin gewechselten Shooting Star der vergangenen Saison.

Ähnliches gelte für die Arbeit von Gerrit Kersten-Thiele. Der gebürtige Göttinger, der selbst für die BG 74 spielte, hat vor zehn Jahren seine Agentur „Scorers 1st“ (scorersfirst.com) gegründet. In diesem Jahr steht mit Marc Liyanage einer seiner etwa 45 Profibasketballer bei den Veilchen unter Vertrag. „Mit Johan zusammenzuarbeiten, ist sehr entspannt. Er hat sehr genaue Vorstellungen, was für Spielertypen er sucht“, sagt Kersten-Thiele, dessen Agentur ihren Sitz in Meerbusch bei Düsseldorf hat. Kersten-Thiele ist lizenzierter Agent. Bei Verträgen mit nicht-lizenzierten Agenten müssen die Klubs eine Strafe zahlen.

Geschäft verspricht das schnelle Geld

„In Deutschland gibt es etwa vier bis sechs größere Agenturen, wie wir es sind. Es gibt in letzter Zeit aber immer mehr Agenten“, sagt der 33-Jährige. Das Geschäft verspricht das schnelle Geld, denn die Spielervermittler verdienen nicht schlecht. Die Regel seien zehn Prozent des Netto-Gehalts des vermittelten Profis. Einige große Agenturen wie Interperformances haben mehrere hundert Profis unter Vertrag.

Roijakkers hat genaue Vorstellungen, welche Fähigkeiten die Athleten auf jeder einzelnen Position mitbringen müssen. Deshalb hat er vom Point Guard bis zum Center ein Anforderungsprofil erstellt. „Diese Liste maile ich den Agenten und Agenturen zu. Es kommt dann eine Vielzahl von Angeboten über freie Spieler und ich muss eine Vorauswahl treffen. Dazu nehme ich mir ihre Statistiken aus den vergangenen Jahren, das Basketball-Projekt, das sie durchlaufen haben und die Ligen, in denen sie gespielt haben unter die Lupe. Im Schnitt habe ich nach einer Vorauswahl pro Position etwa 25 Kandidaten.“ Erst dann beginne er mit einer intensiven Analyse. Roijakkers schaut sich ein Highlight-Video und zwei bis drei komplette Partien des potenziellen Zugangs an. Zudem versuche er, Infos über die Kandidaten von seinen Ex-Spielern und anderen Vertrauten zu bekommen. „Erhalte ich positives Feedback, dann spreche ich mit den Agenten. So reduziere ich die Liste erneut, bis ich etwa sieben Kandidaten pro Position habe. Mit denen suche ich das persönliche Gespräch“, beschreibt Roijakkers.

Chance, Spieler auszutauschen

Eine wesentliche Rolle bei der Einschätzung von Top-Athleten hat Brent „B.J.” Johnson. Mit dem Scout der Houston Rockets arbeitete Roijakkers gemeinsam für dessen D-League-Team Valley Vipers. „Er kennt sich auf dem Markt extrem gut ausund weiß fast alles über die Spieler“, betont Roijakkers, der dann allerdings einschränkt: „Man kann noch so viel bedenken, ob dann aber alles zusammenpasst und die Spieler im Team und als Duo auf den Positionen harmonieren, zeigt sich erst in der Saison.“ Die Chance, Spieler auszutauschen, besteht bis Ende Februar.

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Die BG Göttingen hat ihre Personalplanungen für die kommende Saison in der 2. Basketball-Bundesliga Pro A abgeschlossen. Der US-Amerikaner Harper Kamp soll das letzte Mosaiksteinchen sein, das BG-Sportdirektor und Cheftrainer Johan Roijakkers gefehlt hat, um ein Team zusammen zu stellen, das um den Titel und den Aufstieg in die 1. Basketball-Bundesliga mitspielen kann.

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